Subjekt: Deine Gesundheit Date: Dezember 16, 2023 13:55 From: Bernd Strangfeld Lieber Jochen, ein letzter Brief, den wir gestern geöffnet haben, hat uns sehr erschreckt und entsetzt. Wir stellen uns vor, wie Du Dich mühst, wenigstens vom Bett zum Sessel und noch irgendwo hinzukommen, wie das wahrscheinlich schmerzt, wie die Diskrepanz zwischen Deinem wachen Geist und Deinem unwilligen Körper immer größer wird. Wie kann das alles denn praktisch gehen? Ist es nicht möglich, eine helfende Person zu finden? Ich weiß, welche Einwände es da gibt, mit welchen Einschränkungen solche Hilfe verbunden ist. Wir haben ja schon darüber geredet, und ich stelle mir das lebhaft vor. Ich dachte früher immer, Ärzte säßen an der Quelle, wenn es um Hilfe geht. Dagegen sind ja all die Dinge, die Bernd und ich so täglich tun, unerhebliche Banalitäten. Trotzdem beschäftigen sie uns. Wir erwarten ja übermorgen, am 18.12., Besuch von unserer dänischen Freundin, die ziemlich gehbehindert ist, aber trotzdem wild entschlossen, uns noch einmal, vielleicht zum letzten Mal, in Kierspe zu besuchen, weil wir hier viel mehr Platz und mehr Möglichkeiten haben, uns zu erinnern, Bilder, Bücher, Musik zu hören und zu sehen, uns gemeinsam zu erinnern, als sie in ihrem kleinen Zimmer in Kopenhagen. Wir müssten auch ins Hotel gehen und wären nicht so schön immer zusammen, wie hier. Jetzt ziehen wir erst einmal um, räumen ihr unser Schlafzimmer ein, weil sie Mühe mit Treppen hat, beziehen Betten, holen eine Matratze hervor und am 22. noch eine Luftmatratze aus dem Keller, weil dann unsere Freundin Barbara aus Langenfeld kommt. Saubermachen, Kuchen backen, einkaufen. Alles vorweihnachtliche Tätigkeiten. Früher in Liebenburg gabs das große Weihnachtsputzen, das ich gefürchtet habe. Aber hinterher war man froh und stolz. Morgen wird in der katholischen Kirche in Kierspe vom Chor Cantamus das Bachsche Weihnachtsoratorium aufgeführt, 1-3 und 6. Wir freuen uns schon, die sind gut, diese Chorleute, wir haben sie schon so oft gehört. Erst einmal Schluss, morgen versuche ich ein bisschen mehr. Hoffentlich kannst Du schlafen und Dich irgendwie etwas trösten. Alles alles Gute! Deine Gertraud und Bernd.