am 10 April 2022 Liebe Gertraud, lieber Bernd, Vielen Dank für Euern Brief. Bei Euch ist es 20 Uhr 18. Hier, sechs Stunden früher, ist es 2:18 p.m. Ich stelle mir vor, Ihr habt den Fernseher, wie ich die Internetübertragung mit der Tagesschau 20 soeben abgeschaltet. So bewirkt die Tagesschau uns ein wenn auch beschränktes und lediglich eingebildetes Zusammensein. Ihr schreibt "Die Corona-Politik unserer sonst ja durchaus tüchtigen Regierung kann einen ja allein schon zur Raserei treiben." So viel (oder wenig) ich von dieser Regierung den ARD Sendungen zu entnehmen vermag, scheinen mir die Mitglieder der Ampelkoalition sympathisch. Wenn ich nicht taub wäre, könnte ich mir ein vernünftiges Gespräch mit Scholz, Habeck oder Lindner vorstellen. Auch Karl Lauterbachs unbefangenes Auftreten gefällt mir, aber er tut mir leid, denn den Widerspruch zwischen des Herdentiers Impfpflicht und dem Bedürfnis des Einzelnen vom Staat in Ruh gelassen zu werden, vermag auch ein Harvard Professor wie Lauterbach es ist, nicht zu schlichten. Ihr schreibt: "Es soll ja wärmer werden. Morgen fahren wir mit unserem Verein für Kommikation und Kunst nach Essen ins Folkwangmuseum, die große Impressionisten-Ausstellung bewundern." Ist es ein Tippfehler den ich aus Höflichkeit unerwähnt lassen sollte, oder ist Kommikation eins der vielen Worte das ich einholen sollte, weil es bisher meiner zusammengebastelten Sprache entgangen ist? Da frag ich wie stets den alleswissenden Google, und bekomme ein Beispiel zur Antwort: "Über Social Media lässt sich viel sagen, und täglich kommt mehr dazu. Mit der richtigen Strategie ist Online-Kommikation und -Marketing trotzdem kein Hexenwerk. Heruntergebrochen auf simple Schritte lässt sich eine Strategie so zusammenfassen:..." Nun, jedenfalls, hab ich eine Beschreibung für meinen Netzort http://24.61.87.5 Kommikation mag gelten als Kürzel für "komische Kommunikation", und noch dazu als etwas das "auf simple Schritte" heruntergebrochen werden kann. Es lebe die "Erholung der geschundenen deutschen Sprache" und die "Wiederbelebung des verwelkten deutschen Geistes im 21. Jahrhundert", und nicht zuletzt, es lebe die Ironie. Mein Gemüt ist von Fragen betreffs Physik und Mathematik wie von Gedankenmücken zerstochen, und mein Suchen nach Antworten im Internet ist wie ein Kratzen das den Juckreiz verschlimmert statt ihn zu beheben. Jüngst frage ich mich was Plancks Quantisierung von Schwarzkörperstrahlung mir bedeuten sollte, und finde nichts als die Antwort, dass Plancks Quantisierung der sogenannten elektromagnetischen Strahlung wie auch die Quantenmechanik überhaupt, all das was ich anderweitig erlebe auf einen mathematischen berechenbaren gemeinsamen Nenner zu schieben beansprucht. Es handelt sich um die Verlegung der Vorstellung einer Welt, wie zum Beispiel Schopenhauer sie predigte, auf eine beschränkte Anzahl mathematischer Zeichen die nunmehr dazu dienen sollen keineswegs mein gegenwärtiges Erleben mir zu erläutern, stattdessen aber die Wirklichkeiten aller Zeiten und aller Orten von der außerzeitlichen "Singularität", von wo der Urknall ertönte, hinaus in ein Weltall, dass sich schließlich auf unabsehbare Zeiten mit Lichtgeschwindigkeit unaufhörlich erweitert. Nun frage ich mich, und frage Euch: ist ein solcher Vorgang vorstellbar? Und wenn, hat die sich ergebende Vorstellung Sinn, oder handelt es sich dabei um Unsinn, wenn nicht gar um Irrsinn oder um Wahnsinn? Sollte ich nicht dankbar sein, dass es mir erlaubt ist hier am Tisch auf meinem Stuhl wie angeklebt sitzen bleiben zu müssen, ohne die Pflicht mich einer Prüfung zu unterziehen, oder gar eine Vorlesung über das mir Unglaubbare zu veranstalten; statt dessen aber mich in den Luxus der Ironie zu ergehen Euch vorzuschlagen, obwohl ich so heiße, mich nicht ernst zu nehmen? Ich sende Euch aber von aller Ironie bereinigt, herzliche Ostergrüße und Wünsche für Freude und Zufriedenheit im Frühling und danach. Euer Jochen