am 19. April 2022 Wenn ich das wenige bedenke, das ich von der akademischen Soziologie meine zu erinnern oder gar zu verstehen, entdecke ich, dass von der Problematik des Verhältnises des Einzelnen zur Gesellschaft kaum die Rede ist. Und doch scheint mir diese Problematik große Geheimnisse zu verbergen. Ich finde, dass ich als Einzelner beständig versucht bin, mein Ich mir dem Wir, wenn nicht gar mit dem Sie der Gesellschaft zu verwechseln. Indessen stellt die Gesellschaft Forderungen an mich als ob ich nichts wäre als eins ihrer anonymen Teile, von ihren anderen Teilen nicht zu unterscheiden. Aber mir scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Dabei ist es ein fragwürdiger Sinn der Aussagen wie diese behaftet, Aussagen die aus Behauptungen, aus Sätzen, aus Worten bestehen, welche nur in einer gemeinsamen Sprache mitteilbar sind, und somit das Rätsel das sie aufzuklären beanspruchen sozusagen als praktisch gelöst vorweg genommen haben. Vielleicht gibt es schriftliche Gattungen geeigneter als "philosophische" Aufsätze, um die Beziehungen zwischen Ich und Gesellschaft zu erläutern. Ich denke an Kurzgeschichten, an Romane, vielleicht an Gedichte, wie etwa Sonette, Elegien oder Hymnen. Heute Abend aber fällt mir nichts weiteres ein.