am 2. November 2023 Liebe Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Euern Brief mit heutigen Datum und der Überschrift "Deinen verspäteten Brief" in dem Ihr von der verzögerten Ankunft von dem "Brief mit der Klage über die erneuten Störmanöver von web.de" berichtet. Vermutlich war dies das mit Oktober 18, 2023 datierte Schreiben, das mir ursprünglich am selben Tage als "undeliverable" zurückgeschickt worden war. Zwei weitere Briefe mit den Daten 6. und 13. Oktober hat man scheinbar endgültig unterschlagen. Ich pflichte Eurer Meinung bei, dass ich web.de mit Unrecht beschuldige, und dass es sich tatsächlich um eine US amerikanische Störung handelt. Die entsetzlichen Weltgeschehen bestätigen mir Nietzsches Warnung: “Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird."(Jenseits von Gut und Böse) Dass mich die Krisen der Menschheit, die Kriege, die heimatlosen Flüchtlinge, die Umweltzerstörung, die Erderwärmung als unvermeidbar und unlösbar dünken, mag eine Alterserscheinung sein. Gewiss ist es auch dem Alter anzurechnen, dass ich zu stehen vermag nur wenn ich mich mit beiden Armen stütze, ein Umstand der kritisch und komisch wird beim Kleideranziehen, wenn ich im Sessel sitzen muss um die Füße in die Hosenbeine zu fädeln, dann aber zum Anziehen, drei Arme benötige, zwei um mich ins Senkrechte hoch zu stämmen und dort zu stuetzen, den dritten aber, um die Hose vom zuboden Fallen aufzuhalten. Dies zu bewältigen ist die Spitzenleistung eines jeden Tages. Zum Lieblingsgedicht ist mir Goethes König in Thule geworden, mit dem ins Meer stürzenden Becher als Sinnbild für das Leben selbst. Es ist ein weiter Sturz nach unten, den ich mit Gleichmütigkeit ertrage weil ich vom eigenen Schreiben, und besonders vom eigenen Denken besoffen, längst in oneiroiden Wahnsinn versetzt worden bin. Herzliche Vorwintergrüße an Euch beide. Euer Jochen