am 28.Januar 2023 Liebe Gertraud, lieber Bernd, gestern empfing ich den Briefumschlag von Euch. Der Enthielt: a) die Postkarte mit der Photographie des Herrscherpaars in der sechzehneckigen Kapelle des Doms in Madgeburg, um 1250; b) die Broschüre der Bundeskunsthalle über Afrikanische Meister, Kunst der Elfenbeinküste 28. Juni - 5. Oktober in Bonn, und soeben bemerke ich, stattgefunden nicht dieses Jahr, auch nicht künftig, sondern, vor neuneinhalb Jahren, 2014, also 1 Jahr vor Margarets Tod. Darauf, in Gertrauds Handschrift die Frage: "Ist das nicht großartig?" c) Zeitungsbeigaben zu den Themen: c-1) Dauerregen: Angst an der Volme c-2) Scherbenteppich und tote Vögel c-3) Der rote Solitär aus Sandstein bleibt unangetastet c-4) Ich habe Wagner überlebt c-5) Die falsche Siegerin (Kritik an den Nobelpreisen) c-6) Die Moral und ihre Unternehmer c-7) Proteste gegen Lützerath-Abriss gehen weiter c-8) Windenergie: Ausbauziele verfehlt c-9) Mehr Gewalt-Meldungen in Kitas c-10) "Digitalisierung statt Service - Darauf, in Gertrauds Handschrift die Feststellung "Finden wir fürchterlich!" Erlaubt mir bitte die Bemerkung, um wie viel mehr Geistiges Eure kleinen örtlichen Zeitungen, etwa die Lüdenscheider Nachrichten oder die Meinerzhagener Zeitung anbieten, als was die U.S. amerikanischen Zeitungen, und nicht nur the Belmont Herald, the Nantucket Inquiror and Mirror oder gar, in Virginia the Roanoke Times oder the Washington County News sondern auch the N.Y. Times oder Washington Post zu bieten haben. Folgendes betreffs c-1) Dauerregen: Angst an der Volme. Seit ich den Unterschied zwischen dem Volmetal und einem missverstandenen quasi-alchimistischen "Vollmetall" gelernt habe, erkundige ich mich ab und zu, wenn ARD Tagesschau von heftigem Regen in Nordrhein-Westfalen berichtet, über den Pegel der Volme. Vor zwei oder drei Wochen war bei Euch Hochwasser. Heute, am 29. Januar 2023 um 19 Uhr liegt der Volmepegel bei Kierspe 15.8% niedriger als der zehnjährige Durchschnitt, indessen er bei Hagen um 26,6% höher liegt. Warum wohl? Hat es wirklich in Hagen in den vergangenen paar Tagen anderthalb Mal so stark geregnet wie in Kierspe? Täuscht mich meine Erinnerung dass Euer Haus auf einem Abhang liegt mit Blick über eine beträchtliche Niederung, und somit nur sehr geringer Flutgefahr ausgesetzt ist? Das Thema c-10) "Digitalisierung statt Service" ist mir von so einschlägigem Interesse, weil meine diesbezüglichen Bemerkungen so umfangreich würden, dass ich sie vorerst aufschieben möchte. Zur Zeit beschäftigt mich der neunte Band meiner Romanserie den Zusammenbruch durch Digitalizierung, nicht einer Lebensmitteltheke sondern einer Landesregierung handelt. Sämtliche Beamten entlassen oder ausgerissen, Schreibtische und Aktenschränke "saniert", will sagen, dem Schrotthändler geschenkt, und der Regierungsrat durch eine aufwendige Rechnermenagerie ersetzt, in der nicht nur die Schriften, sondern auch die Aussprüche, die Gedanken und die Gefühle aller Einwohner und aller Zugewanderten aufgespart werden, eine Rechnergruppe die entsprechend programmiert ist jene Menschen zu ermitteln sie sich zu weit vom Durchnitt befinden um so oder anders die Gesellschaft von ihnen zu befreien. Ihr werdet verstehen weswegen die Einzelheiten sehr umständig sind. Fast so umständig sind meine Erwägungen wegen: b) die Broschüre der Bundeskunsthalle über Afrikanische Meister, Kunst der Elfenbeinküste 28. Juni - 5. Oktober in Bonn. Sofort erinnerte sie mich an ein Seminar "Über das Erhabene" an dem Werner Jaeger mir erlaubte mich zu beteilgen, indessen ich zu diesem Zwecke etliche klinische Übungen meines Medizinstudiums schwänzte wo schwerkranke armselige Patienten gezwungen wurden sich den wissbegierigen Studenten vorstellen zu lassen. Damals gab ich ein Referat über ein Gedicht von Hölderlins als Beispiel des Erhabenen in der deutschen Literatur: Die Eichbäume Aus den Gärten komm’ ich zu euch, ihr Söhne des Berges! Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich, Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen. Aber ihr, Ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel, Der euch nährt’ und erzog und der Erde, die euch geboren. Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen, Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel, Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute, Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet. Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen. Könnt’ ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben. Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich, Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd’ ich unter euch wohnen! On the Sublime (Greek: Περì Ὕψους Perì Hýpsous; Latin: De sublimitate) is a Roman-era Greek work of literary criticism dated to the 1st century- C.E.. Its author is unknown, but is conventionally referred to as Longinus (/lɒnˈdʒaɪnəs/; Ancient Greek: Λογγῖνος Longĩnos) or Pseudo-Longinus. It is regarded as a classic work on aesthetics and the effects of good writing. The treatise highlights examples of good and bad writing from the previous millennium, focusing particularly on what may lead to the sublime. https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudo-Longinos Als Pseudo-Longinos bezeichnet die Forschung den bislang nicht identifizierten Autor der wirkungsmächtigen antiken Abhandlung „Über das Erhabene“ (griechisch Περὶ ὕψους Peri hypsous). Es zählt – nach der aristotelischen Poetik und der Ars poetica des Horaz – zu den bedeutendsten dichtungstheoretischen Werken der Antike. Peri hypsous (lateinisch: De sublimitate) ist eine Abhandlung über das Erhabene bzw. die Größe. Dies wird nicht nur als Stilbegriff, Eigenschaft eines Textes verstanden, sondern zugleich als ein Verweis auf die Fähigkeiten, die Kraft des Urhebers. „Das Erhabene zerreißt, wenn es im richtigen Augenblick hervorbricht, wie ein Blitz alle Dinge und zeigt mit einemmal die ganze Gewalt des Redners.“[2] Dabei wird zwischen zwei Weisen unterschieden, wie Größe/Erhabenheit produziert wird: durch Anlage (physis) und erlernbare Methode (technê). Es werden „fünf Quellen des Erhabenen“ beschrieben: In seiner Schrift Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie aus dem Jahre 1766 9 December 1717 – 8 June 1768) A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful is a 1757 treatise on aesthetics written by Edmund Burke. It was the first complete philosophical exposition for separating the beautiful and the sublime into their own respective rational categories. It attracted the attention of prominent thinkers such as Denis Diderot and Immanuel Kant. Schiller Über das Erhabene: Wir fühlen uns frei bei der Schönheit, weil die sinnlichen Triebe mit dem Gesetz der Vernunft harmonieren; wir fühlen uns frei beim Erhabenen, weil die sinnlichen Triebe auf die Gesetzgebung der Vernunft keinen Einfluß haben, weil der Geist hier handelt, als ob er unter keinen andere als seinen eigenen Gesetzen stünde. Das Gefühl des Erhabenen ist ein gemischtes Gefühl. Es ist eine Zusammensetzung von Wehsein, das sich in seinem höchsten Grad als ein Schauer äußert, und von Frohsein, das bis zum Entzücken steigen kann und, ob es gleich nicht eigentlich Lust ist, von seinen Seelen aller Lust doch weit vorgezogen wird. Diese Verbindung zweier widersprechender Empfindungen in einem einzigen Gefühl beweist unsere moralische Selbständigkeit auf eine unwiderlegliche Weise. Denn da es absolut unmöglich ist, daß der nämliche Gegenstand in zwei entgegengesetzten Verhältnissen zu uns stehe, so folgt daraus, daß wir selbst in zwei verschiedenen Verhältnissen zu dem Gegenstand stehen, daß folglich zwei entgegengesetzte Naturen in uns vereiniget sein müssen, welche bei Vorstellung desselben auf ganz entgegengesetzte Art interessiert sind. Wir erfahren also durch das Gefühl des Erhabenen, daß sich der Zustand unsers Geistes nicht nothwendig nach dem Zustand des Sinnes richtet, daß die Gesetze der Natur nicht nothwendig auch die unsrigen sind, und daß wir ein selbständiges Principium in uns haben, welches von allen sinnlichen Rührungen unabhängig ist. Der erhabene Gegenstand ist von doppelter Art. Wir beziehen ihn entweder auf unsere Fassungskraft und erliegen bei dem Versuch, uns ein Bild oder einen Begriff von ihm zu bilden; oder wir beziehen ihn auf unsere Lebenskraft und betrachten ihn als eine Macht, gegen welche die unsrige in Nichts verschwindet. Aber ob wir gleich in dem einen wie in dem andern Fall durch seine Veranlassung das peinliche Gefühl unserer Grenzen erhalten, so fliehen wir ihn doch nicht, sondern werden vielmehr mit unwiderstehlicher Gewalt von ihm angezogen. Würde dieses wohl möglich sein, wenn die Grenzen unsrer Phantasie zugleich die Grenzen unsrer Fassungskraft wären? Würden wir wohl an die Allgewalt der Naturkräfte gern erinnert sein wollen, wenn wir nicht noch etwas anders im Rückhalt hätten, als was ihnen zum Raube werden kann? Wir ergötzen uns an dem Sinnlich-Unendlichen, weil wir denken können, was die Sinne nicht mehr fassen und der Verstand nicht mehr begreift. Wir werden begeistert von dem Furchtbaren, weil wir wollen können, was die Triebe verabscheuen, und verwerfen, was sie begehren. Gern lassen wir die Imagination im Reich der Erscheinungen ihren Meister finden, denn endlich ist es doch nur eine sinnliche Kraft, die über eine andere sinnliche triumphiert, aber an das absolut Große in uns selbst kann die Natur in ihrer ganzen Grenzenlosigkeit nicht reichen. Gern unterwerfen wir der physischen Nothwendigkeit unser Wohlsein und unser Dasein; denn das erinnert uns eben, daß sie über unsre Grundsätze nicht zu gebieten hat. Der Mensch ist in ihrer Hand, aber des Menschen Wille ist in der seinigen. Und so hat die Natur sogar ein sinnliches Mittel angewendet, uns zu lehren, daß wir mehr als bloß sinnlich sind; so wußte sie selbst Empfindungen dazu zu benutzen, uns der Entdeckung auf die Spur zu führen, daß wir der Gewalt der Empfindungen nichts weniger als sklavisch unterworfen sind. Und dies ist eine ganz andere Wirkung, als durch das Schöne geleistet werden kann – durch das Schöne der Wirklichkeit nämlich, denn im Idealschönen muß sich auch das Erhabene verlieren. Bei dem Schönen stimmen Vernunft und Sinnlichkeit zusammen, und nur um dieser Zusammenstimmung willen hat es Reiz für uns. Durch die Schönheit allein würden wir also ewig nie erfahren, daß wir bestimmt und fähig sind, uns als reine Intelligenzen zu beweisen. Beim Erhabenen hingegen stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift. Der physische und der moralische Mensch werden hier aufs schärfste von einander geschieden; denn gerade bei solchen Gegenständen, wo der erste nur seine Schranken empfindet, macht der andere die Erfahrung seiner Kraft und wird durch eben das unendlich erhoben, was den andern zu Boden drückt. ............. Das Erhabene verschafft uns also einen Ausgang aus der sinnlichen Welt, worin uns das Schöne gern immer gefangen halten möchte. Nicht allmählich (denn es gibt von der Abhängigkeit keinen Uebergang zur Freiheit), sondern plötzlich und durch eine Erschütterung reißt es den selbständigen Geist aus dem Netze los, womit die verfeinerte Sinnlichkeit ihn umstrickte, und das um so fester bindet, je durchsichtiger es gesponnen ist. Wenn sie durch den unmerklichen Einfluß eines weichlichen Geschmacks auch noch so viel über die Menschen gewonnen hat, wenn es ihr gelungen ist, sich in der verführerischen Hülle des geistigen Schönen in den innersten Sitz der moralischen Gesetzgebung einzudrängen und dort die Heiligkeit der Maximen an ihrer Quelle zu vergiften, so ist oft eine einzige erhabene Rührung genug, dieses Gewebe des Betrugs zu zerreißen, dem gefesselten Geist seine ganze Schnellkraft auf einmal zurückzugeben, ihm eine Revelation über seine wahre Bestimmung zu ertheilen und ein Gefühl seiner Würde, wenigstens für den Moment, aufzunöthigen. Die Schönheit unter der Gestalt der Göttin Kalypso hat den tapfern Sohn des Ulysses bezaubert, und durch die Macht ihrer Reizungen hält sie ihn lange Zeit auf ihrer Insel gefangen. Lange glaubt er einer unsterblichen Gottheit zu huldigen, da er doch nur in den Armen der Wollust liegt; aber ein erhabener Eindruck ergreift ihn plötzlich unter Mentors Gestalt: er erinnert sich seiner bessern Bestimmung, wirft sich in die Wellen und ist frei. ................ So lange der Mensch bloß Sklave der physischen Nothwendigkeit war, aus dem engen Kreis der Bedürfnisse noch keinen Ausgang gefunden hatte und die hohe dämonische Freiheit in seiner Brust noch nicht ahnete, so konnte ihn die unfaßbare Natur nur an die Schranken seiner Vorstellungskraft, und die verderbende Natur nur an seine physische Ohnmacht erinnern. Er mußte also die erste mit Kleinmuth vorübergehen und sich von der andern mit Entsetzen abwenden. Kaum aber macht ihm die freie Betrachtung gegen den blinden Andrang der Naturkräfte Raum, und kaum entdeckt er in dieser Fluth von Erscheinungen etwas Bleibendes in seinem eignen Wesen, so fangen die wilden Naturmassen um ihn herum an, eine ganz andere Sprache zu seinem Herzen zu reden; und das relativ Große außer ihm ist der Spiegel, worin er das absolut Große in ihm selbst erblickt. Furchtlos und mit schauerlicher Lust nähert er sich jetzt diesen Schreckbildern seiner Einbildungskraft und bietet absichtlich die ganze Kraft dieses Vermögens auf, das Sinnlich-Unendliche darzustellen, um, wenn es bei diesem Versuche dennoch erliegt, die Ueberlegenheit seiner Ideen über das Höchste, was die Sinnlichkeit leisten kann, desto lebhafter zu empfinden. Der Anblick unbegrenzter Fernen und unabsehbarer Höhen, der weite Ocean zu seinen Füßen und der größere Ocean über ihm entreißen seinen Geist der engen Sphäre des Wirklichen und der drückenden Gefangenschaft des physischen Lebens. Ein größerer Maßstab der Schätzung wird ihm von der simpeln Majestät der Natur vorgehalten, und von ihren großen Gestalten umgeben, erträgt er das Kleine in seiner Denkart nicht mehr. Wer weiß, wie manchen Lichtgedanken oder Heldenentschluß, den kein Studierkerker und kein Gesellschaftsaal zur Welt gebracht haben möchte, nicht schon dieser mutige Streit des Gemüths mit dem großen Naturgeist auf einem Spaziergang gebar; wer weiß, ob es nicht dem seltenern Verkehr mit diesem großen Genius zum Theil zuzuschreiben ist, daß der Charakter der Städter sich so gerne zum Kleinlichen wendet, verkrüppelt und welkt, wenn der Sinn des Nomaden offen und frei bleibt, wie das Firmament, unter dem er sich lagert. ............. Das Schöne macht sich bloß verdient um den Menschen, das Erhabene um den reinen Dämon in ihm; und weil es einmal unsre Bestimmung ist, auch bei allen sinnlichen Schranken uns nach dem Gesetzbuch reiner Geister zu richten, so muß das Erhabene zu dem Schönen hinzukommen, um die ästhetische Erziehung zu einem vollständigen Ganzen zu machen und die Empfindungsfähigkeit des menschlichen Herzens nach dem ganzen Umfang unsrer Bestimmung, und also auch über die Sinnenwelt hinaus, zu erweitern. Karl Rosenthal; Ästhetik des Hässlichen Wenden wir uns nach Beſeitigung dieſer Vorfragen zur Entwickelung der Eintheilung des Begriffs des Häßlichen, ſo haben wir oben ſchon die Stelle, die er in der Metaphyſik des Schönen einnimmt, im Allgemeinen angegeben. Wir haben geſagt, daß er zwiſchen dem Begriff des Schönen an ſich und dem des Komiſchen die negative Mitte ausmache. Dieſe Stellung weicht von derjenigen ab, welche das Häßliche gar nicht als ein beſonderes Moment der Idee des Schönen, ſondern nur als eine untergeordnete Nebenbeſtimmung theils des Erhabenen in der Form des Furchtbaren und Gräßlichen, theils des Komiſchen in der Form des Poſſirlichen und Niedrig¬ komiſchen behandelt. Viele der heutigen Aeſthetiker nämlich nehmen das Komiſche als den Gegenſatz des Erhabenen und wollen das Abſolutſchöne als die Einheit des Erhabenen und Komiſchen betrachtet wiſſen. Das Komiſche aber ſteht nicht blos dem Erhabenen, es ſteht dem einfach Schönen überhaupt entgegen oder richtiger vielmehr, es ſteht ihnen nicht ent¬ gegen, ſondern es iſt die Aufheiterung des Häßlichen in's Schöne. Das Häßliche ſteht dem Schönen entgegen; es widerſpricht ihm, während das Komiſche zugleich ſchön ſein kann, ſchön nicht im Sinn des einfachen, poſitiv Schönen, wohl aber im Sinn der äſthetiſchen Harmonie, der Rückkehr aus dem Widerſpruch in die Einheit. Im Komiſchen iſt ein Häßliches als Negation des Schönen mitgeſetzt, die es jedoch wiederum negirt. Ohne einen Widerſpruch, der durch einen Schein aufgelöſt wird, weil er ſelber nur ein Schein iſt, kann das Komiſche nicht gedacht werden. Ariſtoteles und nach ihm Cicero habe dieſen Zuſammenhang bereits ſo auf¬ gefaßt (16). Der Begriff des Erhabenen iſt auch nicht von dem des Schönen zu trennen, ſondern als eine eigenthümliche Form deſſelben anzuſehen. Da nun das Häßliche nichts Ab¬ ſolutes, vielmehr nur ein Relatives iſt, ſo muß für ſeine Begriffsbeſtimmung auf die Idee des Schönen ſelbſt, durch die es bedingt iſt, zurückgegangen werden. ........... Der wahrhafte Gegenſatz des Erhabenen iſt nicht das Häßliche, wie Ruge und K. Fiſcher, nicht das Komiſche, wie Viſcher meint, ſondern das Gefällige. Es muß in der Idee des Schönen unterſchieden werden zwiſchen dem Gegen¬ ſatz, den das Schöne überhaupt, alſo auch das Erhabene an dem Häßlichen als dem Negativſchönen hat, und dem poſiti¬ ven Gegenſatz, den das Erhabenſchöne an den niedlichen und zierlichen Formen des Gefälligſchönen hat. Durch die Ver¬ mittelung, welche das Häßliche für das Komiſche hervor¬ bringt, kann dieſes zwar relativ auch dem Erhabenen ent¬ gegengeſetzt werden, allein es iſt wohl zu erwägen, daß das Komiſche, weil es des Humors fähig iſt, auch wieder in's Erhabene übergehen kann. Was man beim Sturze Napo¬ leons I. ſagte: du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas; und was man bei der Erhebung Napoleons III. ſagte: du ridicule au sublime il n'y a aussi, qu'un pas! kann als allgemeine äſthetiſche Regel genommen werden. Ariſto¬ phanes iſt oft ſo erhaben, daß jeder Tragöde ihn darum beneiden kann. moche das Hässliche laideur Vom Hässlichen zum Komischen zum Erhabenen ist nur ein Schritt Kant: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege. Herr Hume fordert jedermann auf, ein einziges Beispiel anzuführen, da ein Neger Talente gewiesen habe, und behauptet: daß unter den Hunderttausenden von Schwarzen, die aus ihren Ländern anderwärts verführt werden, obgleich deren sehr viele auch in Freiheit gesetzt werden, dennoch nicht ein einziger jemals gefunden worden, der entweder in Kunst oder Wissenschaft oder irgendeiner andern rühmlichen Eigenschaft etwas Großes vorgestellt habe, obgleich unter den Weißen sich beständig welche aus dem niedrigsten Pöbel emporschwingen und durch vorzügliche Gaben in der Welt ein Ansehen erwerben. So wesentlich ist der Unterschied zwischen diesen zwei Menschengeschlechtern, und er scheint ebenso groß in Ansehung der Gemütsfähigkeiten als der Farbe nach zu sein. Die unter ihnen weit ausgebreitete Religion der Fetische ist vielleicht eine Art von Götzendienst, welcher so tief ins Läppische sinkt, als es nur immer von der menschlichen Natur möglich zu sein scheint. Eine Vogelfeder, ein Kuhhorn, eine Muschel oder jede andere gemeine Sache, sobald sie durch einige Worte eingeweiht worden, ist ein Gegenstand der Verehrung und der Anrufung in Eidschwüren. Die Schwarzen sind sehr eitel, aber auf Negerart, und so plauderhaft, daß sie mit Prügeln müssen auseinandergejagt werden. ............... Wenn wir zuletzt noch einige Blicke auf die Geschichte werfen, so sehen wir den Geschmack der Menschen wie einen Proteus stets wandelbare Gestalten annehmen. Die alten Zeiten der Griechen und Römer zeigen deutliche Merkmale eines echten Gefühls für das Schöne sowohl als das Erhabene in der Dichtkunst, der Bildhauerkunst, der Architektur, der Gesetzgebung und selbst in den Sitten. Die Regierung der römischen Kaiser veränderte die edle sowohl als die schöne Einfalt in das Prächtige und dann in den falschen Schimmer, wovon uns noch die Überbleibsel ihrer Beredsamkeit, Dichtkunst und selbst die Geschichte ihrer Bitten belehren können. Allmählich erlosch auch dieser Rest des feinern Geschmacks mit dem gänzlichen Verfall des Staats. Museum Rietberg Zürich WER, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich. Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht, und die findigen Tiere merken es schon, daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt.