Das Idealisieren, die Erfindung, Entwicklung und Erweiterung einer Gedankenwelt in welcher wir nunmehr leben und gedeihen ist das unausrottbare (ineradicable) Merkmal des Menschengeistes. Es gilt in allen Phasen des Lebens, in sämtlichen Wissenschaften, im Verständnis unserer selbst als Herde, als Gesellschaft, aber auch, und besonders als einzelne. Ich kann nicht umhin mich mir als Person, als Personba, als Maske vorzustellen, und mein Ich als Seele, nein, lieber René Descartes, weder in der Zirbeldrüse, im Gehirn, im Blut noch im Herzen, sondern im Unerreichbaren, im Transzendentalen, im brennenden Busch wo es unnennbar zu sein behauptet, und wo wir Menschen dennoch darauf bestehen es mit dem Namen Gott zu erniedrigen, weil wir es benötigen um uns zu verbinden. Ich frage mich, wenn ich einerseits das Idealisieren als grundlegende Eigenschaft des menschlichen Denkens bestimme, wie wäre es dann überhaupt möglich ein Entidealisieren zu konzipieren? Würde sich nicht unvermeidlicher Weise meine Vorstellung vom Entidealisieren gleichfalls ein Idealisieren ergeben, so dass meine Behauptung der Entidealisierung sich zugleich als Idealisierung erweisen würde, und somit das Gegenstück, von dem worauf es zielte? Dabei fällt mir der Gegensatz von Tod und Leben auf. Vom Gesichtspunkt des Totseins ist das Leben nicht zu erfassen, nicht zu erreichen. Vom Standpunkt des Lebens ist der Tod unsichtbar, unerkennbar; wenn nur weil die Erkenntnis des Todes eine lebendige Erkenntnis sein muss, und als solche, die Abwesenheit des Todes voraussetzt. Von dem Standpunkt des Todes aber, wenn sich ein solcher überhaupt vorstellen lässt (weil vorstellen Leben voraussetzt) ist jegliche Vorstellung abwesend, ist keine Vorstellung, auch nicht die Vorstellung seiner selbst, geschweige denn die Vorstellung des Lebens denkbar. Das ist meine Erklärung für die unentweichliche Geschichte des ewigen Lebens, ein Mythos der einen jeden von uns lebenslang spukt. Nicht nur das gegenseitige Wohlwollen, ἀγάπη ... https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/la/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-caritas-est.html