am 6. Februar 2023 Liebe Gertraud, lieber Bernd, wie stets, vielen Dank für Euern Brief, der mir die willkommene Gelegenheit zur Antwort bietet, oder sogar diese gewissermaßen von mir verlangt. Das Antworten, das Schreiben ist, wenn ich etwas zu berichten, zu erzählen oder zu beichten habe, eine zufriedenstellende Erleichterung, zufriedenstellender aber noch, wenn mein Kopf leer ist, und ich vorerst überhaupt nicht weiß worüber ich berichten, was ich Euch erzählen möchte, denn dann mache ich es dem Kater nach, lege mir die frisch mit echter deutschen Philosophie gewichsten Stiefel an und übe mich im Schwafeln. Bekanntlich siegten beide, der gestiefelte Kater und Albert Einstein unter derselben Devise: "Es lebe die Unverfrorenheit." Ich wähle beide zu meinen Helden, zu meinen Vorbildern, "role models" wie man in amerkanischem Englisch sagt, und adoptiere ihren Wahlspruch: Es lebe die Unverfrorenheit. Ein paar Worte noch zu Annette von Droste-Hülshoff. Erst zur "Judenbuche". Den Ort des räuberischen Holzfällens stellte ich mir vor als den Teuteburger Wald, an dessen Rand die Eltern und andere Familienmitglieder meines Vaters begraben sind. Die Juden welche die hebräische Inschrift in die Buchenrinde schneiden ließen, dachte ich, waren meine Vorfahren in Oerlinghausen. Erst nachdem ich mich in diesen Phantasien verfangen hatte, ließ ich mich vom Internet belehren, dass die Wasserburg Hülshoff im Münsterland, etwa 110 Km westlich von Oerlinghausen gelegen ist. Die Problematik des Detektivromans als eine mir ungebührliche Vereinfachung des Schicksals aber bleibt unbehoben. Die Feststellung dass wir wegen der Ontologie des Detektivromans anderer Ansicht sind und uns nicht verstehen ist mir ein Übergang zur Betrachtung der Dialektik der Mitteilung. Ich schlage vor, dass die Wahrheit nur im Märchenhaften zu finden ist,und dass letzten Endes ein jeder von uns das Märchen aus der Perspektive der eigenen Geschichte erlebt. Zum Beispiel: Als ich beim heutigen (7.2.2023) Erwachen den Lieben Gott im Morgengebet bat, mir doch endlich die Quantentheorie verständlich zu machen, erinnerte ER mich, Seine Prophetin Gertraud beauftragt zu haben, mir mit dem Hinweis auf den Gestiefelten Kater den transzendentalen Weg zu den tiefen Wahrheiten und Gültigkeiten auch dieser geheimnisvollen Wissenschaft zu zeigen. ER sagte, mein lebenslanger Wunsch auch ein Gestiefelter Kater zu sein würde zwar nicht in Erfüllung gehen, würde mir aber dennoch vergeben werden. ER muss ein amerikanischer Gott gewesen sein, denn ER rügte mich in englischer Sprache "a slow learner", da ich, nach den zehn Jahren in denen ER es mir mit der Steifheit meiner Gelenke unmöglich gemacht hatte mir auch nur die Schnürsenkel zuzubinden, immer und immer wieder den Versuch anstellte mir, als wäre ich ein von Ihm begnadeter Kater, sogar Stiefel anzuziehen. Die von Quantentheorie beschriebene Welt erklärte ER, wetteifere an Wirklichkeit mit dem "Saal, der ganz von Gold und Edelsteinen flimmerte", und somit den Gestiefelten Kater zum "ersten Minister" des Königs - oder sollte es sein, zum Nobelpreisträger kürte. Das Internet bestätigt mir: Charles Darwin 12 February 1809 – 19 April 1882) Annette von Droste-Hülshoff (* 12. Januar 1797, ... auf Burg Hülshoff bei Münster als Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff; † 24. Mai 1848) Die beiden also waren Zeitgenossen. Das Gedicht "Die Vergeltung" deute ich als Anna Elisabeth etc.'s geistig-seelische Prophylaxe gegen Darwins Lehre vom Überleben des Tüchtigsten, (the survival of the fittest), denn in der amoralischen Welt von Darwin war der schwarzgelockte Passagier völlig im Recht, als er um selbst zu überleben den Kranken mit der feuchten Stirn vom Balken mit den eingegrabnen Worten "Batavia. Fünfhundert Zehn." ins Wasser fallen und ertrinken ließ. Um Schillersche Gerechtigkeit einzusetzen richtete Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica es ein, dass der schwarzgelockte Passagier allenfalls vorläufig in ein Piratenschiff gerettet wurde, aber nur um später zusammen mit seinen Piratenrettern als Vergeltung am Galgen mit der Inschrift "Batavia. Fünfhundert Zehn." erhenkt zu werden. Scheinbar ist es Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica nicht eingefallen dass den Piraten, ungeachtet ihres Handwerks die Rettung des schwarzgelockten Passagiers als erlösende Wohltat hätte angerechnet werden können. Als ich dies Rätsel dem Lieben Gott unterbreitete, antwortete ER, das Richten sei eine Angelegenheit so schwierig, dass nicht einmal ein Gestiefelter Kater sie zu entwirren vermöchte. Man sollte das Richten, ihm, dem Lieben Gott, überlassen von dem Heinrich Heine mit bewundrungswürdiger Zuversicht gesagt haben soll: Dieu me pardonnera c'est son metier. So bin auch ich zuversichtlich, dass mir in unentfernter Zukunft mein Lästermaul vergeben werden wird. Herzliche warme Wintergrüße an Euch beide. Euer Jochen