Noch einmal. Ein weiteres Mal will ich einen Anlauf zur Erkenntnistheorie versuchen. Zugrunde: die Unterscheidung: subjektiv oder objekltiv. Mein Wissen oder ein Gesellschaftswissen? Beide sind bedeutsam. Aber das Gesellschaftswissen ist mir zugänglich nur als mein eigenes und einzelnes. Und so will ich denn auch den gesellschaftlichen Ursprung meines subjektiven Wissens anerkennen und preisen, ohne jedoch die zwingende leidenschaftliche Unmittelbarkeit meines subjektiven Wissens zu veräußern oder anderweitig preiszugeben. Symbolverhaftetes Wissen und spontan aus dem Unterbewusstsein aufquellendes Können überschneiden und überlagern sich. Können umfasst sprechen, rechnen, musizieren, umfasst auch die Fähigkeit des Zeichnens, des Entwerfen von Plänen zum Bauen und zu konstruktiven Tätigkeiten allerlei anderer Arten. Das in Symbolen, in sprachlichen oder mathematischen Formeln zusammengefasste Wissen, dient mein Können zu bestätigen zu bewahren und zuweilen auszulösen. Die Wirkung, oder sollte ich schreiben, der Zweck, die Folge, das Ergebnis, meines Wissens ist meine Existenz in Bezug auf die Welt außer mir und in Bezug auf die Welt in mir, zu bestätigen, wenn nicht gar zu ermöglichen. Demgemäß eiche ich mein Wissen an der Wirksamkeit und Ergiebigkeit meines Handelns, wenn nicht an der Gegebenheit meines geistig-seelischen Überlebens überhaupt. Die Konkurrenz, das inbegriffene Vergleichen und Wetteifern mit anderen Menschen schafft Gelegenheit, wenn nicht gar Notwendigkeit mein Wissen mit dem allgemeinen Wissen zu kalibrieren und zu eichen. Daher entspringt das Bedürfnis das schwierigste, das geheimnisvollste, das dunkelste zu wissen. Also die Mathematik, die Spezielle und die Allgemeine Relativitätstheorie, die Quantentheorie und die Quantenmechanik. Zugrunde ist das Gedächtnis, die Fähigkeit was ich gelesen habe und was ich überlegt habe zu erinnern und wiederzugeben, zu reproduzieren. Damit verbunden ist meine Fähigkeit den Ausführungen des Vortragenden zu folgen; als schlüssig und zwingend zu empfinden was er beweist oder als bewiesen darstellt. Und dann die Aufgaben, die Übungen um das Dargebotene einzuprägen, die Proben die feststellen ob man den Stoff "verstanden" hat. Was heißt in diesem Zusammenhang verstehen? ========== Die Gültigkeit, die Wahrheit jeglichen Wissens, und im gegebenen Falle des von mir Gewusstem, wird jeweils empirisch, also durch die Erfahrung, wird durch den Versuch bestätigt, durch die Übereinstimmung mit der "Außenwelt", mit der "Natur". So bewerten wir die großen Erfindungen unseres Zeitalters, die Propeller- und die Düsenflugzeuge, Verbrennungsmotoren, Radio und Fernsehübertragungen, Raketen, Atomenergie - auch wenn diese die Menschheit potentiell zerstört, Halbleitertechnik und elektronische Rechner sie alle sind Bestätigungen der Gültigkeit unseres Wissens. Aber indem die Technik mit ihren Errungenschaften wirkt das Wissen zu bestätigen, wirkt sie zugleich wo das Wissen unbestätigt bleibt, die Grenzen des Wissens aufzuweisen. Denn Wissen das nicht durch Erfahrung, das nicht durch technische Anwendungen bestätigt wird, bedarf Bestätigungen anderer Art. Wie sollte ich mir diese vorstellen? Da bieten sich verschiedene Beispiele: Erstens die Inertia, die Beharrung, die Schwerfälligkeit des eigenen Bewusstseins, das sich in seinem Denken unwilling unterbrechen oder ablenken lässt. Zweitens Einfluss und Druck der Gesellschaft, das Herdenbetragen. Drittens ästhetische Einflüsse, denn die Symbolik der Gedanken, der Sprache, der Mathematik, drängen sie zu Gestalten eigener Art. Hinzu kommt die Bewahrung des eigenen Ich gegen Bedrohungen und Angriffe aller Art.