Bei meinem Versuch das Verständnis meiner selbst, meiner Mitmenschen und der Welt in welcher wir zusammen leben zu läutern, hab ich von meinem eigenen Bewusstsein erzählt, und von der Gegenwart in der es sich unvermeidlich befindet. Die Bestimmung dieses Bewusstseins betrachte ich als ein heuristisches Unternehmen, vergleichbar mit der Fahndung des Atoms in den universitären Kanzleien der Physiker, und wie diese Fahndung nichts als Quark entdeckt hat, so erwarte ich eine vergleichbare künftige Zersetzung meiner Bewusstseinsbehauptung. Aber von der Aqua Regia welche diese Zersetzung bewirken möchte, hab ich noch keine Vorstellung. Ich bediene mich des Wortes "Gemüt" als Brücke, - oder sei es nur ein Steg, zwischen Sichbarem und Unsichtbarem, in einer Weise irgendwie vergleichbar mit der Vermutung des Descartes die Zirbeldrüse sei der Ort der Seele. Mein Gemüt ist das Zuhause des Geistes das zugleich über eine örtliche Adresse in meinem Körper zu verfügen scheint. Ich schmirgele, poliere und kose diese meine Vorstellung meines Gemüts als aus unzähligen Bewusstseinseinheiten die sich zu den 2,895,409,800 Sekunden meines Lebens zusammengehäuft haben, nicht weniger emsig und leidenschaftlich als die Naturwissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt das Silikonei mit dem sie Avogadros Gesetz vorzuführen beanspruchen. Die Psychologie die ich vorschlage, die ich behaupte, erwägt eine zeitlich und räumlich lückenlose geistige Welt. Sie besteht aus der Summe der Bewusstseinsgegenwarten aller Menschen aller Zeiten. Das sind zwar mir und anderen Menschen unerkennbare Wesenheiten welche ich dennoch infolge der unentrinnbaren Triftigkeit meines eigenen gegenwärtigen Bewusstseins als die grundlegende atomistische geistige Wirklichkeit der Welt bestimmen muss. Ich verleugne keineswegs, nein, ich bestehe darauf, dass diese Wirklichkeit mir ihrem Wesen nach unerreichbar ist, dass ich aber wegen der Kohärenz meiner Erinnerung an das Vergangene, und wegen der zwangsmäßigen Erwartung meiner Zukunft, darauf schließen muss, dass meine Welt außer mir auch Mitmenschen umfasst, deren Bewusstseinseigenschaften den meinen vergleichbar sind. Ich ahne, dass andere Lebewesen sich ähnlichen Erlebnissen unterzogen befinden, die dennoch in ihrer Art und in ihrem Ausmaß mit den meinen nicht vergleichbar sind. Meine Erlebniswelt wäre bis zur Unmöglichkeit oder Bedeutungslosigkeit beschränkt wenn sie sich unabhängig oder abgetrennt von anderen Menschen entwickelte. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Entwicklung meines Denkens und Fühlens ist mir ohne das Zusammenleben, erst mit meiner engsten Familie, dann mit weiteren Kreisen von Menschen, unvorstellbar. Die symbolischen Instrumente der Sprache und der Mathematik gestalten eine umso weitere, mir unübersehbare, und mir letztlich unverständliche Welt. Ich heiße sie die Welt der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Erfahrung. Wenn man sich des Ausdrucks Wissenschaft im weitesten Sinne bedient, möchte man diese gemeinsame Geisteswelt der Menschen als die Welt der Wissenschaften bezeichnen. Die beiden Welten, die Welt meines Erlebens und die Welt unserer gemeinsamen Erfahrungen überlagern sich und verschmilzen mit einander. Im Alltag ist es mir unmöglich die Erleben meiner Mitmenschen mit ihnen zu teilen. Es ist aber die Eigenart der Kunst, der Musik, der Dichtung, der Malerei, der Skulptur, dass sie unter günstigen Umständen, allenfalls scheinbar Gelegenheit zu gemeinsamem Erleben schaffen. Ansonst teilen wir uns gegenseitig in unseren Erfahrungen mittels der Sprache und der Mathematik. Diese gemeinsamen Erfahrungen werden dann wiederum Gelegenheiten und Gegenstände die ich erlebe wie alle anderen Gelegenheiten und Gegenstände in meiner Welt. Insoweit ich die mir fremden Erfahrungen verstehe, eigne ich sie mir an, und lasse mich von ihnen befriedigen und trösten. Insofern ich mir fremde Erfahrungen nicht verstehe, beängstigen sie mich und drohen mich zu zerstören.