Datum: am 14. Januar 2023 Subjekt: Nichts als Regen Sender: Bernd Strangfeld Lieber Jochen, heute nur ganz kurz, vor lauter Regen fällt mir absolut nichts Gescheites ein, die Stimmung watschelt auch im Keller. Danke für Deinen Brief vom 7.Januar. Es freut mich, dass Du so aktiv in der Erforschung von allerlei Literatur bist Du hast ja allerlei platzsparende Methoden zur Hand, die Deine Regale nicht weiter füllen. Gedichte zu hören, vor allem unbekannte, finde ich etwas schwierig, weil die Töne so schnell vorbei gehen. Bei Balladen ist mir das schon etwas leichter, weil da Handlungen erzählt werden. Am liebsten ist es mir, wenn ich die Geschichten schon kenne und also einen Wiedererkennungseffekt genießen kann. Wir haben in der Schule viele Balladen auswendig lernen müssen - man kann auch sagen dürfen -, vor allem so in der Altersstufe 14-15 Jahre, so auch die riesige "Glocke" von Schiller. Hat immer noch tolle Passagen, finde ich. Besonders fesselnd fand ich immer "Batavia fünfhundertzehn", ich glaube, von Droste-Hülshoff. Die steht nur in wenigen Sammlungen, meiner Erfahrung nach. Oder "Ballade vom Brennesselbusch". Jetzt höre ich aber auch. Zu Religion möchte ich mich jetzt nicht äußern, das ist ein zu weites Feld, und es gibt so viel Schlimmes. Aber mir ist neulich auf-oder eingefallen, dass ich gar nicht gedankt habe für Margarets Vorstellungs-oder Einführungsbrief, den ich völlig vergessen hatte. 30 Jahre sind ja noch nicht so lang. Ich habe den brief schon mehrfach gelesen, mit "Aha! und "Ach ja!". Was für eine vielseitige, bescheidene Frau, und mir fiel auf, dass sie dazu neigt, sich für Eigentümlichkeiten, die außer ihrer eigenen Reichweige liegen, zu entschuldigen. Dazu neigst Du ja auch sehr, heftig. Und darauf habe ich mir die Fotos von Eurem besuch in Goslar und Kierspe 1993 und unserem Besuch in Konnarock 2004 noch einmal angesehen, worauf die gesamte Familie Meyer zu betrachten ist. Schön! Ich freue mich, dass Dir der Kalender gefällt. Im Augenblick ist draußen rein gar nichts los, das zu einem Spaziergang lockt, die Bäche und Flüsschen steigen schon wieder über die Ufer, und wenn man keinen Hund hat, bleibt man am besten drinnen. heute Abend wollen wir, unserer dänischen Freundin Bente zuliebe, eine Doku über das - so sympathische - dänische Königshaus sehen. Gestern Abend landeten wir zu unserer großen Überraschung bei Filmen über die Eifel, vor allem über den noch durch nicht erloschenen Vulkanismus dort. Hochgradig spannend! Bei Andernach befindet sich der weltweit größte Kaltwasser-Geysir. Und an vielen Stellen sprudelt ständig Kohlendioxed an die Wasseroberfläche, aus der tief unten liegenden, noch sehr aktiven Magma-Masse. Kloster Maria Laach kam auch oft vor. Wir müssten da unbedingt mal hinfahren, solange es noch geht. Zur zeit planen wir doch noch einmal eine größere Frankreich-Reise im Mai. Jetzt muss ich ein lange vernachlässigtes Strickzeug wieder in Gang bringen, damit ich angesichts der dänischen Königsfamilie etwas Praktisches zu tun habe. Bis bald! Liebe Grüße, Deine Gertraud und Bernd.