Bei weiterem Lesen in Feynmans Aufsätzen über Quantenmechanik fällt mir auf dass die Problematik welche er darstellt für mich jedenfalls, nicht an sich besteht, sondern von ihm als dem Lehrer geschaffen wird, wie denn auch die Atomphysik im Allgemeinen und die Teilchenphysik ins besondere durch den Lehrer, durch die Schule geschaffen werden. Dasselbe wäre von der Astronomie, der Kosmologie zu berichten und vielleicht von Lehrfächern überhaupt. Das ist eine Spekulation meinerseits, und weist auf einen Fragenkomplex auf den ich keine Antwort habe. Wie würde ich die Aufgabe zum Übersetzen einer gedruckten Seite Griechisch, Lateinisch, Italienisch, oder Französisch zum Beispiel vergleichen mit der Aufgabe eine gedruckte Seite mathematischer Physik mir und dir verständlich zu machen? Ist es vernünftig das Übersetzen einer unverstandenen Sprache als naturgegebene Aufgabe anzuerkennen, im Gegensatz zum willkürlich erfundenen Geheimnis der Physik das über eine lediglich gesellschaftsbedingte Triftigkeit verfügt? Oder wäre "gesellschaftsbedingt" der Schlüssel zum Zwang jeglicher Wissbegier, als Ausdruck einer grundlegenden Notwendigkeit sich geistig in eine Gesellschaft, sich in eine Herde zu fügen, um sich als Herdenmitglied zu entdecken und vorführen zu können? Vielleicht sogar als Führer der Herde? Ich frage nur; ich weiß es nicht. Ich möchte unterscheiden zwischen Wissenschaften welche sich auf wiederholbare Beobachtungen beziehen, diese möchte ich als Naturwissenschaften einstufen, indessen solche anderen Wissenschaften welche Einmaliges, Vergangenes zu begreifen beanspruchen ich Geisteswissenschaften nenne. Dieser Unterscheidungsversuch legt mir das Gegenwartsrätsel nahe, jene außerordentliche Zeitspanne welche sich der Uhr und dem Kalender entzieht, und welche die Bühne all meiner Tätigkeiten sein muss, einbeschlossen meiner Uebungen in den Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften. Auch bin ich mir der Bedeutung bewusst von Vorstellungen der Vergangenheit zum Beispiel in der Geologie, Biologie und Anthropologie. Das sind Vorstellungen welche ich anderen Ortes im Rahmen eines besonderen, neu bedachten, erweiterten Gegenwartsbegriffes betrachten möchte. Vorerst aber habe ich im Sinn die geistigen Betätigungen welche die Wiedereinholung der Vergangenheit in die Gegenwart bestreben. Das einschlägige Stichwort ist Geschichte. Geschichte ist ein Wort welches zugleich das Wiedergeben und den Inhalt der Wiedergabe bezeichnet. Und gerade in diesem Zusammentreffen ist das Wort Geschichte ein Muster der Täuschung. Die Vergangenheit ist erreichbar überhaupt nur indem sie mittels des Erinnertseins vergegenwärtigt wird. Meine Erinnerung ist gegenwärtig, aber als solche ist sie mir die Täuschungsbrücke in eine unerreichbare Vergangenheit.