Wenn ich recht besinne, beschrieb ich in meiner gestrigen Eintragung wie der Empfang und die Deutung von Dichtung, Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft dem sehnsüchtigen Bedürfnis des einzelnen Empfängers entsprechen und von diesem gestaltet werden. Heute morgen fällt mir auf, und ich möchte in dialektischem Geist betonen, dass diese Mitteilungen von gewissen Eigenschaften des Mitgeteilten gefördert, begünstigt, erleichtert wenn nicht gar ermöglicht werden. Bei Mitteilung von Sprachlichem bedarfs es ordentlicher ordnungsmäßiger Grammatik und Semantik den Erfolg der Übertragung zu gewähren, diese dient dann aber auch als ein Berechtigungsnachweis (credentials) der die Voraussetzung meiner Empfänglichkeit ist. Dergleichen Nachweis zu beglaubigen ist die besondere Aufgabe des Duden. Eine vergleichbare Gewährleistung ist ausschlaggebend bei der Mathematik insofern sie sich nun einmal auf Symbole verlässt welche die Anschauung völlig auf sich selbst beziehen wenn sie nicht sogar jegliche Anschauung ausschließen. Bei sprachlicher Mitteilung sind grammatische und semantische Fehler erlässlich weil sprachliche Mitteilung wesentlich von außersymbolischer Anschauung begleitet und unterstützt wird; indessen die Macht der Mathematik wesentlich auf die unverbrüchliche Verlässlichkeit der Semiotik beruht. In der Schrift einen Buchstaben auszulasen (sic) ist meist belanglos. Aber in einer Berechnung + mit - zu verwechseln, eine Ziffer oder ein comma auszulassen wäre verheerend. Die gesellschaftlichen Grundlagen für verlässliche symbolische, besonders mathematische, Mitteilungen zu schaffen ist Aufgabe der Schule, und insofern Mitteilung sich auf dynamische gesellschaftliche Grundlagen verlässt, heißen wir sie Scholastik. Ich meine in dieser, wie auch in manch anderer dialektischen Zergliederungsreihe eine regressive Rekursion zu erkennen, welche auf die Nivellierung jeglicher Wirklichkeitserkenntnis hinausläuft und meinen Geist auf einer einsamen Insel vermeintlicher Genügsamkeit inmitten eines stürmenden Meeres des Nichtwissenkönnens aussetzt.