Meine Antwort (Reaktion) auf Feynmans Vorlesungen besonders über die Spezielle Relativitätstheorie, ist dass es sich um eine weitere Mathematisierung der Anschauung, oder genauer, der angeschauten Welt handelt. Ich denke, sage Wald, gleich einer Anzahl Bäumen, aber betreffs tausend Bäumen bezieht sich das Denken jeweils auf den einzelnen Baum, indessen in der Vorstellung von Wald die einzelnen Bäume sich in eine Ganzheit zusammen fügen. Prototypisch vergleichbar sind dabei zum Beispiel, die Zerteilung der Linie in unzählig viele Punkte, auch die unendliche, unzählbare Vervielfältigung unendlicher Mengen zu ich weiß nicht was, die logarithmische Addition (Zusammenrechnung) mit dem Rechenschieber. Das alles versuche ich als eine Umdeutung, als eine Neudeutung, als ein Zuwachs der Sprache zu verstehen. Es ergeben sich Widersprüche. Aufgabe und Eigenart der Mathematik ist diese Widersprüche als Axiome zu assimilieren. Die Zerteilung der Linie, des Striches, in Punkte ist die Bestätigung eines Widerspruchs. Ob dieser Widerspruch naturgegeben ist und entdeckt wird, oder ob dieser Widerspruch von der Sprache geschaffen wird und erfunden wird, ließe sich diskutieren. Mit der unendlichen Zahl unendlicher Mengen verwandelt sich der Begriff des Unendlichen. Mit der Verschmilzung von Raum, Zeit, und in der allgemeinen Relativitätstheorie Schwerkraft verwandeln sich die Anschauungen von Raum Zeit und Schwerkraft, - oder sollte es sein dass den Begriffen/Anschauungen von Raum, Zeit und Schwerkraft an sich Widersprüche innewohnen welche durch die neuen Theorien keineswegs aufgehoben sondern nur verwandelt werden. Genauer bedacht umfasst der Begriff Zeit Widersprüche die nicht nur in den Begriffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sondern in den Maßen der Zeit, besonders im äußersten Großen und Kleinen anschaulich unverkennbar sind. Es sind alles (nur) Worte, deren Sinn und Bedeutung sich aus dem Zusammenhang und aus den gesellschaftlichen Beziehungen in welchen man sich ihrer bedient erkenntlich und (verhältnismäßig) eindeutig werden. So ergibt sich zum Beispiel mit den Begriffen Geschwindigkeit und Beschleunigung eine Verbindung - und somit eine anschauliche Wandlung der Begriffe Raum und Zeit, eine Verwandlung vergleichbar mit den Wandlungen inbegriffen in der neu entdeckten - oder neu erfundenen - Raum-Zeit. Dabei finde ich es bemerkenswert, dass dem Begriff Raum-Zeit ein Hauch des Ungereimten anhaftet, indessen der Begriff Zeitraum mich um manches natürlicher, selbstverständlicher anmutet. „Die ganzen Zahlen hat der liebe Gott gemacht, alles andere ist Menschenwerk.“ — soll Leopold Kronecker gesagt haben. Ich aber behaupte beides: alles hat der liebe Gott gemacht, und alles ist Menschenwerk, weil nämlich der liebe Gott von den Menschen und vom Menschlichen untrennbar ist. Die ganzen Zahlen sind Worte, das Zählen selbst ist Ausdruck der Sprache. Das Addieren und Subtrahieren, das Multiplizieren und Teilen, die Potenzierung und die Logarithmen sie alle sind Ergebnisse sprachlicher Vorstellungen und sprachlichen Denkens, also der Sprache. Die Sprache ist Ausdruck des Denkens," - entspricht dem Denken, und das Denken ist die Saat der Sprache. Der Mathematiker bestimmt was ich denken darf und wie ich mein Denken ausdrücken darf. In ähnlicher Weise bestimmt Konrad Duden wie und was ich denken und sagen darf. Die Geschichte der Wissenschaft, und besonders die Geschichte der Mathematik ist gesellschaftliche Geistesgeschichte, ist die Zusammenstellung dessen das zu denken befohlen und erlaubt wird. Die Mathematik ist als Apotheose, als Gipfelpunkt geistiger Vergesellschaftung zu verstehen. Die inbegriffene Voraussetzung und Schlussfolgerung der mathematischen Physik ist die Wirklichkeit des symbolischen Gebildes. Ich vermute, dass diese Wirklichkeit nicht in "der Natur", was immer dies sein möchte zu suchen ist, sondern in der gesellschaftlichen Grundlage und in dem gesellschaftlichen Zwang der symbolischen Gebilde. Die Vorstellungen, dass die rasche Bewegung im Raum die Zeit verkürzt, dass deshalb eine sich schnell im Raum bewegende Uhr langsamer läuft, dass eine sich im Raum mit annährender Lichtgeschwindigkeit bewegender Gegenstand derartig an Masse zunimmt, dass ihm Lichtgeschwindigkeit unerreichbar wird, das sind vorerst in der Gesellschaft begründete, und in der Gesellschaft verankerte Behauptungen, die sich "objektiv" in nur fragwürdiger Weise, wenn überhaupt "beweisen" lassen. Raum, Zeit, Licht, Geschwindigkeit, Masse, Schwerkraft - all diese Worte weisen auf unbestimmte Anschauungen welche durch das Zusammenwirken vieler verschiedener Menschen geeicht werden. So mag man die Physik und die Naturwissenschaft im allgemeinen als eine Geheimgesellschaft etwa hoch intelligenter und intellektueller Freimaurer deuten und ihre Lehren als geheimes Doktrin das die naiven Anschauungen die sich mit und aus der Sprache ergeben zu ersetzen beansprucht. Ueber die Triftigkeit, ueber die praktischen Folgen dieser Geheimlehren bin ich mir noch nicht im klaren; denn diese Geheimlehren sind Gegenstand nicht der Anschauung sondern des Glaubens vergleichbar mit (anderen) religioesen Anschauungen.