am 12. Februar 2022 Zwischen dem Lesen und dem Schreiben ergibt sich ein unvorhergesehener, ein unerwarteter Unterschied. Lesen ist Leiden. Lesen heißt sich einer Geisteswelt auszusetzen die fremd ist, wenn nur weil nicht gegenwärtig. Was ich lese, auch wenn ich es vor Jahren oder gar nur Tagen selbst verfasste, enthebt mich der Gegenwart und versetzt mich in eine andere, von dieser Gegenwart, von diesem Jetzt und Hier entfernte und entfremdete Welt. Umgekehrt ist's mit dem Schreiben. Zu schreiben ist zu handeln, zu schaffen, tätig zu sein in einer Weise die bewirkt die Gegenwart zu verstärken, wenn nicht sogar sie überhaupt erst zu gründen. Zugegeben, den Mühen um einen Roman von möglicherweise Hunderten von Seiten, vermag es nicht gelingen eine geschlossene Gegenwart zu verkörpern. Dazu ist meine Besinnungskraft zu gering. Aber unter Umständen vermögen die Worte eines Sonetts eine Gegenwart in wenigen Worten zu erfassen und zu erhalten, und dieser Gegenwart einem Glanz zu verleihen der sich auf manch künftige Gegenwarten zu ergießen vermag und in diesen verewigt wird. Aber das Lied, das Lied ist der gelungenste Inbegriff der Gegenwart, denn jedes Mal wenn ich es singend wiederhole, bestätigt und verewigt ich die einstige Gegenwart in der ich er lernte, in der es mich verwandelte in den der es jetzt erinnert und in neue Gegenwarten zu versetzen versteht.