Ich habe weiter in Diltheys Einleitung in die Geisteswissenschaften gelesen. Mich überwältigt die Phantastik der Gedankenwelt in die Dilthey mich einlädt, und komme mit ihr zurande nur unter dem Gesichtspunkt dass sie eine besondere Art Musik sein möchte, die ich zu "verstehen" vermag erst nachdem mein Gemüt sich durch sie hat verwandeln lassen; eine Musik die ich dann verstehe wie ich alle Musik und alle mir fremden Gedanken verstehe. Dieser Gedankengang weist auf alles Verstehen als auf Assimilierung des Gemüts (des Geistes) an das vormals Fremde. Die "Wahrheit" wäre dann die Übereinstimmung meines Gemüts mit dem ihm was ihm "von Außen" geboten wird. Wahr ist der Name mit dem ich das Rotkehlchen oder die Bachstelze bezeichne. Wahr ist eine Deutung eines Zitats von Anaximandros, Platon oder Aristoteles das mir schließlich selbstvertändlich, eingeboren erscheint. Wenn man einen Aufsatz, ein Gedicht zu lesen lernt, sind es nicht nur Worte und Grammatik über welche zu verfügen man lernen muss, sondern auch Gedanken, Einstellungen, Einsichten und Ansichten. Es ist die Eigenart der Philosophie, dass die Gedanken die sie mitzuteilen strebt, fremd sind und assimiliert zu werden bedürfen wie die Bedeutungen der Worte einer fremden Sprache.