Subject: Herbst Date Oct 3, 2023 12:19 From: Bernd Strangfeld Lieber Jochen, mal wieder in Eile, aber wenigstens etwas. Am 8. 1o. fahren wir nach Goslar, zu dem alljährlichen Klassentreffen - unklar, wie viele überbaupt noch kommen können - , davor ein paar Tage Abwandern seit je geliebter Wegstrecken und Treffen mit drei Freunden von der Grundschule. Das hat letztes Jahr so besonders große Freude gemacht. Dazu kam gestern per Post (Montag!!!) eine Einladung aus Weimar von der Tochter unserer Uralt-Freunde zu einer Ausstellung von Werken - grafiken, Bilder, Plastiken - unseres guten Freundes Olaf, der am 5.10. 80 geworden wäre und zu dessen Ehre die Vernissage an seinem Geburtstag stattfindet. Die Ausstellung wird bis zu seinem Todestag am 23.10. gehen. Wir haben uns ganz blitzschnell entschlossen, unbedingt hinzufahren, und dann gingen etwas unruhige Zeiten los, denn wir hatten uns gerade von unserer freundin aus Langenfeld verabschiedet, die 3 Tage zu besuch war, und wollten nun allerlei Aufgeschobenes nachholen. Alte Fotos finden, Mitbringsel aus Frankreich suchen und finden, für die Tochter einer Weimar-freundin , die ihre Liebe zum Gärtnern entdeckt hat, möglichst viele Pflanzen ausgraben und in Töpfe verpacken. Heute, nationaler Feiertag ist großer Kürbismarkt nicht weit von hier, wir wollten einen dicken Kürbis kaufen, kehrten aber um, als wie die Wahnsinnsmengen von Gästen erspähten. Also besser packen. 19 große Blumentöpfe so verstauen, dass wir mit unserem Gepäck auch noch ins Auto passen. Koffer packen. Ach ja, und gestern stand noch an, die 10 kg am Freitag auf dem Markt erstandenen Zwetschgen in Marmelade zu verwandeln. Das ist nun alles geschehen. Bernd bemerkte gerade, dass wir das viele gemüse im Keller einmachen sollten, in Schraubgläser. Damit ist er nun zugange. Nach 4 Tagen Weimar werden wir gleich weiter nach Goslar fahren. Nachbarinnen wurden auch benachrichtigt, wegen bitte Briefkasten leeren und Kübelpflanzen gießen. Unsere Freunde mit den Hunden - nein, Wanda ist gestorben, bleibt der prächtige Hovawart und der Kater Navidad - erleben gerde, was es praktisch bedeuten kann, eine Wärmepumpe einbauen zu lassen. Wir bleiben bei unserer Gasheizung, anderes lohnt sich nicht mehr. Und Du beschäftigst Dich mit dem Höllengang! Daran ermesse ich, wie gut es uns doch geht. Aber, wie Marie-Luise Kaschnitz schon in den Fünfzigern schrieb, "Isteht alles noch dahin", so kann es ja nicht bleiben. Was Nathaniel und seinen Mit-Bewerbern widerfahren ist, klingt ja ungeheuerlich. Ist das nicht vorsätzlicher Betrug? Und die Aspiranten machen keinen Aufstand? Ja freilich, wogegen, gegen wen. Wie erträgt Nathaniel diese düstere Erfahrung? Wovon lebt er überhaupt? Hat er weiterhin große Pläne? Und wirst Du weiterhin von seiner Frau bekocht? Wie geht es dem Hund? Und, natürlich, wie geht es Dir? Reifen die Pläne für den 10.en Band? Unsere dänische Freundin Bente zieht um in eine altengerechte Wohnung. Sie trägt es mit Fassung, jedenfalls offiziell, aber es ist doch ein tiefer Einschnitt. Sie will uns seit Monaten besuchen - ist sehr mutig, geradezu draufgängerisch -, aber Gesundheits-und arzttechnische Probleme hindern immer wieder. Nun wird der Oktober auch hinfällig, aber der Winter ist ja auch möglich. Sie bleibt optimistisch, wir versuchen, uns anstecken zu lassen. So, lieber Jochen, das waren die Kurznachrichten. Um das Büchlein von Hermann Bang werde ich mich mal bemühen. Über Verbrechen und Sünde als Abweichen von der Herde denke ich ein anderes Mal nach. Dir wünsche ich weiterhin fruchtbringende Gedanken und Quellen von Wörtern, die Dir Freude bereiten. Einen goldenen oder bunten Oktober wünschen Dir mit vielen lieben Grüßen Deine Gertraud und Bernd.