From: bugstrangfeld@web.de Date: am 12 August 2022 Lieber Jochen, danke für Deinen Brief vom 3.8.. Du sagst gar nichts darüber, wie die Texte von Wapnewski auf Dich gewirkt haben, daran lag mir etwas, weil ich ja ein Fan von ihm bin und seine V orlesungen Höhepunkte meiner Studienzeit waren. Und er selber der Professor, der mich am meisten beeindruckt hat. Übrigens beschreibt er ja Arthur Hen/c?)kel, Heidelberger zeit, neuere Literatur,den ich ein einziges Mal erlebt habe uzu Beginn seiner Vorlesung über das BArock, und den ich noch heute genau so vor mir sehe, wie W. ihn beshrieben hat. Die beiden wurden lebenslange freunde. Dir ist das alles natürlich sehr fern, in mir aber steigen bei der erneuten Lektüre Bilder und Atmosphäre und viele Erlebnisse aus meiner ersten Studienzeit auf, dazu Heidelberg, das ich auf Anhieb sehr geliebt habe, obwohl ich das gar nicht wollte, weil doch so viele von dieser Stadt schwärmten, denen wollte ich mich nicht anschließen. Konnte aber dann doch nicht widerstehen. Meine Freundin in Berlin berichtete kürzlich von der Übertragung des "Ring" aus Bayreuth - am selben Morgen hatte ich eine vernichtende Kritik in unserer Tageszeitung gelesen -, sie hatte auch viel auszusetzen, hatte aber zur Vorbereitung Wapnewskis Buch "Der Ring des Nibelungen" nochmals gelesen und war scher beeindruckt, sagte, dass sie vieles doch anders sehe und besser begreife als vorher. Daraufhin habe ich das Buch ebenfalls gekauft, es wartet nun. W. hat ja einige Bücher über Wagners Opern geschrieben, das hast Du vielleicht im Internet gesehen. Ich glaube, man kann sie alle empfehlen. Nicht verstehen konnte ich allerdings, dass W. Nietzsches Zarathustra auf CD eingelesen hat. Dieses Werk empört mich nämlich in einiger Hinsicht heftig. Wir haben nach wie vor einen Traumsommer, aber sehr trocken - ein Drittel der sonst üblichen und nötigen Niederschläge- und für uns alte Leute oft zu anstrengend, um tägliche größere Spaziergänge zu machen. heute Morgen haben wir uns um 10.30 auf den Weg gemacht, noch schön kühl, ein erfrischender Nordwind, und als wir zurück waren, fing Bernd endlich mal wieder mit Brotbacken an. Demnächst soll ja das Betreiben von Öfen verboten werden. Das erscheint bizarr angesichts der ständigen Ermahnungen, im Winter möglichst Gas zu sparen und die Raumtemperaturen herunterzufahren, manche Gemeinden könnten Wärmestuben einrichten... und im ehemaligen Wald liegt massenweise das Holz der toten Fichten, während Bauholz immer teurer wird und das allermeiste angeblich nach China geht. Die Welt macht einen beunruhigend verrückten Eindruck. Dafür habe ich schon einige Male mit einer Wespe vom selben Teller das Frühstück eingenommen, sie an Honigklecks sich labend, ich mehr mit dem brot beschäftigt. Wir haben wohl auf oder besser unter em Dach ein Wespennest, es herrscht reger Flugbetrieb, aber die Tierchen sind sehr friedfertig. Eine einzelne Hornisse besucht regelmäßig unseren Garten. Schmettrlinge gibt es kaum, ich vermute, es ist ihnen zu heiß. Der Teich muss aufgefüllt werden. Immerhin reicht das verbleibende Wasser durchaus zum Trinken für Bienen, Wespen und anderes Kleingetier, die Vögel trinken auch und baden vielfach. Schön, wenn man GAstgeber sein kann. Schade, dass ich nicht mal in Deinen Garten schauen kann, nach dem, was Du über ihn sagst, muss da allerhand los sein. So, jetzt werde ich noch in d er Nachbarschaft einen Pilz begucken und einer Freundin Sameln von unseren Knoblauchrauken bringen, die sollen so vitaminreich und heilsam sein. Dir wünsche ich weiterhin anregende Gedanken und erträgliche Lebensbedingungen und Freude an diesem und jenem! Liebe Grüße von deinen Gertraud und Bernd.