Endlich sollte ich die Gelegenheit gefunden haben die einschlägigen Zeitfragen zu erwägen. Obgleich mir sowohl ein vergangenes wie auch ein zukünftiges Bewusstsein vorstellbar ist, so vermag ich doch durch die Berufung weder auf Vergangenheit noch auf Zukunft, die inbegriffene Gegenwärtigkeit jedes Bewusstseins zu umgehen. Denn von der Vorstellung eines vergangenen Bewusstseins ist mir die begleitende Vorstellung einer "vergangenen Gegenwart" unabtrennbar. Und ähnlich ist es mit der Vorstellung einer "zukünftigen Gegenwart". "Vergangene Gegenwart" und "Zukünftige Gegenwart" sind Widersprüche die zur Erläuterung der sprachlichen Bestandteile, also Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart, zur Erläuterung des empirischen, im Gegensatz zum ideellen Wesen der Zeit beitragen. Diese Widersprüche deuten auf die innere Inkongruität, Ungereimtheit, der Zeit als messbares, bezifferbares Amalgam von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit dem anschaulichen Vergehen der unbezifferten, unkalibrierten, unberechneten Zeit. Bewegung als solche vermag mein Auge nicht wahrzunehmen. Die Sensation der Bewegung ist ein Schluss des Gehirns, des Gemüts wo mit es sich mit einer Folge stationärer Bilder abfindet. Die scheinbare Bewegung des Gegenstandes auf dem Bildschirm infolge kinematischer Verstellung stationärer Bilder ist nicht eine direkte Wahrnehmung der Bewegung sondern Ergebnis der Verarbeitung im Gemüt einer Folge wahrgenommener stationärer Bilder. Und genau dies ist meine Erklärung für die Einbeziehung der Zeit in den Rahmen des Raums, in den Berechnungen der klassischen Mechanik. Die Anmaßung die Zeit mit dem Raum zu vermessen, die Übersetzung von Zeit in Raum als Bewegung, verschleiert die Anschauung der Zeit als Gegenwart. Die Gegenwart ist das Integral der Bewegung und jeglicher anderen Veränderung. Der Gegenwart fehlt das Verständnis für alle Derivate der Veränderung. Die Gegenwart verewigt alles, auch die Veränderung, das Sterben und den Tod. Um sich vor der Zukunft zu schützen erfindet die Gegenwart die Ewigkeit und das ewige Leben. Der Gegenstand im Raum ist ewig gegenwärtig. Die Gegenwart ist der Bereich des Parmenides, des sich ewig Gleichen. Mein Gemüt schließt auf die Bewegung des erblickten Gegenstandes infolge seiner sukzessiven Erscheinung an verschiedenen Stellen im Gesichtsfeld. Die Bewegung tatsächlich sehend wahrzunehmen aber vermag es nicht. Wenn ich einem fliegenden Vogel oder Flugzeug mit den Augen folge, dann projiziere ich das sich Bewegende auf eine feste Stelle im Mittelpunkt meines Gesichtsfeldes, indessen die Stellung der Bäume, der Äste, der Dächer oder der Berge in der Umgebung, in der Peripherie, sich scheinbar von einer Stelle zur anderen bewegend zuckend wahrgenommen wird. Die Newtonsche Mechanik vertuscht die Unvereinbarkeit von Raum und Zeit. Die relativistischen Beugungen von Raum und Zeit fördern diese Vertuschung. Mein Erleben von Zeit ist Widerspruch von Augenblick und Dauer. Mein Erleben von Raum ist die Synthese der drei Dimensionen. Bedeutsam und vielleicht entscheidend für das triftige Weltbild, sind die Tatsachen, dass den Begriffen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, unbeachtet ihrer außerordentlichen Rolle in meinem Erleben, bisher weder mathematischer noch physikalischer Sinn zugeordnet ist. Bezeichnend sind die Tatsachen, dass der Anfang der Vergangenheit und das Ende der Zukunft unbestimmbar sind. In der Abwesenheit aller Begrenzungen wütet die Zeitenrechnung mit meinem Erleben wie ein wildes Tier. Ich habe weder Vorstellung noch Erklärung für die vermeintlichen Tatsachen, dass bei hoher Geschwindigkeit der Verlauf der Zeit sich verlangsamt, und dass sich der Raum in Richtung der Bewegung entsprechend verkürzt. Beide, die Verlangsamung und die Kürzung verstehe ich als rechnerische Vorstellungen welche so oder anders dem Erleben unbegreifbar sind, da sich in jedem Fall beide, die absolute Länge eines Gegenstands sowie das absolute Ausmaß einer Zeitspanne nur rechnerisch bestimmen lassen. Das zeit- und raumbezogene Berechnen von Gegenständen enthebt diese der unmittelbaren Anschauung, aber der Vorgang des Rechnens ist erlebbar, ist Gelegenheit des Erlebens,vund die Ergebnisse des Rechnens sind wiederum selber Gegenstände der Anschauung. Zuletzt möchte ich betonen, dass ich die Ergebnisse wissenschaftlicher Bemühungen nirgends, auf keinem Gebiet, geringschätze, und dass mir die Beziehungen theoretischer Forschungen und Erwägungen und der Veränderungen welcher sich die entwickelnde Gesellschaft im Verlauf der Jahre, der Jahrzehnte und der Jahrhunderte unterzogen hat, von möglicher, wenn nicht gar wahrscheinlich erheblicher Bedeutung vermute; und doch zugleich die Beschreibung und das Ausmaß dieser Bedeutungen fast bis zur Unmöglichkeit schwierig einschätze.