Wie ich mich mit den Beschränkungen meines Körpers abfinden muss und abgefunden habe, so muss ich mich auch mit den Beschränkungen des Geistes, ob von Geburt an bestehend oder ob sich im hohen Alter anhäufend, zufrieden geben. Und obwohl ich es noch vor einem Monat als wesentliche Errungenschaft empfand eine Treppenflucht zu steigen, so ist mir heute diese Leistung unmöglich geworden, und jetzt schöpfe ich Genugtuung auf den Gehbock gestützt aus dem Bett zu klettern und mich ohne hinzufallen auf die Beine zu stellen, wie unbefolfen auch immer dies geschehen mag. Sollte es im Geistigen anders verlaufen? Vielleicht doch, oder so jedenfalls bilde ich es mir ein. Der Mensch löst sich mit Mühe und Schmerz und nur langsam nicht nur vom Körper der Mutter sondern von allem Körperlichen ab. Die Freiheit vom Körper beflügelt den Geist. Aber wenn das Erleben Befreiung vom Körper besagt, so bedeutet gewissermaßen diese Befreiung auch die Aussicht auf seinen Tod; denn der Geist hängt vom Körper ab, und vermag nicht ohne den Körper zu leben. Bald erscheint des Geists sich Befreien vom Körper als sein sich Vorbereiten zum Sterben. Leben und Tod sind, wie die Quantenmechaniker sagen, verschränkt. Wie ursprünglich der Geist vom Körper gefesselt und fast bis zum Ersticken beengt wird, so genießt er mit der Annäherung zum Tod zunehmende Freiheit. Der Tod selbst ist dann der Kollaps der unbeschränkten Freiheit in die Singularität des Nichts. Die Problematik der Quantenmechnik (und wahrscheinlich vieler anderer physikalischen Theorieen) geht daraus hervor, dass man es unterlässt (versäumt) zwischen dem Erdenklichen (Erdachten) und dem Beobachtbaren (Beobachteten) zu unterscheiden. Sehr oft wird von "Systemen" berichtet welche doch nichts sind und nicht sein können als Gedankengespinnste, als geistige Gewebe. Die Aufgabe die sich stellt ist zwischen dem geisterhaften Spuk und und der geistigen Gültigkeit des Denkens zu unterscheiden. Und eine solche Unterscheidung ist viel leichter gesagt als getan. "Die Unbestimmtheit der Zustände der verschränkten Teilsysteme vor der Beobachtung zusammen mit diesen Korrelationen zwischen den zusammengehörigen Beobachtungsergebnissen stellt eines der größten Probleme für das Verständnis der Quantenphysik dar. Albert Einstein, der dies im Jahr 1935 als erster in einem Gedankenexperiment theoretisch klar herausarbeitete (siehe EPR-Paradoxon), schloss daraus, dass die Quantenmechanik noch kein zutreffendes Bild von der physikalischen Realität geben könne, denn an eine – so wörtlich – „spukhafte Fernwirkung“, mit der die Messung an einem Teilsystem das Ergebnis der Messung am anderen beeinflussen könnte, um die Korrelationen zu erzeugen, wollte er nicht glauben." Wikipedia Spukhaft ist das einschlägige Stichwort und nicht nur für die Quantentheorie, sondern für die Relativitätstheorieen, für die Astrophysik, für die mathematische Physik überhaupt. Es ist die ewige Hallowe'en Frage: Wo und wie lassen sich Geist und Spuk unterscheiden. Die nüchterne englische Sprache beschlagnahmt den Geist mit dem Ausdruck "ghost", wobei der Unterschied zwischen Geist und Spuk verschwindet. Wie ließe sich die Quantenmechanik von der Gedankenübertragung, von der Telepathie, abgrenzen? Wäre vielleicht die Mathematik, was immer sie sonst auch sein möchte, als ein Instrument das den Spuk salonfähig macht, zu verstehen? Vielleicht sollte ich die Quantenmechanik als Einsturz der menschlichen Vernunft betrachten; allenfalls aber als eine grundlegende Wende derselben. Und warum sollten die Relativitätstheorien nicht ähnlich bewertet werden? Sollte man vielleicht die Geschichte der Wissenschaften überhaupt als eine (mythische) Chronik der Entwicklung des Menschengeistes und vielleicht auch dessen Verfall verstehen? Und warum besonders die Physik? Wäre nicht Mathematik in gleicher Weise zu deuten? Um von den religiösen Weltanschauungen ganz zu schweigen. Ist es nicht der Glaube an die Vernunft der in Frage steht? Vielleicht ließe sich Quantenmechanik nur mit dem Beschluss erklären, dass es so etwas wie Vernunft überhaupt nicht gibt. Mein "System", das Schema mit welchem ich arbeite, beruht auf meinem gegenwärtigen Bewusstsein meiner "geistigen" Gegenwart, auf den Gedanken, Sätzen, Formeln, welche mir jeweils durch Gemüt ziehen und Gegenstände meiner geistigen Betätigung sind. Diese Bewusstseinszustände sind ihrem Wesen gemäß veränderlich und flüchtig. Ich muss annehmen dass alle anderen Menschen vergleichbare Zustände erleben, erlebt haben und erleben werden. Das spontane Denken bewirkt meine unbewusste und unbeabsichtigte Anpassung an meine Umwelt. Dies spontane Denken wird durch bewusste und beabsichtigte Denkvorhaben, durch Gedankenübungen bestätigt und bestärkt (enhanced), welche in symbolischen gesellschaftlichen Gestaltungen, vornehmlich in Sprache und Rechnung, niederschlagen, und dazu dienen mein Gemüt mit meiner Umwelt abzustimmen und mein Wirken, mein Gedeihen zu begünstigen, und mein Überleben in meiner Umwelt zu gewährleisten. Diese gesellschaftlichen geistigen Unternehmen erkenne ich als Wissenschaften. Allein der Name Wissenschaft sollte dienen auf die Unvollkommenheiten, auf die Unvollständigkeiten, auf die Widersprüche und Fehlerhaftigkeiten dieser gesellschaftlichen Geistesunternehmen hinzuweisen. Ich möchte ganz im Allgemeinen erklären, ohne hier auf Einzelheiten einzugehen, dass z. B., die Paradoxe der Quantentheorie nichts über die Welt in der ich lebe besagen; sehr viel aber über die Beschränkungen der Bemühungen der Gesellschaft uns, ihre Mitglieder, mit der Natur in der wir zusammen leben geistig zu versöhnen. Im Zusammenhang mit meiner Beschreibung meines Gegenwartsbewusstseins als Grundlage meines Verständnisses meiner selbst und meiner Welt, möchte ich hier noch einmal das wichtige Thema der Vergangenheit erläutern. Wie ich mehrfach betont habe: ich vermag nur in der Gegenwart zu leben, die Vergangenheit ist mir unerbittlich, endgültig unerreichbar, und doch ist es zu meinem Leben und Überleben notwendig, dass ich denke, dass ich rede, und dass ich schreibe als ob mir die Vergangenheit zugänglich ist. Diese Notwendigkeit rührt von einer gewissen Beständigkeit meiner Umwelt. Die Welt in der ich lebe und wirke ist mir in der Gegenwart in nur beschränktem Maße bekannt. Mein Gedächtnis von Vergangenem vervollständigt meine gegenwärtige Wahrnehmung. Memorabilien, Dokumente, Besitztümer aller Art dienen meinem Gedächtnis, meiner Vorstellung, meiner Phantasie als Anker. Die Geschichten die mir erzählt werden, und die Geschichten welche ich erzähle, die Bücher die ich lese und die Bücher die ich schreibe, dienen als Rahmen und Gerüste für die Vergangenheit die ich heraufbeschwöre und die in der Gegenwart in der ich lebe scheinbar, aber nur scheinbar wirklich wird. Nie sollte vergessen werden, wie nützlich und unentbehrlich auch immer die Beschreibung, die Erzählung von der Vergangenheit sein mag; ihrem Wesen gemäß ist sie vom Gemüt entwickelte Dichtung, und ist ontologisch, in Beziehung auf die Wirklichkeit, nicht vom Mythos zu unterscheiden.