am 7. Juni 2022 Der Ausgangspunkt meines Denkens war und ist Kierkegaards Behauptung, die Subjektivität sei die Wahrheit. Seine Aussage zielte auf die Religion, auf den christlichen Glauben an die Erlösung durch das Leiden des Herrn. Wenn nun die Wahrheit der Religion subjektiv ist, warum sollte nicht alle Wahrheit, geistig, seelisch oder was immer, gleichfalls subjektiv sein. Der erste Durchbruch in meinem Verständnis, wenn es mir erlaubt ist beide, den Durchbruch und das Verständnis so zu bezeichnen, war in der Erweiterung der Subjektivitätsbehauptung, will sagen der Gegenwärtigkeit vom Erlebnis im Bereich der Religion auf das Erleben und Verstehen in anderen Bereichen des vermeintlich Vergangenen. So verwandelten sich für mich all Berichte, alle Geschichte, alle Historie von der Vergangenheit - und welche Geschichten wären nicht von Vergangenem? - in Mythos. Dies Wort Mythos dient mir zur Bezeichnung von Geschehnissen die ich nicht aus eigenem Erleben, aus eigener Erfahrung weiß, sondern die mir nahekommen nur durch sprachliche Berichte, von denen es unvermeidlich ist, dass sie von den Gemütsverfassungen der Überlieferer getüncht sind; und ganz im allgemeinen ist anzunehmen, dass es sich nicht um einen einzigen sondern um eine Kette solcher Überlieferer handelt. Ich gestehe bereitwillig, dass es unterschiedliche Überlieferer und unterschiedliche Ketten von Überlieferungen gibt, manche naiv und unbefangen wie von Kindern, andere von Leidenschaft, von Hass oder Liebe, von persönlichen, oder des öfteren von gesellschaftlichen Zwecken geprägt, mit anderen Worten, Propaganda, ... und genauer betrachtet mit gemneinschaftlichen Interessen, also mit Herdengeist behaftet. Das ist eine keineswegs abschätzige Betrachtung; sie fordert nicht, dass ich die Überlieferung verpöne, sondern dass ich mir ihr Wesen deutlich vor Augen stelle, und somit zu einer Vorstellung gelange der ich vertrauen kann, und die ich als wahrhaftig anzuerkennen vermag. Dabei muss gesagt sein, dass Wahrhaftigkeit ein Ergebnis des Zweifelns ist, eine Bestimmung alldessen das an einer Geschichte unzuverlässig, unglaubwürdig und unvollständig sein möchte. Ich bin mir bewusst, und ich gebe zu, dass es eine mehr wissenschaftliche Geschichte gibt, die beansprucht in zuverlässiger Weise zu berichten, wie es eigentlich gewesen, und dass solche Geschichte sehr überzeugend sein mag. Dennoch weise ich darauf hin, dass wie immer gewissenhaft, genau, und zuverlässig Geschichte sein mag, zwischen dem Erlebten und dem Erzählten ein qualitativ unbedingter Unterschied besteht, es sei denn: und dies ist ein Punkt von äußerster Wichtigkeit, dass sich mein Erleben in einer Weise verwandelt, dass es mir hinfort unnötig oder unmöglich ist zwischen mittelbarem Erleben, als Mythos, und unmittelbarem Erleben, nenne es Gegenwart oder Gleichzeitigkeit, zu unterscheiden. Es ist notwendig über die Tatsache Rechenschaft abzulegen, dass ich etliche Abwandlungen des unmittelbaren Erlebens erfahre. Diese Abwandlungen von welchen man sagen möchte, dass sie das unmittelbare Erleben übertönen oder überschatten, oder zu verdrängen scheinen drängen sich mir in einem weiten Spektrum auf. Die Worte: Schlaf, Müdigkeit, Schmerz, Trauer, Hitze, Kälte, Hunger, Einsamkeit, Berechnung, Glaube ... zitieren sie mir ins Gedächtnis. Es ist unter diesem Schirm des vielfältigen Erlebens, dass ich mich auf die sogenannten Wissenschaften, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften, besinnen muss, und den Versuch machen, sie zu verstehen. Grundlegend scheint mir, dass obgleich der Wissenschaftler unvermeidlich als einzeln Wissender erscheint, seine Bemühungen dennoch Sinn und Bedeutung auf den Gefilden der Gesellschaft erweisen. Bedingend ist vor allem die Sprache welche den einzelnen Wissenschaftler dem überlieferten Geistesgut bereichert. Hinzu kommt die Mathematik. Aus meiner gegenwärtigen Perspektive möchte ich den Vorschlag, wenn nicht gar die Behauptung wagen, dass die Mathematik eine besondere, hoch entwickelte und zugespitzte Erscheinung der Sprache ist; insofern als die Sprache an sich Bestimmtheit, Bestimmung und Übereinstimmung fordert. In der Mathematik die alle Abweichung vom gemeinsamen Sinn unterdrückt, wird der Ausdruck eigener An- und Einsichten unmöglich. So gelingt es der mathematischen Physik ihren Akolythen das Bild und das Wirken (Die Beschreibung und die Dynamik) einer Welt von der geringst denkbaren zur größt denkbaren Dimension aufzuzwingen. So werden die Gemüter einzelner Menschen zu Hebeln in einer gewaltigen Gedankenmaschine der es gelungen ist Flugzeuge, Raketen, Satelliten, Kernkraftwerke, Plutonium und Wasserstoff Bomben herzustellen, scheinbar bis an die Grenzen der Bewohnbarkeit dieser Erde, bis zuletzt die Subjektivität von der Objektivität des gegliederten gesellschaftlichen Menschengefüges überwältigt wird. Der Menschen Tätigkeit erweist sich dann mit anderen die Natur umstaltenden Vorgängen wie etwa die Bildung des Klaksteins von Lebewesen vergleichbar. Diese Tatsachen ändern jedoch nichts daran, dass mein Erleben und mein Verständnis der Welt der Gestalt und Funktion meines Geistes gemäß, individuelle, subjektive Vorgänge sind, und dass es dabei bleiben muss, dass für mich und für jeden einzelnen Menschen, die Subjektivität die Wahrheit ist.