Guten Morgen! Was soll ich Dir heute Morgen mitteilen? "Alles ist in Ordnung!" wäre übertrieben. Meiner Mutter "I can no more!" (Ich kann nicht mehr) widerlegte sich selbst, denn es war ja der Beweis, dass sie sich jedenfalls zu dieser Klage noch aufzuraffen vermochte. "Außer Kontrolle" (out of control) ist seinem Wesen nach ein zeitgebundenes Wort, denn genau betrachtet, und von der Quantenmechanik bestätigt, ist im unbedingt geringen Zeitraum, nichts kontrollierbar, und demgemäß alles "außer Kontrolle". Genauer bedacht gibt sich laut Anaximandros Ordnung, Taxis, (Zusammen)stellung, Gefüge, Gestalt erst mit dem Verlauf der Zeit. Der Verlauf der Zeit besagt jene Zeitspanne welche wir als "Gegenwart" bezeichnen, ohne jedoch zu verstehen (und begreifen) dass eben wir diese Gegenwart in der wir uns unvermeidbar und unablässig befinden zwar zu erleben, aber dennoch nicht zu bemessen vermögen. Um etwas bemessen zu können, ist es notwendig ihm "objektiv" gegenüber zu stehen, es als etwas Äußerliches zu betrachten, um uns dann in der Lage zu befinden, die Maße, das Ausmaß, festzustellen und mitzuteilen. Die Physiker vermengen grundsätzlich die eigentlich erlebbare und erlebte, unberechenbare Zeit die ich als Gegenwart bezeichne mit jenen quasi Unendlichkeiten die sich hin und zurück von einem Anfang bis an ein Ende der "Geschichte" erstrecken. Soll ich diese mir erlebbare Zeit als dieselbe Zeitenart bezeichnen die sich in zunehmend größere Spannen zusammenfügen und in abnehmend kürzere Abschnitte aufteilen lässt? Es ist schwierig und vielleicht unmöglich, die am weitesten erstreckte Zeitspanne die mir als Gegenwart erscheinen kann, zu bestimmen. Wahrscheinlich ist diese Spanne je nach den verschiedenen Umständen unter denen ich mir ihrer bewusst werde, veränderlich. Vielleicht ist die von mir erlebbare gegenwärtige Zeit letzten Endes prinzipiell mit der messbaren Zeit inkommensurabel und unvereibar. Ich habe versucht die "Beweise" der spezialen Relativitätstheorie nachzuziehen und "zu begreifen", und weiß nicht was ich dazu sagen - oder schreiben soll. Denn die Voraussetzung für ein solches Begreifen ist die Vertrautheit mit einer Lebenswelt die mir fremd ist, die mir fremd bleibt und die mit dem Wiederholen ihrer Eigenarten und Begründungen nicht vertrauter sondern fremder wird. Eine Eigenschaft, sage ich mir, ein Mangel meinerseits. Ich komme mir vor wie einer dem es unmöglich ist das Sprechen zu lernen, weil er taub ist, und die Laute mittels derer er sich erklären möchte nicht ertönen zu lassen vermag, weil er sie nicht hören kann, niemals fähig war sie zu hören, und keinen Grund hat, dass er sie jemals zu hören lernen wird. Diese Selbstkritik ist von der Vorstellung beherrscht dass jenes Hören dessen ich entbehre von unbedingtem Wert ist. Es lassen sich aber Umstände ausmalen, wo bei lautem kreischendem Geräusch, Gehörschutzstöpsel wohltuend und ersprießlich wären, und ein friedliches Leben und schöpferisches Denken überhaupt erst ermöglichten. Hinzu tritt die unausweichliche Problematik des Herdengeistes, der Herdenpsychologie, dass ich mich gedrungen fühle mich den Glaubensbekenntnissen der klügsten und bewundertsten meiner Mitmenschen, der geistigen Aristokratie also, auch meine Stimme zu verleien. - oder sollte ich mich eines Bekenntnisses erkühnen und beichten einer Beichte erkühnen und bekennen, dass es meinem Fimmel etwas Besonderes sein zu wollen, also meinen Größenwahnsinn anzurechnen sein möchte aus Unmut oder Neid nicht selbst Einstein zu sein, seinem Lorbeerkranz, seinen Gedanken zu huldigen widerstrebe. Es steht nicht in meiner Macht. Ich bin der ich bin, und dies bleibt der Fall auch wenn ich in aller Menschen Augen ein Tölpel, ein Hanswurst erscheine. Es handelt sich um die Verwandlung der erlebten Zeit als Gegenwart in eine messbare Zeitstrecke, welche die Erinnerung des Vergangenen und die Erwartung der Zukunft ermöglicht, und somit nicht nur das gezielte Handeln des Einzelnen sondern auch das Zusammenwirken der Herde bewirkt.