Date: am 20. März 2022 Subjekt: Zweiter Versuch From: Bernd Strangfeld Lieber Jochen, vielleicht klappt es ja doch. Du brauchst Dich gar nicht zu entschuldigen ob Deiner komplizierten Gedankengebilde, wir fühlen uns dadurch zu nichts verpflichtet außer zu bestätigen, dass sie angekommen sind. Das Eingengskapitel hat mich diesmal ganz besonnders amüsiert durch seine kühne und witzige Metaphorik. Das an-hörliche verb "klicken" isi doch ein hübsches Beispiel für die Verwandtschaft der englischen un d der deutschen Sprache. Aber ich kann Dein Misstrauen schon nachfühlen, denn allen Wörtern, die mit Computer zusammenhängen, begegne ich auch zunächst mit Skepsis. Man spricht aber doch auch bei Walen von "Klicklauten", zum Beispiel. Was Du über das Lehrverhaltnis von Lehrer zu Schüler schreibst, trifft ja einen wichtigen Aspekt. Als wir an die gesamtschule kamen- von einem ländlichen Gymnasium in Bayern - und es plötzlich mit höchst unterschiedlich bereiten und befähigten Schülern zu tun hatten, wurde ein "Pädagogischer Ausschuss" gebildet, in dem wir immer wieder hörten, man müsse die Schüler da abholen, wo sie stehen. Sehr wahr. Aber individuell sehr verschieden und auch schwer zu entdecken. Warum solltest Du Dich denn schämen für die personen, die Du in Deinen Romanen erfindest? Sehr amüsant finde ich den text des Rezensenten für Deinen 4-Freunde-Roman. Meinte er das ernst oder ironisch? Zur Mathematik habe ich keine empathische beziehung, während mir das, was Du über das Sehen schreibst, schon plausibler ercheint, natürlich mit Einschränkungen gegenüber Deiner umfassenden Betrachtungsweise. Du sollst Dich nicht für Dein "zügelloses Schreiben" entschuldigen, siehe oben. Stichwort Frühling: Wir hatten letzte Woche krötenrettungsdienst, abends und früh, aber das Wetter war den Tierchen feindlich gesonnen. Wenn wir abends ankamen am gesetzten Zaun, tendierte das Thermometer bereits gegen Null, der Atem (unserer) dampfte, oft bestand unsere Ausbeute in einem einzigen - immer männlichen - Tier, das steif und ratlos den transport über sich ergehen ließ. Zweimal war es milder, unser Rekordfund war an einem Abend : 24 Männchen, 1 Weibchen, 2 Pärchen, 2 Frösche. Die waren übrigens immer sehr viel lebendiger, auch unwillig, und neigten zu beträchtlichen Hüpfleistungen. Mehrere Laufkäger gab es, einmal 5 Fastkugler. Naja, wir sind froh, dass es überstanden ist, der Zaun steht noch 4 Wochen, dann wird er abgebaut, auch ein ziemliches Werl. Glaich geht es wieder vor den Fernseher, wieder die entsetzlichen Nachrichten von den apokalyptischen Vorgängen in der Ukraine. Demnächst fahren wir für etwa 10 Tage nach Weimar, unsere alten freunde besuchen, können aber, falls Du Lust hast zu schreiben, E-Mails auf dem Smartphone (mit dem wir immer mal wieder versuchen uns etwas anzufreunden) lesen. freu Dich wenigstens ein Bisschen am Frühling und jedenfallls sehr am Denken! Herzlich grüßen Deine Gertraud und Bernd.