am 9.September 2023 Lieber Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Euern Brief. Ich wünsche Euch eine angenehme und zufriedenstellende Reise. Meinerseits möchte ich mich für die Nachlässigkeit meines Zitierens in meinem jüngsten Briefe entschuldigen, gegebenfalls des Gedichtes von Schiller über Das Mädchen von Orleans. Ich meinte die Rüge "Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen Und das Erhabne in den Staub zu ziehn," auf mich gerichtet zu deuten, der ich der Welt mit ihrer Kultur und Wissenschaft so übermäßig ablehnend gegenüber stehe. Das ist für mich nichts Neues. Ich besinne mich auf meine Jugend wo mein Vater mich beständig wegen meiner Kritik an allem kritisierte, indessen er selbst sich in der befremdlichen Welt ein Zuhause einrichtete indem er alles ihn Bedrohende oder ihm Unverständliche mit der Feststellung "Das hat mit mir nichts zu tun," abwehrte. Je älter ich werde, desto schlimmer werde ich, desto unerbittlicher und verzweifelter wird meine Kritik. Schon seit Jahren verstehe ich diese Kritik als das Klagen des äsopschen Fuchses, die Trauben ihm zu hoch sie zu erreichen, wären zu sauer. Meinen Hinweis auf Till Eulenspiegel als mein Vorbild des erfolgreichen Schalks, dem alle glaubten, den alle verherrlichten, weil er sie betrog, finde ich heute Abend zu weit hergeholt und nicht einschlägig denn in meinem hohen Alter bin ich zunehmend zufrieden anonym zu bleiben. Statt dessen verspricht mir, um mich zu trösten, "Die Zeit", "Nur gute Nachrichten und Inspirierendes zum Wochenende." Das wünsche auch ich uns allen, und grüße Euch herzlich, Euer Jochen