Über Ethik: Von jeher wird Ethik als das Vorschreiben oder Befolgen von Gesetzen behandelt. Ich hingegen schlage vor Grundlage der Ethik sollte ein Betrachten der Gegebenheiten sein, dessen was die Menschen tatsächlich tun und was sie zu ihren Handlungen bewegt. Den sogenannten "freien Willen" betrachte ich als eine Täuschung die sich daraus ergibt, dass, indem ich sie vollbringe, ich mir meiner Handlungen bewusst bin, und dass, da sie mein Wesen jeweils zum Ausdruck bringen, ich mich durch sie als bestätigt empfinde und sie deshalb als Ergebnis meines Willens bestätige. Meine Handlungen sind Ausdruck und Offenbarung meines Wesens. Zu diesem Wesen steuert bei was ich erlebt habe und was ich erlebe. Daher die altgriechische Maxime, dass kein Mensch wissend Unrecht tut. In welcher Richtung, zu welcher Handlung spezifisches Wissen mich bewegt, oder wovon es mich abhält, ist unvoraussagbar. In wesentlicher Hinsicht wird mein Wesen, wird wer und was ich bin, erst durch mein Handeln offenbar. Zwischen dem Gesetz und der Wirklichkeit bestehen unüberbrückbare Lücken. Denn einerseits vermögen die Absichten und Ziele des Gesetzes der Wirklichkeit nicht gerecht zu werden, und andererseits verfählen Anwendung und Auswirkung des Gesetzes die Zwecke zu welchen es vermeintlich erlassen war. Von wesentlicher Bedeutung im Konstatieren einer Ethik ist die Tatsache, dass obgleich die Pflicht der guten oder rechten Handlung dem Einzelnen auferlegt wird, ist es die Gesellschaft welche das Denken und Handeln des Einzelnen wesentlich bestimmt. Der Einzelne handelt als Gesellschaftsmitglied, selbst wenn er sich für sein Tun und Lassen als Einzelner verantwortlich empfindet, denn er ist und bleibt Mitglied einer Herde. Sein Denken und Fühlen, wie sie in seiner Sprache und in seinen Handlungen zum Ausdruck kommen, sind von der Gesellschaft in der er lebt, entscheidend beeinflusst. Letzten Endes sind die Gebote und Verbote seiner Mitmenschen die Maßstäbe an denen seine Handlung geeicht werden muss.