Die Beständigkeit und Zuversicht womit der Glaube an die "Demokratie" von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr bestätigt wird ist eine außerordentliche Darlegung (Demonstration) der Gebrechlichkeit des allgemeinen (öffentlichen) Denkens. Wie anfällig ist nicht das Gemüt des einzelnen Mitglieds der Herde für das gemeinschaftliche Denken. Die Beschränkungen meiner Gedanken und Worte in ihrem Verhältnis zur politischen Realität sind mir unverkennkbar. Es bedürfte einer beträchtlichen geistigen Bemühung meinerseits, mein Verständnis der gegebenen politischen Verhältnisse auch nur zum Ausdruck zu bringen; und wenn ich dies vermöchte so würde es mir dennoch an durchführbaren und annehmbaren Vorschlägen mangeln. Selbst wenn ich solche Vorschläge entdeckte oder erfände und es mir gelänge sie mitzuteilen, wären dennoch meine Mitbürger für meine Gedanken so unempfänglich als versuchte ich diese Gedanken ihnen in einer fremden unverständlichen Sprache mitzuteilen, wie dies denn, genau bedacht, auch tatsächlich der Fall ist. Das Denken, das geistige Erleben zwischen uns, ist so verschieden, dass ich nicht wüsste wo ich mit einer Übersetzungsfibel den Anfang machen sollte. Diese pathetischen, pessimistischen Überlegungen stiften dann aber wiederum die dialektische Überlegung, dass ebenso wie ich mich, um meine Gedanken auszudrücken unvermeidlich der gemeinsamen Sprache bedienen muss, so komme ich nicht umhin mich an dem gemeinsamen Denken, an den gemeinsamen gesellschaftlichen Voraussetzungen zu beteiligen, wie im gegebenen Falle an der Voraussetzung der Triftigkeit des öffentlichen Meinens, der allgemeinen öffentlichen Gesetze, eine feststellbaren öffentlichen Wahrheit. Das sind Voraussetzungen welche dem Zusammenleben im Staat zugrunde liegen. Dass ich Vorstellungen zustimmen und beipflichten muss, die mir dennoch unglaubwürdig sind, ist eine traurige Gegebenheit, Prooimion, Vorspiel zu einer Tragödie die ich als integralen Bestandteil meiner Sterblichkeit und der Hinfälligkeit der Welt akzeptieren muss. Denn nichts ist unbeschränkt triftig, nichts ist unbesingt (absolut) wahr. Alles Lebendige muss erkranken und sterben.