Subject Auseinandersetzungen ausder Vergangenheit Date am 27. Juni 2023 From: Klemens Meyer https://www.nw.de/lokal/kreis_lippe/uebersicht/23283657_Als-die-juedische-Gemeinde-bluehte.amp.html “1750 gerieten David (Jacob) einmalig und Meyer Isaak mehrmals in verbale Auseinandersetzungen mit Nichtjuden, u. a. beschimpfte Letzterer die ‚Feuerherren‘, als sie ihm Nachlässigkeiten vorwarfen. Auch innerjüd. Streitigkeiten sind für 1750 überliefert. 1755/56 wurde der Oerlinghausener Jude Joseph als Zeuge bei einem Wirtshausstreit zwischen Nichtjuden vorgeschlagen.” https://www.lwl.org/hiko-download/OA_DT/Oerlinghausen_(Plaß)_566-573.pdf https://www.oerlinghausen.de/de-wAssets/docs/tourismus/aktivitaeten/Bergstadt-Spuren-von-Marianne-und-Max-Weber/MWW_Rundgang_Flyer_Einzelseiten_sortiert.pdf “Dr. med. Max Meyer Oerlinghausen, Reuterstraße 9 Meyer, Dr. Max, geboren am 3. Oktober 1866 in Oerlinghausen, gestorben am 25. November 1941 in Lage. Max Meyer wurde 1866 als Sohn von Isaac und Emilie Meyer geboren. Am 15. März 1892 heiratete er in Rodenberg Bertha Levy (1869-?). Das Ehepaar hatte drei Kinder: Gertrud (1892-1966) und Georg (1901-1983). Richard, ein 1896 geborener Sohn, war 1900 bei einem Unfall ums Leben gekommen. Abb. 18: Dr. Max Meyer, 1936. Max Meyer verließ 1885 das Gymnasium Leopoldinum in Detmold mit dem Abitur. Nach dem Studium der Medizin ließ er sich im Januar 1892 als zweiter Arzt wieder in Oerlinghausen nieder. Anfangs hatte er Wohnung und Praxis in der Detmolder Straße 23, dann in der Bahnhofstraße und schließlich in dem 1925/26 erbauten Haus Reuterstraße 9. 1918 wurde er zum Sanitätsrat ernannt. Meyer war von 1903 bis 1910 im Vorstand des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur mit Sitz in Lage tätig. Politisch engagierte er sich wie sein Bruder Joë bei den Freisinnigen und nach 1918 bei der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Außerdem war er Mitglied im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV), der sich gegen den wachsenden Antisemitismus wendete. Von 1925 bis 1928 gehörte er darüber hinaus dem Vorstand des Israelitischen Gemeindetages von Lippe als stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer an. Im Frühjahr 1935 ereiferte sich das NS-Organ Lippische Staatszeitung darüber, dass Meyer immer noch ärztlichen Sonntagsdienst leisten dürfe. Im August 1936 wurde Max Meyer die Ausstellung eines Reisepasses verweigert, den er im Mai beantragt hatte. Die Gestapo wies die lippische Landesregierung an, den Passantrag des Juden Dr. med. Max Meyer zum Zwecke der Geldversendung nach Holland... abzulehnen. Der beschlagnahmte Reisepass ist erhalten. Im März 1937 wurde der Oerlinghauser Berichterstatter der Lippischen Staatszeitung, vermutlich Urheber der hetzerischen Artikel vom Sommer 1935, seiner Funktion enthoben und ein neuer eingesetzt. Der Grund: Seine Frau hatte zur Behandlung der kranken Tochter den jüdischen Arzt ins Haus bestellt. Der Parteigenosse beschwor den Lemgoer NSDAP-Kreisleiter und Chef der Staatszeitung, August Prüßner, dass dieses ohne sein Wissen geschehen sei und betonte: Es kommt aber kein jüdischer Arzt über meine Schwelle mehr und ich bin ebenfalls ein Judenfeind wie jeder andere Parteigenosse. Der Kreisleiter antwortete lediglich, dass er selbstverständlich auch für alle 33 Handlungen seiner Familienmitglieder verantwortlich sei. Die Tat habe sich bereits herumgesprochen. Am 29. September 1938 verzog Dr. Meyer, nachdem er seine Praxis aufgegeben hatte, von Oerlinghausen zu Antonie Meyer in Kachtenhausen. Sie war die Witwe seines Vetters Gustav, eines Lederfabrikanten. In Wellentrup Nr. 68 lebten außerdem seit 1935 seine Tochter Gertrud mit ihrem nichtjüdischen Mann Wilhelm Denninghaus und zeitweise seine Enkelin Ursula. Während der nationalsozialistischen Gewaltaktionen gegen die Juden vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch das Haus in Wellentrup von Unbekannten aufgesucht. Sie schlugen einige Fensterscheiben ein und beschlagnahmten ein altes Gewehr. Eingezogen wurden wenig später auch das Auto und die Bibliothek Dr. Meyers mit 350 Bänden. Auf Druck der Nationalsozialisten unternahm der 72-jährige seit Mai 1939 Anstrengungen um eine Auswanderung. Monatlich belegte er diese gegenüber dem Amtmann in Schötmar. Seine Hoffnungen ruhten dabei vor allem auf seinem Sohn Georg, der 1936 mit seiner Frau aus Leipzig nach New York emigriert war und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt hatte. Dr. Georg Meyer war ebenfalls Arzt. Immer wieder kam es zu Verzögerungen aufgrund sich ändernder Einreisebestimmungen, außerdem mussten eine Bürgschaft übernommen und die Mittel für die Schiffspassage aufgebracht werden. Im Juni 1940 bestätigte das US-Konsulat, dass alle Dokumente vorlägen und die Erfordernisse erfüllt seien. Dafür teilte die italienische Schifffahrtsgesellschaft nun allerdings mit, dass Nichtarier kein Transitvisum mehr für Genua erhalten würden. Der Sohn erhielt im Februar 1941 die amerikanische Staatsbürgerschaft und war unermüdlich bemüht, eine neue Passage für seinen Vater zu organisieren. Lissabon und das spanische Irún gehörten dabei zu den wenigen Optionen, die es zu dieser Zeit noch gab. Ende Juni 1941 lagen alle erforderlichen Unbedenklichkeitsbescheinigungen der deutschen Behörden vor und auch die Liste des Umzugsgutes war genehmigt. Max Meyer wartete nun auf den Aufruf seiner Nummer. Wenig später erkrankte er schwer und war über Wochen hinweg bettlägerig. Am 23. Oktober 1941 verboten die Nationalsozialisten die Auswanderung von Juden. Am 25. November 1941 verstarb Dr. Max Meyer im Krankenhaus in Lage. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Lemgo. Quellen Landesarchiv NRW Abt. OWL (Detmold): L 79 Nr. 4679; L 75 Abt. IV Gr. 11b Nr. 2 Bd. V (alte Signatur); L 80.14 Nr. 342; D 20 B Nr. 3011, 3698; D 27 Nr. 2856 Kreisarchiv Lippe: K 1 Schötmar Nr. 8; K 2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 1091, 1417 Landesarchiv NRW Abt. Westfalen (Münster): Q 121 Nr. 4591 Lippische Staatszeitung vom 10. Februar und 26. Mai 1935 34 Abb. 19: Deposit-Karte des American Jewish Joint Distribution Committees für Max Meyer (Einzahler war der Sohn Georg), 1941. 35” https://docplayer.org/53116250-Die-opfer-des-nationalsozialismus-aus-oerlinghausen-ein-erinnerungsbuch-juergen-hartmann.html Klemens Meyer, MD 617-549-5539