Subjekt: Sommer Datum; am 29. Juli 2022 Von: bugstrangfeld@web.de Lieber Jochen, herzlichen Dank für Deine Briefe, die gedichte, all die Gedanken. Die Reise zur gedenkfeieer eschien Dir zu schwierig - das kann ich mir gut vorstellen Die einzelnen Etappen vom Bett oder Schreibtisch bis ins Auto bereiteten mir schon beim Lesen körperliches Unbehagen. So musstest Du also zu Hause bleiben, aber Klemens hat sicher Fotos gemacht, damit Du Dir vorstellen konntest, was Du leider versäumen musstest. Du standest ja in regem Briefwechsel mit Alex, er fehlt Dir sicher jetzt sehr. Für uns ist dieser Sommer trotz - oder eher wegen - der fast ununterbrochenen Sonne nicht so freudig, wie wir in früheren Jahren erwartet hätten. Ein paar Regentage, grau und nass, wären auch mal ganz erfrischend. Natürlich ist es viel zu trocken, die Wiesen sind gelb, Laubbäume gelblich bis braun, manche deutlich am Ende ihrer kräfte. Ein kurzer Regen vorige Woche hat unsere d rei Regentonnen gut aufgefüllt, aber die Wasserstände sinken täglich. Blühende Stauden kamen in den Genuss unserer Gießbemühungen, es ist wohltuend zu sehen, wie sie aus schlaffer Mutlosigkeit zu straff aufrechter Haltung gelangt sind, und überall wimmelt es von Wild-und Hausbienen, von Schwebfliegen, gelegentlich auch Schmetterlingen. An den drei Kartoffelstreifen, die unser Landwirt als giftfreie Putterzone zwischen seinem Maisfeld und den Blühfeldern gesetzt hat, habe ich einige Stellen mit Kartoffgelkäfern und ihren Larven entdeckt, also absammeln und vernichten, da kommt kein Mitgefüghl auf, das sind festgelegte gefühle und Haltungen aus der Kindheit. Sonst begleite ich ja jede Fliege aus dem Haus nach draußen. Die anhaltende Wärme führt zu einer allgemeinen leichten Ermattung. Das und die andauernd vorhandenen Corona-Viren samt schwierigem Herbd und Winter, und natürlich vor allem der krieg in der Ukraine und der neue Abgrund zwischen Russland und dem Westen, die große Enttäuschung nach den blühenden Hoffnungen nach 1989 machen uns zu schaffen. Dazu kommen Altersmühen - obwohl es uns beiden noch sehr gut geht - und die allgemein trüben Aussichten. Da tut es gut, sich mit arglos freundlichem Leben im Garten und auf den Blühfeldern zu beschäftigen, mit Samen und Ablegern und offenbar ungetrübt frerudigen Insekten. Wir wenigen Leute vom heimischen BUND versuchen, nicht zu verzagen angesichtsa der Naturferne der meisten Menschen, der Schottergärten und scheußlichen Mauern aus Schotter oder schwarzem Plastik (manche finden das schick). Gestern Abend waren wir zu viert, davon zur Hälfte Strangfeld, und haben überlegt, was wir mit unserem geplanten Stand am Stadtfest Mitte September bieten könnten. Bernd und ich haben große Scheu vor derartigen Veranstaltungen, diesmal sind wir zu der zeit im Bayerischen Wald in der Nähe von Freyung in einer kleinen Pension, mit deren liebenswürdiger älterer Chefin ich ein langes frerundliches telefonat geführt habe. Sie spricht ein doch sehr niederbayerisch gefärbtes Deutsch, das ich nicht immer verstehen konnte, denn wir sind des Hörverstehens entwöhnt. NAch den drei Jahren in Schwandorf, 1968-1971, kamen wir ganz gut mit dem dortigen Oberpfälzer Dialekt zurecht, der noch einmal schwieriger ist als das Niederbayerische, aber inzwischen fehlt uns die Übung. Schade, denn mit ländlichen Bayern zu sprechen, ist immer interessant und oft humorig. jedenfallswerde ich für das Stadtfest Wildpflanzen-Samen sammeln und Jungpflanzen aus dem Garten in Töpfe pflanzen, um Publikum anzulocken. Die können dann Kolleginnen betreuen. Heute bekam ioch einen Brief von Plan (guck mal im Internet nach) mit der Bitte, eine Patenschaft für ein dreijähriges Mädchen, Conceptia, aus Benin zu übernehmen. Ich bin schon seit ein paar Jahren Patin eines 7jährigen Jungen aus Sudan. Vorher betreute ich 15 Jahre lang ein Mädchen aus Ecuador, bis sie 18 wurde und damit die Patenschaft erlosch. gestern hatte ich drei ehemalige Kolleginnen, früher gute freundinnen, zum Kaffee. Viel alte Vertrautheit. Wir sind uns aber in den letzten 50 Jahren weitgehend verloren gegangen. Da war es bewegend zu erleben, wie doch noch liebe Gemeinsamkeiten auftauchen, obwohl jede längst ihre eigenen Kreise hat. Lieber Jochen, ich erwarte demnächst wieder Kaffeebesuch, zum verzehr des übrig gebliebenen Kuchens. Eine jüngere Frau aus der Nachbarschaft, die sich sehr für Pflanzen und besonders ihre kulinarischen Möglichkeiten interessiert. Angefangen hat es mit unserem reichlich vorhandenen Bärlauch, dem Wild Garlic, und erweiterte sich dann. Sie hat zwei Hunde, beide aus fremden Ländern gerettet, die sie regelmäßig spazieren führt, so kamen wir ursprünglich ins gespräch. Mit Hundebesitzern führe ich gern Gespräche. Hoffentlich kommst Du einigermaßen klar! Mit Wapnewski bist Du sicher schon fertig. Wir freuen uns, dass die Lektüre der Gastvorlesung an der Harvard-Uni Dir Anregungen geben konnte. Wie findest Du ihn sonst? Schluss, zu warm! Liebe Grüße von Deinen Gertraud und Bernd.