am 31. Dezember 2021 Lieber Herr Nielsen, Vielen, vielen Dank für Ihren Brief, den ich umgehend - und deshalb nur vorläufig - beantworte, damit mein Schreiben Sie noch in diesem Jahr, also in den nächsten zwei Stunden, erreicht. An Sie und Ihre Frau denke ich sehr oft und mit dankbaren Gefühlen für Ihre Freundschaft und Teilnahme. Gesundheitlich geht es mir besser als es sich für einen der einundneunzig und einhalb Jahre alt ist gebührt. Die chronische Entzündung der Hüftgelenke erschwert mir das Stufen und Treppensteigen. Ich schlafe gewöhnlich mindestens zehn Stunden. Die nüchterne Wirklichkeit des Tags bleibt von den lebhaften Träumen der Nacht länger als einstmals vertrieben, möglicherweise eine eintretende Geistesschwäche voraussagend. Ich schreibe unablässlich an meinem Roman, an Gedichten und an Aufsätzen über die schwierigsten und mir unlöslichen Fragen des Wissens und des Verstehens. Dabei bin ich mir der beschränkten eigenen unvermeidlich abnehmenden geistigen Kräfte bewusst, und schäme mich mit allem was ich schreibe, auch mit diesem Brief, den Leser zu belasten. Trotzdem beabsichtige ich, nachdem ich mich verspäteter Weihnachtsgrüße und fürs Neue Jahr aller Guten Wünsche, Ihnen und Ihrer Frau, entledigt habe, diesen Brief in den nächsten Tagen fortzusetzen. Jochen Meyer