Das Geheimnis der sogenannten negativen Theologie ist, dass sie die sprachlich symbolhaft geknebelten idealisierten Darstellungen beiseite, ad acta legt, und somit, wage ich es zu sagen, eine unmittelbare Anschauung des Göttlichen ermöglicht, ein Erleben das seinem Wesen gemäß nicht mitteilbar ist, und darum außerhalb gesellschaftlicher Anerkennung, Bestätigung, Einverständnis und Genehmigung bleiben muss. Nun meine ich eine vergleichbare negative Epistemologie, sage Wissenskunde, entdeckt oder erfunden zu haben. Bei jedem wissenschaftlichen Gebiet wohin ich mich wende, begegne ich einem Phalanx von sprachlich und mathematisch symbolhaft geknebelten idealisierten Darstellungen die ich, um in die Reihen der Gelehrten aufgenommen zu werden, zu verinnerlichen, auswendig zu lernen gezwungen werde. Mit dieser Verinnerlichung wird nicht nur die von mir erkannte Welt verwandelt, sondern mein innerstes Ich wird umgestaltet, wird ein anderes. Diese meine Feststellung will ich weder preisen noch beklagen. Sie spiegelt die Welt wie ich sie erkenne und erlebe. Auch eine negative Ethik beanspruche ich zu konstatieren, eine Ethik die auf der Einsicht beruht, dass mein Tun und Lassen alles andere als Ergebnisse meines Willens sind, - weil es so etwas wie Willen gar nicht gibt. Stattdessen verstehe ich mein Tun und Lassen als Ausdrücke meines Wesens, dessen der ich nun einmal bin. Ebenso betrachte und billige ich das Tun und Lassen anderer Menschen als Ausdruck nicht ihrer Willen sondern ihrer Wesen. Das meine ich von Spinoza gelernt zu haben. Ich bewundere den Pazifismus, die Friedfertigkeit der Quaker. Aber ist sie nachhaltig, ist sie tragbar? Sind nicht Streitigkeiten Ausdrücke der Verschiedenheit, des unvermeidlichen Eigensinns der Menschen? Ich sehe wie traurig, wie tragisch es ist, dass die Menschen zugleich einander dringend benötigen, und dennoch nicht umhin kommen einander zu bekämpfen. Es ist der Menschen Schicksal einander zugleich lieben und hassen muessen.