Gestern Abend hörte und betrachtete ich im Internet ich 2.Teil des Weihnachtsoratoriums, von Gardiner dirigiert mit der Altistin Bernarda Fink die mich wieder einmal stark beeindruckte. Vorher und hinterher las ich nach über Quantenmechanik, über Schrödingers Gleichung, über Hamiltons und Lagranges Berechnungen (operators) und heute Morgen fragte ich mich was diese Mühen bewirken und bedeuten. Denn der Sinn meines Tuns und Lassens besteht in dessen Wirkung nach außen und in der Bedeutung nach innen. Eine denkbare Wirkung nach außen wäre Ausführung von möglichen vorgeschriebenen Übungen, Lösung von Problemen um mein "Verständnis" zubestätigen, will sagen meine Eingliederung in den beruflichen Gesellschaftskreis der durch diese "Problematik" geschaffen wurde und der sich mittels dieser Problematik ernährt und erhält, zu beweisen. Die höchste Wirkung nach außen wäre eine einschlägige Erweiterung oder Veränderung, Berichtigung der Lehre, des Dogmas das uns allen vorschwebt, das wir alle zu "begreifen" beanspruchen und das doch keiner von uns zu bestimmen weiß, ein öffentliches Hervortreten das mich bekannt, wenn nicht berühmt machen würde. Zuletzt, am Ende, verbleiben Symbole, Worte, die es zu erinnern, Zusammenhänge die es wie geistige Melodieen, immer und immer zu wiederholen gilt, wie etwa ein Volkslied, "So scheiden wir mit Sang und Klang ...", eine Arie, "Mache dich mein Herze rein ..." die zu einem unentbehrlichen Bestandteil des eigenen Gemüts werden und es in die jeweils besondere Gemeinschaft fügen. Wichtig zu verstehen und nicht zu vergessen, dass jeglicher Bezug auf die Vergangenheit zum Mythos wird, oder genauer gesagt, dass die Vergangenheit nur als Mythos vergegenwärtigt werden vermag. Das Merkmal des Lebens ist Tätigkeit. Geistige Tätigkeit ist Üben: das Ausüben des Bekannten, des Inneren, das Einüben des Unbekannten, des Äußeren. Demgemäß erkläre ich mir das Lesen, das Denken, das Schreiben als Tätigkeiten vergleichbar notwendig zum Geistesleben, wie Essen, Trinken und Atmen dem Leben des Körpers notwendig sind. Verallgemeinerung, Veröffentlichung, das eigene geistige Wirken in die Gesellschaft einzufügen ist ein grundlegendes Bedürfnis dessen Befriedigung aber nicht nicht notwendig ist, und manchmal sogar nachteilig. Wenn ein Maß von Gesellschaft dem schöpferischen Erleben des Einzelnen unentbehrlich, so wird ein Übermaß an Gesellschaft der geistigen Existenz, will sagen den Lebensübungen des Einzelnen unerträglich. Ich gestehe dass es mir schwer fällt mich in die Semantik der Mathematik, gegebenenfalls der Quantenmechanik einzuüben, und weiß nicht ob dies nur einem schwachen Gedächtnis oder einer unbestimmteren geistigen Schwäche anzurechnen ist. Dabei schließe ich die Möglichkeit nicht aus, dass diese Unfähigkeit zu verstehen, will sagen mich in das herkömmliche Denken einzuüben, eine Empfindlichkeit gegen das Gekünstelte, gegen das Unwirkliche, eine Hellsichtigkeit besagen möchte, die mein Gemüt im Allgemeinen, und mein Verstehen ins besondere, befähigt den soziolologischen und psychologischen Grundlagen der geheimnisdräuenden Wissenschaften zu begegnen. Dabei ist aufschlussreich der Versuch die Astronomie von der modernen Astrologie, die Alchemie von der Physik zu unterscheiden. In diesem Zusammenhang meine ich zu erkennen, dass mein Denken und mein Urteilen betreffs Astrologie und Astronomie, der Alchemie und der Physik, betreffs der Wissenschaften der Moderne und der Wissenschaften der Vergangenheit unvermeidlich in Geschichte, also in Mythos, niederschlagen muss, und dass es unvermeidbar wird, dass dieser Mythos durch mein Ich das ihn darstellt, also durch mich selber, beeinflusst wird. Von Entstellung, scheint mir, kann nicht die Rede sein, denn jeder Erzähler ist ein Spiegel darin seine Erzählung der Vergangenheit zum Bild wird. So ist es unumgänglich dass die gesellschaftliche Zugehörigkeit oder Entfremdung des Erzählers dessen Erzählung färbt, und möglicherweise bis zur Unglaubwürdigkeit entstellt. So wie es mir erkenntnistheoretisch unvermeidlich ist den Kosmos, dessen Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit von jenem Zeit-Raum Punkt auf dem ich mich hier und jetzt befinde, zu betrachten, so ist es meinem Denken unmöglich die eigne Gültigkeit zu leugnen. Die Feststellung: Das hat mit mir nichts zu tun, ist die äußerste Behauptung eines Ich das sich durch das Leugnen des Fremden vor ihm zu schützen sucht.