Bei der Beschreibung der Welt in der ich lebe, ist der Mythos nicht die Ausnahme sondern die Regel. Es gilt meine Überzeugung zu prüfen und zu bestätigen, dass alles Geistesgut dass von außen, das heißt, das mir von einer gestrigen, jetzt unerreichbaren Vergangenheit zukommt, und das mich tatsächlich in meiner Gegenwärtigkeit zu überwältigen droht, mythisches Wesen hat. Ich bemerke dass ich mir diese Tatsache immer und immer wieder vergegenwärtige in dem verzweifelten und vielleicht hoffnungslosen Versuch mich gegen den Mythos zu schützen. Ich hab über die SI Einheiten nachgelesen, und dabei den Gedanken geschöpft dass es ähnliche SG Einheiten geben sollte, wobei es sich um Subjektive Geisteseinheiten hielte. Ich schlage vor, als die SG Einheit des Denkens den "einzelnen" Gedanken, diejenige symbolische Struktur, welche sich mir augenblicklich bietet, zu bestimmen. Das wäre ein Wort, eine Phrase, ein Ausdruck der Momentan mein Bewusstsein besetzt, sehr oft, aber nicht unbedingt, ausgesprochen oder niedergeschrieben, will sagen, in die Tastatur eingegeben. Beim Lesen ist es das Wort, die Wörtergruppe oder Buchstabengruppe die mir mit einem einzigen Blick ins Auge fällt und vorübergehend ins Gedächtnis flüchtet. Eine solche betrachte ich als Molekül dessen Atome die einzelnen Buchstaben sein möchten, zugegeben dass bei gehöriger Vergrößerung auch der einzelne Buchstabe in Teile verfallen mag, wie etwa die doppelte Umlautpunktierung welche das "a" zum "ä" macht. All dieses als als beabsichtigte Parodie der in der Physik herrschenden objektiven Atomtheorie. Dabei bin ich mir bewusst, und gebe ohne Weiteres zu, dass der atomare, psychisch unteilbare Gedanke äußerst informationsarm ist, dass es einer beträchtlichen Anzahl atomarer Gedanken bedarf um einer Idee, einer Ansicht, einer Vorstellung Gestalt zu verleihen und diese mitzuteilen. Aber diesbezüglich hege ich in Anbetracht der Flüchtigkeit und Unergreifbarkeit der Lichtquanten, der sogenannten Photonen, keine Bedenken und keine Entschuldigungen. Erinnere daran dass sich in 100 ml Wasser 3.35*10^24 Moleküle oder 10.05*10^24 Atome befinden. Es wäre unbeschwerlich festzustellen, wie viele Worte, wie viele Buchstaben, wie viele psychische "Atome" ich in 30 Sekunden zu lesen vermag, und demgemäß auszurechnen wie viele "atomare" Gedanken mein Bewusstsein in den 16 wachen Stunden eines jedes Tages beschäftigen, und diese Zahl um 7,940,149,115 zu vervielfachen um die Gesamtzahl der täglichen Gedanken auf dieser Erde einzuschätzen, so wie man etwa die Zahl der Wassermoleküle in den Weltmeeren einschätzt. Aber beides wären belanglose Spielereien. Worauf es (mir) hier ankommt, ist die Gleichung herzustellen zwischen der Vielzahl der unentrinnbaren Wirklichkeit meines ewig fließenden augenblicklichen Bewusstseins und den vielen behaupteten Wirklichkeiten der Natur- und Geisteswissenschaften. Denn auf diese Gleichung, und letzten Endes nur auf diese Gleichung kommt es mir an. Die Feststellung dieser erkenntnistheoretischen Gleichung wäre ein Gedankenexperiment, und ich bin mir bewusst mit welcher Verachtung der echte Wissenschaftler auf Gedankenexperimente herabsieht. Aber daran, dass das Denken der Urvorgang des Geisteslebens ist, lässt sich bei aller positivistischen Begeisterung nichts ändern. Mein Gedankenexperiment besteht schlicht und einfach darin, dass ich mir zugleich die Wucht und die Flüchtigkeit meines gegenwärtigen Bewusstseinsinhalts vergegenwärtige. (Der absichtliche Pleonasmus soll dienen mein Denken weniger unverständlich zu machen.) Ich beabsichtige die Feststellung meiner eigensten Wissenschaft des Subjektiven. Dies ist eine Wissenschaft die in der Dichtung zum Ausdruck kommt. Dazu dient als vorzüglicher Schlüssel mein Verständnis der Zeit. Denn mein atomares Wissen, wenn ich es so bezeichnen darf, ist beschränkt auf die Gegenwart, auf die mir gegenwärtige Erinnerung und auf die Gegenstände, einbeschlossen Dokumente, Kunstwerke und andere Memorabilien welche das Vergangene in meine gegenwärtige Erinnerung zitieren. Das ist ein Vorgang welche die Unerreichbarkeit des Vergangenen zwar verschleiert, diese Unerreichbarkeit aber nicht aufzuheben, nicht zu beseitigen vermag. Ich betätige mich in einer Gedankenübung infolge derer alles Vergangene, alles Geschichtliche in den ihm gehörigen Bereich der Unwirklichkeit verwiesen wird. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften insofern sie wie zum Beispiel die Kosmologie, die Geologie, die Entwicklungslehren der Biologie von Geschehnissen in der Vergangenheit Zeugnis abzulegen beanspruchen. Die Mathematik vertritt eine besondere Stellung unter den Wissenschaften, denn sie beansprucht weder festzulegen was einst war noch was gegenwärtig gedacht zu werden vermag. Die Mathematik lässt sich am bündigsten als eine Kunst bezeichnen, als eine Kunst, vergleichbar mit der Musik, eine Kunst deren Ausübung gewissermaßen besondere Fähigkeiten des Adepten voraussetzt, eine Kunst die gelernt und sorgfältig ausgeübt werden will. Dass sie den in sie Eingeweihten zuweilen in hohem Maße befriedigt, soll nicht bestritten werden. Die Frage ist in welcher Weise, und in welchem Maße sie, die Mathematik, die Welt des in ihr Unbeholfenen beschränkt. Wie in so vielen anderen Umständen weist die Bezeichung "Mathematik" auf ein weites, mir nicht völlig übersichtliches Feld. Wenn ich auch zuweilen wegen der Sprachunterschiede zwischen dem Englischen und Deutschen die Zahlen achtundsiebzig, seventy-eight, und siebenundachtzig, eighty-seven zuweilen verwechsele, so fühle ich mich dennoch im Gebrauch der natürlichen Zahlen, auch der rationalen und irrationalen Zahlen, zulänglich bewandert. Nicht so mit den imaginären Zahlen deren Unentbehrlichkeit mir vielfach entgeht. Ich glaube aber zu verstehen, dass meine diesbezügliche Unbeholfenheit eine Folge mangelnder Einübung ist, Einübung welche mit steigendem Alter und schwindendem Gedächtnis abnehmend wirksamer wird. Darüber hinaus gibt es Gebiete, wie zum Beispiel die Mengenlehre mit ihrer Unendlichkeitspielerei, deren ontologische Gültigkeit mir fragwürdig erscheint. Unter dem Strich aber bleibt die Tatsache dass die Mathematik eine Sprache ist mit überwiegend gesellschaftlicher Gültigkeit. Ebenso wie mir ein vernünftiges Denken auch ohne Kenntnis der hebräischen, arabischen oder chinesischen Sprachen möglich ist, so auch der Umgang in der geistigen Welt in der ich lebe, ohne das Begreifen mathematischer Esoterika. In den vierhundert Jahren seit Galileo hat sich die Wissenschaft der Physik weitgehend in mathematische Berechnungen verschlagen. Die Bedeutung dieser mathematisierung, wenn ich sie so nennen darf, ist keineswegs selbstverständlich. Obgleich unser Versuch die Natur zu begreifen auf Zählungen und Messungen zielt, so scheinen weder Zahlen noch Maße die Wirklichkeit zu erschöpfen. Manchen Ortes, ins Besondere betreffs des Anfangs, der Dauer und des Ausmaßes der Welt, scheinen uns Berechnungen in ein geistiges Labyrinth zu weisen, von dem kein Ausweg erkennbar ist. Ins Besondere weise ich auf die Singularität aus welcher der Urknall explodierte, Ich weise auf die auf den Urknall folgende Erweiterung des Alls mit Lichtgeschwindigkeit, und auf die infinitesimalen Dimensionen des Photons bei dem die Teilbarkeit des Körper erlischt. Modell ist das einschlägige Stichwort für die wissenschaftliche Wirklichkeit, sei sie, deus sive natura, Wissenschaft des Geistes oder Wissenschaft der Natur. Es gibt ein Standardmodell der Elementarteilchenphysik, ein Standardmodell der Sonnenphysik, ein Standardmodell der Mengenlehre, ein Standardmodell der mathematischen Logik, das Lambda-CDM-Modell als Standardvorbild der Kosmologie, und sogar ein Standardmodell der Kryptographie. Dabei ist zu bedenken dass die Gegebenheit eines Modells zugleich auf seine Begrenzungen und auf eine von ihm unerreichbare transzendendale Wirklichkeit deutet, so auch auf seine eigene Vorläufigkeit nicht weniger als auf die unentrinnbare Gesellschaftlichkeit seines und unseres Wirkens. Die Modelle als Zusammenfassung der (Natur)wissenschaften, ins besondere Physik und Chemie, sind vergleichbar mit Bauplänen und Landkarten, welche missverstanden werden, wenn man sie als primäre Wirklichkeit deutet, denn sie sind menschliche Erfindungen, sie sind Kunst. Missverstanden aber werden sie auch, wenn man ihre weitere Bedeutung übersieht. Wenn man übersieht in welchem Maße die Wissenschaften die Menschen zu weiteren Handlungen befähigen, und inwiefern sie in diesem Sinne uns heute unentbehrliche sekundäre Wirklichkeiten darstellen, die es uns ermöglichen so zu (er)leben, so zu denken, und so zu schaffen wie wir es tatsächlich tun. Bei dem Bedenken dieser mehrdeutingen Funktion der Wissenschaften im Geistesleben und im praktischen Leben des Einzelnen und der Gesellschaft werden die Diskontinuitäten, die Unterbrechungen, die Unstetigkeiten, die Fehlerhaftigkeiten des Wissenschaftsgeländes erklärlich. Am bedeutendsten, so scheint mir ist die grundsätzliche Neigung das Wissenschaftsmodell als Wirklichkeit anzubeten, wo es doch tatsächlich (nur) eine Improvisation ist, eine vorläufige, unvollkommene, abänderliche gesellschaftliche Übereinstimmung welche die Entwicklung unseres Denkens, - das Wort Fortschritt suche ich zu vermeiden - fördert. Hinzu kommt, dass das Erlernen und Ausüben der Wissenschaften beträchtliche Mühe verlangt, dass zwischen einzelnen Menschen eien natürliche Konkurrenz besteht, dass jeder der erste, der fähigste, der vornehmste, der vortrefflichste sein will. Es ist eine Unmöglichkeit, dass im objektiven Bereiche jeder der erste sein könnte, und es ist gleichfalls eine Unmöglichkeit, dass im subjektiven Bereiche nicht jeder Einzelne der erste und einzige sein müsste. Das ist das Schicksal der Menschheit.