Heute Morgen, als ich mich im Sessel umdrehte, suchte ich den linken Strumpf den ich meinte anziehen zu müssen, und hatte umgehend vergessen, dass ich ihn soeben angezogen hatte. Eine Vorführung (Demonstration) des Gedächtnisses im Alter, oder dessen Abwesenheit. Wie sollte es mir unter diesen Umständen gelingen mich auf die mathematischen Formeln über Drehkraft (rotational energy) Drehimpuls (rotational momentum) und Vektorenalgebra von einer Stunde zur nächsten, geschweige denn von einem Tag zum nächsten zu besinnen. Dabei fällt mir auf, dass bei diesem Fortfallen oder Verfliegen von Einzelheiten aus dem Gedächtnis sich eine mehr weitreichende Aussicht dem Gemüt eröffnet, im gegebenen Falle, das Wesen und die Bedeutung des doppeljährigen Physikkurs von Richard Feynman, der aus 115 Vorlesungen besteht. Dieser Kurs ist eine Zusammenstellung zahlreicher und vielleicht ungezählter zusammenhängender Behauptungen über die Natur aus der Perspektive der Physik samt der mathematischen Formeln, also Kunststücken, welche die Behauptungen der Physik begründen, als vorgeschriebene Übungen, Bedingungen zur Absolvierung eines naturwissenschaftlichen Noviziats, Aussagen von Symbolen welche dann im Laufe der Zeit wiederum in Vergessenheit geraten. Wann aber der einstige Novize sich längst in sein Fach eingearbeitet hat, er sich in die vergessene Tatsachen- und Formelnwelt aufs neue einzuarbeiten begehrt, wenn es seine Pflicht geworden ist, dies Mal durch eigene Vorlesungen die Botschaft der er sich verschrieben hat an ein jüngeres Geschlecht zu vermitteln, dann ist es weiterhin unnötig sich auf seine Gedächtnis zu verlassen. Statt dessen kopiert er seine geschriebenen Notizen auf die Tafel. Die neuen Studenten schreiben sie ab, lernen sie auswendig, und vergessen sie. Der Kreis des Wissens und Vergessens hat aufs Neue begonnen.