Date: 27 Juni 2023 From: Bernd Strangfeld Subjekt: Doch, wir leben noch! Lieber Jochen, Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen, es geht uns gut, wir sind nach über 5 wöchiger Abwesenheit wieder in Kierspe und haben nun so allerlei zu tun, schriftich, per Anruf und im Garten. Irgendwann hatte ich Dir geschrieben, dass wir bis etwa 10. Juni unterwegs sein würden. Das waren wir dann auch und haben viel erlebt, vor allem Freunde getroffen, in Deutschland und Frankreich. Auf der Hinfahrt haben wir 2 Tage in Breisach Station gemacht, altee Kollegen und Freunde getroffen, viel geklönt, und sie haben uns durch ein Altrhein-Naturschutzgebiet geführt, wo wie uralte Bäume, vielfach Ruinen, und eine europäische Sumpfschildkröte bestaunt haben. Schon das zweite Mal haben wir in diesem Hotel übernachtet, da wurden wir schnell zu Hausfreunden. Der nächste Halt war dann bereits in unserem alten Dörfchen bei unseren ehemals Ziegenkäse-freunden, ganz unerwartet, das lag aber daran, dass wir auf einer französischen Autobahn-Raststätte (die sind vielfach besser eingerichtet als die deutschen) bei dem Versuch, unsere als Mitbringsel gedachten 4 Christrosen-Töpfe wässern wollten und dabei zu unserer entrüsteten Überraschung entdeckten, dass wie allesamt völlig verlaust waren. Eigentlich hatten wir die erst auf dem Rückweg nach der Woche bei meinem Vetter übergeben wollten, aber ihr Zustand verlangte nach dauerhaft frischer Luft, also sind wir entschlosssen durchgefahren und abends auf sehr vertrautem Gelände mit sehr vertrauten Freunden gelandet. Das Bett war schon gemacht. Abgesehen von großer Wiedersehensfreude und Besichtigung des Blumen-und Gemüsegartens lernten wir ihre 4 Truthennen samt einem Truthahn kennen, eine nie gesehene exotische Rasse, die sie nur aus Freude halten. Sie haben sie als Jungtiere bekommen und nicht zum Verzehr, sondern zur Daseinsfreude gedacht, und so ist es geblieben. Eine besonders anhängliche Henne strich um meine Beine und wollte gekrault werden. Als Einleitung breitete sie die Flügel aus und streckte die Brust raus. Noch nie erlebt! Ein "animal de compagnie", und das auf einem ehemaligen Bauernhof. Die Christrosen (Helleborus) können sich nun erholen, sie haben ihren Platz in der Erde gefunden, und wir zogen weiterzu meinem Vetter in der Nähe von Cordes-sur-ciel (Cordes reicht eigentlich). Ebernfalls frohes Wiedersehen. Mein ja stark beeinträchtigter Vetter, auch Bernd geheißen, kann mit seinem Schwerst-Rheumatismus mithilfe eines Stockes, besser zweier Stöcke, ein paar hundert Meter mühsam gehen, immerhin, nachdem er vor zwei Jahren beinahe gestorben wäre. Wir haben natürlich viel erzählt, mein Bernd und ich haben auch mal die freundliche, lebhafte Labradorhündin ausgeführt, und ein paar Abende haben Heidi und die beiden Bernd Skat gespielt. Die Franzosen kennen das nicht, also ist ein dritter Deutscher sehr willkommen. Ich habe mich derweil durch frz. Zeitungen gearbeitet. So, das war erst der Anfang. Damit ich den Schwung behalte, höre ich jetzt erst einmal auf und mache wieder einige Gartenrunden, sehr sachte, denn hier ist es seit 10 Tagen richtig sommerlich warm - schon stöhnen etliche über die Hitze. Früher hätten wir uns ungetrübt am Sommer erfreut! und hoffe, dass ich die unbekannte, jäh auftauchende sehr hübsche und gepflegte, noch sehr jugendlich wirkende Katze, die plötzlich meine Beine umstrich, mithilfe einer Gießkanne gründlich vertrieben habe. Sie ist nicht gut für die Vögel, die uns sonst zu trauen versuchen, und überhaupt. So, lieber Jochen, das wars fürs erste, und dann koche ich Kaffee, eine Freundin möchte mit uns plaudern. Wie geht es Dir? Wie macht sich der Sommer bemerkbar? Wir wünschen Dir alles Gute! Deine Gertraud und Bernd.