Auch wenn mir die mathematische Auslegung der Quantenmechanik entgeht, so meine ich doch an ihr einen Einschnitt oder eine Wende im menschlichen Denken zu erkennen, ein Denken das sich seit Urzeiten an Genauigkeit und Präzision als Anker der Erkenntnis der Wirklichkeit fesselte, das nun aber zu seiner Demütigung eingestehen muss, dass der Ort des Gegenstandes nicht mit Bestimmtheit, sondern stets nur mit Wahrscheinlichkeit festzustellen ist. Warum sollte es denkbar sein einen Zeitpunkt wie etwa mit einer optischen Uhr mit unbedingter Genauigkeit festzustellen; oder, mit anderen Worten, welches Unschärfeverhältnis möchte für eine Strontiumuhr gelten, und wenn nicht, warum nicht? In den psychischen, gesellschaftlichen, unmathematischen Bereichen unserer Erfahrung und unseres Erlebens waltet von jeher eine analoge Unschärfe der Begriffe, und ich bin mir bei dieser Einsicht im Unklaren ob diese Unschärfe als Folge oder als Ursache der Unzulänglichkeiten unserer Urteile und/oder unserer Handlungen verstanden werden sollte. Dabei frage ich mich, ob das Zusammenleben, sei es in der Familie, sei es im Beruf, sei es im Staat, mehr erbaulich, mehr konstruktiv, weniger schmerzverursachend wäre, wenn wir der idealisierenden Entschiedenheit von Urteil und Handlung entsagten, und uns stattdessen uns mit einer gemeinsamen Welt begnügten in welcher Verschränkung, Überlagerung und Vertretung nicht die Ausnahme wären, sondern die Regel? Wie möchte man mit dem Entwurf einer neuen Verfassung den Anfang machen? Ist der Schwur der Treue eine Hürde sie zu ändern? sie zu verbessern? Diese Fragen eröffnen das große Thema der Sprache als Instrument des Richtens, über das hinwegzuschauen wir uns allzulange bequemt haben. Das Wort als Symbol, als Sinnbild ist ein Gegenstand besonderer Art. Ein Wort vermag von jedermann zu jeder Zeit, wenn nicht entdeckt oder erfunden, dann allenfalls als ein Bestehendes, Verlässliches worauf die verschiedenen Mitglieder mit einander zurückkommen. Genauer betrachtet aber ist die Verlässlichkeit der Sprache, des Wortes nur oberflächlich und vorübergehend. Denn unser körperliches und geistiges Leben ist dynamisch und verändert sich von Tag zu Tag, wenn nicht von Stunde zu Stunde. Genauer betrachtet und bedacht ist es die Funktion des Wortes dem Denken und Fühlen Festigkeit zu verleihen. Denn wie Pilatus einst feststellte, "Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben." Wie jeder Richter und jeder Anwalt zu bestätigen vermag. Die Uneinigkeiten der Menschen tragen sich aus in das Streiten um und mit Worten. "Treu der Verfassung" ist und bleibt letzten Endes nichts als Redensart, selbst wenn wie Hindenburgs Eid in eine Münze graviert.