Dies ist ein Vorwort das ich am Ende schreibe. Weil ich sonst nicht weiter weiß, setzte ich diese Paar Worte an den Anfang um dem Ganzen einen Anhauch von Sinn zu verleihen, als möchte eine scheinbar ungeordnete Gedankenflucht sich annehmbar machen dadurch dass ein geschäftstüchtiger Verleger sie mit geringstem wirtschaftlichem Aufwand in Rechnerkarteien speichert, um sie dann irgendwann später in Form eines Buches auf Abruf als einzelne Exemplare automatisch abdrucken zu lassen, und leider aber nicht "umb sonst" zu vergeben. Das Buch, der 7. Band meiner Romanserie "Vier Freunde", beträgt etwa 300 Seiten, und ich gebe meinem Gedächtnis die Schuld, dass es mir nicht gelingen will, einen durchgängige, gegliederte, zusammenhägende Geschichte zu erfinden. Ich habe das bisher Geschriebene wiederholt gelesen, und dabei fällt mir auf, dass die Seiten welche ich vorgestern und gestern las einen so schwachen Eindruck hinterlassen haben, dass es mir nicht gelingen will sie in das was ich heute lese zu verflechten. 1ast befinde ich mich verleitet, in gedämpfter Verzweiflung alles jüngst Geschriebene zu löschen. Dann aber besinne ich mich eines anderen und es scheint mir was ich geschrieben habe, eben weil ihm der äußere Zusammenhang fehlt, möglicher Weise von besonderem Wert. Ich erinnere meines Vaters Worte: "Eine Bildung muss der Mensch haben." und erlaube mir die Einbildung, dass vielleicht die äußere Formlosigkeit meines Romans durch einen inneren Zusammenhalt mehr als aufgewogen wird, eine Bindekraft welche dadurch entstand, dass ich mich nicht scheute meine Gedanken jeweils aufzuschreiben wie sie sich mir aufdrängten, und dass demzufolge dies Buch als Abfolge von Spiegelbildern meines Gemüts gelesen werden möchte. Als Muster zitiere ich Hölderlins Hymne Patmos, ein Gedicht das ich seit Jahren leidenschaftlich bewundere: Patmos Dem Landgrafen von Homburg Nah ist Und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch. Im Finstern wohnen Die Adler und furchtlos gehn Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg Auf leichtgebaueten Brücken. Drum, da gehäuft sind rings Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten Nah wohnen, ermattend auf Getrenntesten Bergen, So gib unschuldig Wasser, O Fittige gib uns, treuesten Sinns Hinüberzugehn und wiederzukehren. Dies lese ich als die vollendetste Dialektik. Die Gipfel der Zeit sind das nach außen gewandte Inwendige, und das Äußerste sind die ermattend auf getrenntesten Bergen nah wohnenden Liebsten. "unschuldig Wasser" deute ich als Hinweis auf Offenbarung 22: 17. Καὶ τὸ πνεῦμα καὶ ἡ νύμφη λέγουσιν Ἔρχου: καὶ ὁ ἀκούων εἰπάτω Ἔρχου: καὶ “ὁ διψῶν ἐρχέσθω,” ὁ θέλων λαβέτω “ὕδωρ ζωῆς δωρεάν.” 17. Vnd der Geist vnd die Braut sprechen / Kom. Vnd wer es höret der spreche / Kom. Vnd wen dürstet / der kome / Vnd wer da wil / der neme das wasser des Lebens vmb sonst.