Kritik an der Tat eines Menschen ist irreführend insofern sie dessen Willensfreiheit voraussetzt. Es ist sinnlos was ein Mensch tut zu bemängeln, denn die Tat ist Ausdruck seines Wesens. Was ein Mensch tut vermöchte nur der Liebe Gott abzuändern oder zu verhindern; und der will es nicht, denn er hat ja den Menschen so gemacht wie der Mensch nun eben einmal ist. Deshalb ist es sinnlos nicht nur die Tat, sondern auch das Wesen eines anderen zu kritisieren. Aber das eigene? Das eigene Wesen zu beurteilen oder zu verurteilen ist so unmöglich wie auf dem Kopf zu stehen, in der Luft zu schweben, oder zu fliegen. Denn, wie Lessing bemerkte, "Ein jeder liebt sich selbst am meisten. Und Hölderlin setzte hinzu, "... die Liebe zwingt all uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, und es kehret umsonst nicht unser Bogen, woher er kommt." Einzusehen, zuzugeben, mich zu bezichtigen schlechtes getan, oder falsches begangen zu haben, vermag ich nur in jeweils beschränkter Weise; denn unbeschränkte Kritik an mir selbst würde das eigene Ich aufheben und wenn es aufgehoben wäre, würde dem Ich die Kritik an sich selber unmöglich sein. Es ist demgemäß unvermeidlich, dass der Versuch sich selbst zu kritisieren zur Befestigung des eigenen Selbst führt. Ich erinnere wie ich Margaret in den vielen Monaten ihres Sterbens betreut habe, und wie wenige in der Familie, bis auf ihren Bruder Peter, meine Mühe anerkannt haben. Alex hat mir ausdrücklich geraten bezahlte Hilfe von außerhalb der Familie anzustellen: "You would be better off and so would she." Betreffs meiner selbst hatte er unrecht; betreffs seiner Schwester vielleicht nicht. Sie hat aber niemals angedeutet, dass sie von meiner Liebe für sie befreit sein möchte. Ich meine einzusehen, wie sehr meine Zufriedenheit von meinen Vorstellungen abhängt, und in welchem Maße diese Zufriedenheit mit meinen Idealen des unbedingt Guten und Schönen verschränkt ist, gewisser Maßen an diese Ideale geknüpft, so dass meine Zufriedenheit und mein Glück auf Täuschung und Traum beruhen. Abwesend idealisierende Verschönerung, verfallen meine Tage in Finsternis und Trauer. Gelingt es mir nicht, ein mir gefälliges Dasein zu erträumen, bleibt mir nicht übrig als der Versuch es zu erzwingen. Dabei werden die Menschen welche mir nah sind zu meinen Feinden die ich für meinen Kummer verantwortlich mache. Mit den Instrumenten der Feindseligkeit versuchte ich sie dann zur Liebe zu zwingen. Das wäre Rezept und Vorspiel zur Katastrophe.