Subject: Sommer Date: 16 Juli 2023 06:36 From: Bernd Strangfeld Lieber Jochen, wir stellen uns vor, wie Du in Deinem schönen Zimmer mit Aussicht Dich quälst mit nicht funktionierenden Gelenken, Schmerzen und allgemeiner Betrübnis. Da wollen wir Dir wenigstens sagen, dass wir an Dich denken und wünschen, es möge Dir besser gehen. Wie ist es mit den sommerlichen Temperaturen in Belmont? Aus anderen Teilen der USA hört man schlimme Dinge, ebenso aus Südeuropa und aus vielen gegenden Deutschlands. Nicht so aus Kierspe, hier geht es, obwohl sich natürlich trotzdem viele beklagen. Meist weht auch ein lebhafter bis kräftiger Wind, der das Leben erleichtert. Naja, wir haben es gut, können die Jalousien runter lassen oder könnten, allerschlimmstenfalls, uns in den kühlen Keller begeben, einen Stuhl ergreifen und das berühmte gute Buch lesen. Stattdessen werkeln wir an den Papieren (Bernd: Steuererklärung, Krankenkasse) und ich doch etwas im Garten, grabe aus, pflanze um, erfreue mich an neu gekauften Blüten, die noch in größeren Töpfen auf der Terrasse stehen, weil ich ihnen noch keinen Platz in den Beeten freigeräumt habe. Kommt noch. Jeden Morgen begeistern uns die kräftig himmelblauen Wegwarten - das habe ich Dir bestimmt schon öfter geschrieben -, die aussehen wie frisch aus einem Märchen entsprungen. Leider gibt es nach wie vor kaum Schmetterlinge. Ein paar hübsche Wanzen, die ja anders als Käfer und Falter keine vollständige Verwandlung durchmachen, sondern aus den Eiern als winzige Wänzlein schlüpfen, stecknadelkopfgroß (habe gerade eine gesehen) und sich 5 bis 6 Mal häuten müssen, bis sie aus dem letzten Stadium als Imago hervorgehen, zunächst noch ganz weich und nur blass gefärbt, aber man kann zusehen, wie sie sich zum fertigen Tier entwickeln. Alles iat im Garten sehr schön zu beobachten an den rot - schwarz gestreiften Streifenwanzen (sic!). Sie leben übrigens nur auf Doldenblütlern. Mir ist gänzlich unklar, wie sie das immer herausfinden. Naja, es gibt noch mehr Wunder! Es stürmt. Bernd hat sich zu einer kleinen Mittagsruhe begeben, ich überlege, wohin ich das Mairübchen und den alten Kohlrabi pflanzen kann, die beide Grünansätze zeigen und auf deren Entwicklung ich einfach neugierig bin. Nicht ins Beet, das würden die Wühlmäuse jubeln, also in irgendeinen - immer schon belegten - Topf. In der Regenrinne über der Terrasse sitzt eine zierliche Türkentaube. Sie peilt die Sonenblumenkerne an, traut sich aber nicht. Noch nicht. Wohnt eigentlich Nathaniel noch in Deinem Haus? Und was macht der Hund? Ich grüße Dich vielmals, und Bernd würde sich anschließen. Habe einen guten Sommer, trotz alledem! Deine Gertraud.