am 8. Februar 2022 Liebe Gertraud, lieber Bernd, Habt vielen Dank für Euern Brief. Er hat mich, wie so oft, zu einer sofortigen Antwort angeregt. Zwei Tage lang hab ich geschrieben und geschrieben; doch je mehr ich schrieb desto unzulänglicher erschienen mir meine Bemühungen, bis ich schließlich einsah, dass ich was ich geschrieben hatte nie würde abschicken wollen, dass mir nichts übrig bleiben würde als meine Erwägungen in den Karteien meines Rechners zu begraben. Um Themen zu entdecken die Euch vielleicht interessierten, hab ich Eure Briefe aus den vergangenen Monaten weitere Male gelesen. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr gern lesen würdet, was ich von Margarets Eltern und Geschwistern, von meinen Eltern und von meiner Schwester, von Klemens, von meiner Schwiegertochter und von meinen Enkelkindern zu erzählen hätte. Aber Geschichten entstehen nicht von selbst. Sie wollen erinnert, wollen manchmal auch erfunden werden. Heute Abend bin ich dazu nicht in Stimmung. Vielleicht morgen, oder sonst ein anderes Mal. Die Vergangenheit ist unwiederbringlich unerreichbar, und verspottet meine Versuche sie mit dem Lesen von Brief- oder dem Betrachten von Bildersammlungen zurückzurufen. Bei 18 Grad sitze ich in baumwollgefütterte Hosen und in drei übereinander gezogenen Jacken gehüllt, vorm elektrischen Heizer. Schalte ich ihn an, werde ich bald zu heiß, schalte ich ihn aus, bin ich zu kalt. Die Aufgabe die sich mir bietet ist geduldig zu sein, bis es Zeit ist zu Bett zu gehen, und dann hoffentlich fest zu schlafen ohne von Schmerzen in meinen verkrüppelten Hüften wach gehalten oder geweckt zu werden. Die Tugend die mir jetzt am notwendigsten erscheint ist Geduld. Herzliche Februargrüße an Euch beide. Ich wünsche Euch, dass Ihr gesund und zufrieden sein möchtet. Euer Jochen