Vielleicht die bündigsten Ergebnisse meines lebenslangen Ringen mit den Begriffen von Wirklichkeit, Wahrheit und Wissen sind meine Behauptungen: a) dass mein Geist in doppelter Gestalt in Erscheinung tritt; i) als Wissen wie, als Können, als Fähigkeit mich in der Welt zurecht zu finden, in der Welt zu überleben und vielleicht sogar in ihr zu gedeihen, aber auch ii) als Wissen was, als Verwalten einer Vielfalt von Worten und Zeichen, von Sprache und Mathematik, mittels derer ich mir ein symbolisches Gefüge erbaue und erhalte, eine Vielfalt mittels deren ich unablässlich versuche mein Erleben meinen Mitmenschen mitzuteilen, und durch deren Berichte von dem was sie erlebt haben, mein eigenes Erleben zu ergänzen. Unter der Ägide (Schirmherrschaft) meiner Behauptung, dass mein augenblickliches, gegenwärtiges Erleben die einzige mir verlässliche Wirklichkeit die ich erkennen und anzuerkennen vermag, darstellt, versuche ich die Welt in der ich lebe zu verstehen, zu vervollständigen und zu zergliedern, um mit ihrer Gestalt, ihrer Struktur, und ihrem Wirken, (ihrer Funktion) umso gültiger vertraut zu werden. Meinen Vorschlag dass sich das Wissen in zweckmäßiger Weise unter den herkömmlichen Rubriken von Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften untersuchen ließe, ziehe ich zurück. Begriffsbestimmungen dieser Art sind zwar möglich, aber ihr Sinn ist vom nicht untersuchten und nicht verstandenen Begriff der Wissenschaft geschwächt. Mir scheint es besser schlicht und einfach statt zwei Kategorien Wissenschaften, zwei Kategorien meines Wissens zu überlegen. Die vorstellbaren Beziehungen dieser Kategorien des Wissens zu einzelnen Wissenschaften oder zu Gruppierungen solcher einzelnen Wissenschaften dünkt mich ein weiteres Thema, aber von untergeordnetem Wert. Versuchsweise schlage ich vor, zwei Arten von Wissen zu konstatieren, ein Wissen das sich auf meine Vorstellungen des nicht Gegenwärtigen, auf meine Vorstellungen der Vergangenheit bezieht, wo Vergangenheit all das bezeichnen soll was mir nicht von unmittelbarer gegenwärtiger Wahrnehmung bestätigt wird. Der Ausdruck "unmittelbare gegenwärtige Wahrnehmung" ist pleonastisch insofern jegliche Wahrnehmung ihrer Begriffsbestimmung entsprechend unmittelbar und gegenwärtig sein muss. Insofern dies Wissen eine Vorstellung des nicht unmittelbar Gegenwärtigen erfordert, ist es ein Wissen von der Vergangenheit, (denn von der Zukunft ist Wissen unmöglich,) wie etwa meine Auffassung von Mittelalter, Renaissance oder Reformation, oder meine Begriffe vom Dreißigjährigen Krieg, von der amerikanischen oder französichen Revolution, von den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert, vom Holocaust. Aber auch mein Wissen von dem was vor einem Tag, vor einer Stunde, vor einer Minute geschah ist Wissen von Vergangenem, und mir fehlt jegliches Instrument das Erleben wovon das Wissen erzählt in eine neue Gegenwart zurückzurufen. Die Unterscheidung von Gegenwart und Vergangenheit will verstanden und erklärt sein. Gegenwärtig ist ein Erleben in dem zwei Menschen sich ohne Erzählung und ohne Beschreibung teilen können. Vergangen ist ein Erleben das meiner gegenwärtigen Wahrnehmung entgeht. Indessen konstantiere ich auch ein anderes, ein zweites, oder sollte ich schreiben, ein erstes Wissen das sich auf die Gegenwart, und nur auf die Gegenwart bezieht, und das sich demgemäß immer und immer wieder in unabsehbare Zukunft von Augenblick zu Augenblick erneuern kann, und tatsächlich erneuern muss. Beispiel ist meine Kenntnisnahme einer Uhr, die den Verlauf der Zeit mit einem sichtbaren Ruck des Zeigers, oder mit einem hörbaren Sekundenschlag kund gibt. Ein weiteres Beispiel ist meine Fähigkeit eine Sprache, die deutsche oder die englische, zu verstehen. Was immer ich "auswendig" weiß, was immer ich spontan zu tun vermöchte, wie etwa zu zählen und zu rechnen, oder, wenn ich musikalisch gebildet wäre, Geige oder Flöte oder Klavier zu spielen, gehört in diese Kategorie des unmittelbaren Wissens. Solch unmittelbares Wissen mag man als eine Beschaffenheit des Gemüts or wenn man will des Gehirns deuten. Bei einer solchen Deutung muss jedoch warnend darauf hingewiesen werden, dass die materialistische Voreingenommenheit, das Geistige ließe sich auf die Materie, auf den Stoff zurückführen, ein Irrtum ist. Der Gedanke ist selbstgenügsam. Er bedarf keiner Gründung in irgendeiner Zelle, in Chromosomen, Nervenfasern oder Biochemikalien, wobei zu bemerken ist, dass diese nur durch den Geist, nur gedanklich zu begriffen werden vermögen.