From: Bernd Strangfeld Date: 9.April 2023 03:13 Subject: Ostern Lieber Jochen, ein herrlicher Morgen, strahlende Sonne, windstill, noch dicker Rauhreif, nachts -3,8°. Wir hatten eigentlich 4 Tage Krötendienst, morgens und abends, aber unsere BUND-freunde fanden, wir sollten nichts nachts suchend über sehr unebenes Gelände stolpern, sie möchten das für uns übernehmen, und so haben wir nach anfänglichem Zögern gern zugestimmt und uns jeweils gemütliche Abende gemacht. Heute früh war unser erster Einsatz, und wie zu erwarten hatte sich keine einzige Kröte oder irgend ein anderes wanderlustiges Tierchen auf die Wanderschaft begeben, wir waren also schnell fertig, fuhren heim der Sonne entgegen, genauer der Ostersonne, die sich alle Mühe gibt, die bitterlichen Frostspuren zu beseitigen. Trotzdem hat Bernd noch einmal den Kachelofen angeheizt, denn wir haben wieder besuch von unserer Freundin aus Langenfeld, die aus Kummer um ihren jüngst verstorbenen Mann natürlich leichter friert als sonst. Es ist also Ostern, fröhliche, wie man allseits wünscht. Im Radio Bach, ich werde aber gleich Schumanns 3. Sinfonie anwerfen, die ich sehr besonders liebe. Danach werden wir nach Lindlar im Bergischen Land fahren, in der anmutigen Landschaft des dortigen großen Freilichtmuseums spazieren, nach frühen Blüten schauen, im Teich nach Froschlaich, und draußen einen Kaffee trinken. Gestern war für uns drei ein guter Tag, denn ersten hat es nicht die Spur mehr geregnet, und zweitens haben wir die gesamte große Neye-Talsperre bei Wipperfürth umrundet. 12 km, dabei war eigentlich nur ein kleiner Teil vorgesehen, denn unsere Freundin hatte wieder einmal große Schmerzen im Oberschenkel, den aber ein offenbar höchst kundiger Therapeut behoben hat. Bernd war auch gut zu Fuß, ich auch, und so haben wir ganzen langen Zungen dieser schönen, aber sehr unübersichtlichen Talsperre umrundet. Anschließend "bergische Waffeln" im wiederhergestellten Restaurant oberhalb der Sperrmauer. Wir waren alle drei sehr zufrieden, haben uns später den österlichen Vorbereitungen gewidmet, mit Erfolg: Babs hat die Eier gefärbt, ich habe einen Zwetschgenkuchen (aus eingefrorenen Zwetschgen) gebacken, Bernd hat sich um Beheizung der Öfen und alles sonstige gekümmert. Abends später einen Film über die Provence, auch zu allgemeiner Zufriedenheit. Und heute ist nun Ostern, Tulpensträuße leuchten. Danke für Deinen Brief vom 28.März! Interessant Deine Ausführungen zu "schön", das wir doch immer eng verknüpfen mit "gut". Das wird heute Morgen wieder deutlich bie dieser Sonne - in unseren Breiten ja eigentlich immer gut, mit Ausnahme der letzten Sommer, als es ins Gefährliche umschlug. (Zuerst hatte ich "wo" anstatt "als" geschrieben, dieses kleine Wort ist ein weitverbreitetes Relativwort, auch wo es strikterweise nichts zu suchen hat.) Bitte entschuldige die eilige Oberflächlichkeit, ich warte auf meine Freundin, die schon rumort, aber noch nicht erschienen ist, Bernd hat Kaffee und Tee gekocht, die bunten Ostereier lächeln, gleich geht es los. Gestern Abend haben wir drei possierliche Mäuse beobachtet, die auf der Terrasse mit Haferflocken und Erdnusskernen beschäftigt waren und nicht gegen die Anwesenheit der anderen protestierten. Alle sind da. Babs liest Mails ihres älteren Sohnes, der mit Familie gerade in Kambodscha weilt. Eine Weimarer Freundin hat Geburtstag, und eine Nachbarin wollen wir zum Kaffetrinken einladen. Bei Sonne geht alles leichter. Nun kriegst Du leider gar keinen ordentlichen Brief, das kommt aber in den nächsten Tagen, hoffentlich. Schöne, gute Ostertage, friedliche und freundliche Gedanken! Deine Ausführungen zu Religion und Weltlage und menschlichen Versuche, die Welt zu retten, werde ich später bedenken. Die pessimistische Grundhaltung ist mir durchaus vertraut. Sonnige, erfrischende Grüße aus Kierspe! Deine Gertraud und Bernd.