Dem Wissen, und vor allem, dem Nichtwissen sind besondere Problematik zu eigen. Vielleicht vergleichbar mit der Problematik von Wahrheit und Lüge. Unmöglich wie jedes Bekenntnis des Lügens das weder wahr noch unwahr zu sein vermag, ist die Behauptung des Nichtwissens, denn als Sokrates sagte, ich weiß nichts, wusste er doch eben das wichtigste, dass er nichts wusste. So war seine Aussage, das er nichts wusste ein Widerspruch. Denn wenn er nichts wusste, wie vermochte er dann gerade dies zu wissen, dass er nichts wusste, was doch das allerbedeutendste Wissen war. Vielleicht ist's darüber hinaus ein grundlegender Fehler meinerseits dass mir allenfalls das Nichtwissen unmöglich ist. Denn wenn ich dem denkbaren Nichtwissen begegne, fühle ich mich gedrungen die Umstände, die Gegebenheiten, die Begebenheiten meines Nichtwissens zu verstehen. Zwar mag es mir unmöglich bleiben, mir das Ungewusste als Gewusstes anzueignen, möglich aber ist es mir das Ungewusste, und besonders mein Unwissen zu verstehen. Es ist kaum auszudenken in welcher Weise und in welchem Maße sich die Welt in den vergangenen 85 Jahren in denen ich um das Wissen gerungen habe, verändert hat. Ich vergleiche mein Unverständis mathematischer und physikalischer Themen mit meiner Unkenntnis der Straßen einer fremden Stadt, deren Vernetzungen sich in meinem Gedächtnis noch nicht verankert haben. Es gibt der Städte so viele, dass es mir unmöglich ist jede einzelne von ihnen erlebt zu haben. Ich täuschte mich mit der Annahme, dass die vielen mir unbekantten Städte einander gleich wären, und dass ich mir vorstellen könnte mit dem Durchwandern der einen, sie alle durchwandert zu haben. Mein Nichtwissen wird von dem akuten Bewusstsein einer unverwindbaren Unzulänglichkeit. Zugleich muss ich mir vergegenwärtigen, dass ich die Gültigkeit, die Verlässlichkeit des mir Unbekannten nicht zu eichen vermag, so dass ich mich stets in Gefahr befinde einem mir Unbekannten als unvorstellbar wahr und wertvoll nachzujammern, das, wenn ich es gefunden hätte, mich als wertlos beschämen würde. Das Wissen, die Wissenschaften sind Gesellschaftserscheinungen. Das scheinbare Wissen des Einzelnen, sei er Aristoteles, Galileo, Newton, Leibniz, Kant, Gauß, Einstein ... Es ist kein Zweifel, dass die Sprache und Mathematik als symbolische Formen welche uns Menschen miteinander verbinden von außerordentlicher Wirklichkeit sind. Inwiefern man sich auf sie verlassen sollte a) die Triftigkeit der Gegenwart Ausdruck zu geben, und b) die Wirklichkeit der Zukunft vorauszubestimmen, sind wichtige, schwierige, und am Ende glaube ich unbeantwortbare Fragen. Die Gesellschaft aber, die Herde, drängt auf eine Antwort und zwingt uns als bestimmt zu glauben was keinem Menschen zugänglich ist, und was wir unmöglich "wissen" können.