From: bugstrangfeld@web.de Subjekt: Diese und jene Schwierigkeit am 21.August 2022 Lieber Jochen, danke für Deine Briefe vom 3. und 12. August! Ja, wir leben in verschiedenen Welten, klar, Dein physischer Radius ist begrenzter als unserer, dafür ist Dein geistiger erheblich weiter oder zumindest sehr aners als er unsere. Damit finden wir uns am besten ab, haben wir ja auch schon lange, und trotzdem mögen wir auf den Kontakt nicht verzichten und beschäftigen einander mit Mitteilungen, die für die andere Seite oftmals fremd und schwer verständlich sind, aber doch immerhin zeigen, dass wir aneinander denken und uns bemühen, uns ein wenig verständlich zu machen. Semper aliquid haeret, gilt wohl auch hier. Also dann los, auf ein Neues! Du arbeitest an Deinem Lebenswerk, ich habe kein solches, wünschte, ich hätte einen Beruf gewählt, wo ich an einem solchen hätte wirken können. Aber welchen? Und welches lebenswerk? Da hast Du bestimmt andere Vorstellungen als ich, arbeitest unermüdlich - was ich eine eenorme Leistung finde. Mir ist klar geworden, dass es keinen Sinn hat, Dich näher mit Wapnewski bekannt zu machen, warum auch. Für Dich sind mit ihm keinerlei Vorstellungen oder gar Erinnerungen verbunden, während für mich meine ganze Studienzeit wieder aufersteht . die vielfach mühsam und von Unsicherheiten geprägt war - Gerade kommt wichtiger Besuch, Abschied! Liebe Grü´ße, Deine gertraud und Bernd. Unterbrochen Lieber Jochen, jetzt bin ich ganz aus dem Takt gekommen. Vorhin kam, wie verabredet, unsere BUND-Vorsitzende - zum Glück wohnt sie in der Nachbarschaft -, um mit mir einiges zu besprechen, weil unser Ortsverein beschlossen hat, beim Stadtfest Mitte September keinen Stand aufzustellen - wir sind einfach zu wenig Leute, Bernd und ich zum Beispiel zu der Zeit im Bayerischen Wald, und weil ich etwa 40 Blumentöpfe mit für den Verkauf gedachten Pflänzchen vorbereitet hatte, hauptsächlich jungen Natternkopf, der sich höchst ungern umpflanzen lässt und der sich unter meinen liebenden Sätzen morgens und abends sehr gut erholt hatte, müssen wir nun überlegen, was damit passieren soll. Solch praktische Fragen können Dich nun wirklich nicht interesieren, aber uns schon, und nun werden wir sie wohl bis zum Frühjahr samt Wohn-Topf eingraben und im März oder April ausbuddeln und auf unsere Blühwiese im Dorf setzen, samt guten Wünschen. jetzt ist es viel zu trocken und kein Regen in Sicht.Und natürlich möchten wir Menschen für unsere Anliegen gewinnen, natürliche Gärten anzulegen mit möglichst auch noch Wildblumen, wie etwa Natternkopg oder Blutweiderich (den gibts auch in einigen Töpfen) und Menschen für Insekten begeistern. Bei Schmetterlingen ist das kein Problem, aber schon bei Raupen hakt es bei vielen aus. "Ih! mit abwehrenden Schüttelaktionen. Käfer, wenn es keine Maikäfer sind, erregen bei vielen Furcht, zumindest Abneigung. Bei Spinen kann ich das nachfühlen, die bleiben mir auch immer fremd und, größere, irgendwie bedrohlich. trotzdem rette ich sie, wo immer es geht. Hast Du ein freundiches verhältnis zu Spinnen? Wahrscheinlich eher gar keins, könnte ich mir vorstellen. Na, Schluss mit diesem Thema. Aber habe ich Dir schon vom Nashornkäfer erzählt? Ich erinnee mich nicht. Ein Bekannter hatte uns angerufen, weil in seinem fabelhaft gepflegten Komposthaufen etliche Engerlinge - also sonst Raupen genannt, aber im Erdboden - ausgegraben hatte beim Umsetzen, und weil er weiß, dass mich dergleichen interessiert, hatte er mich angerufen. Wir durften einige Tiere samt einem Eimer Kompost - gegen das Heimweh - mitnehmen, die Käfer sind aber nachtaktiv und würden sich uns wohl nie zeigen. Wir setzen sie in unseren Kompost gesetzt und gewartet. Eines Abends sahen wir auf unserer terrasse, um genau 21.30, einen großen Käfer langsam schlendern. Ein Nashornkäfer! Guch doch mal im Internet nach, es sind wirklich tolle Tiere. große Freude! Auf Empfehlung unserers Insektenkundler-Freundes in Bielefeld haben wir ihn in eine Schachtel mit Erde gesetzt und in den Kühlschrank (wirklich!) gestellt, wo er etwas eine Woche sehr zurückgezogen lebte, in Kälte-Dämmerung, und ab und zu Freunden gezeigt wurde, schade, dass er die begeisterten Ah-Rufe nicht würdigen konnte. Dann haben wir ihn wieder auf den Kompost gesetzt, als Beginn eines selbständigen Lebens. Hoffentlich hat er ein Weibchen gefunden, auf dass die Welt beglückt würde. Ich habe gerade einen Band mit Erzählungen von Alice Munro gelesen, die haben mir gut gefallen. Es tut mir leid, dass ich Dich mit Wapnewski in Zeitnot gebracht habe.Ich doch klar, dass Du Deinem eigenen Schreiben den Vorzug gibst, und, wie gesagt, bedeutet er Dir ja auch nichts. Vergiss ihn einfach. Ich weiß aber nicht, ob dieser Professor ein unangenehmer Prüfer oder Studenten.Betreur war, ich glaube, eher nicht. Schluss damit! f rohes Schaffen, lieber Jochen, wir wünschen Dir Freude an der Arbeit! Liebe Grüße, Deine Gertraud und Bernd.