am 32. Dezember 2021 From: Margret Steinrück Lieber Jochen! "Ein neues Jahr flicht seinen Kranz aus Freuden und aus Mühen. Sei nur getrost, der Sonne Glanz läßt Dir manch Blümlein blühen!" Ich hoffe, dass Du dankbar auf das vergangene und zuversichtlich auf das neue Jahr blicken kannst. Das ist heuer nicht ganz einfach. Aber wünschen wir uns doch Vertrauen in die Welt, wie Luther es vor 500 Jahren hatte: "Und wenn die Welt morgen untergeht, so will ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen." Ich habe Dir lange nicht geschrieben, auch wenn ich des öfteren an Dich gedacht habe, ob es Dir wohl einigermaßen geht und ob dein Enkel Nathaniel öfters mal bei Dir vorbei schaut. Kürzlich hatte ich Dein wunderbares Gedicht "Bachfest in Bethlehem 1946" in der Hand. Wie wunderbar Du die Liebe zu Deiner Frau auszudrücken verstehst, Du bist eben ein Dichter. Am Heiligen Abend hörte und sah ich das Weihnachtsoratorium aus der Leipziger Thomaskirche, Auch der Dresdener Kreuzchor sang vertraute alte Choräle. Wir waren das erste Mal seit 55 Jahren an diesem Tag allein zu Haus. Das gefiel mir. Hartmut meidet wegen Corona fast alle Kontakte. Zudem hat er sich am Nikolaustag den Oberarm gebrochen. Wegen seines schwachen Herzens ist er nicht OP-fähig. So ist wochenlange Ruhigstellung vonnöten. Das gelingt zu zweit besser als gedacht, wir sind ganz zufrieden. Im ebenfalls älter werdenden Freundeskreis bleiben Krankheit und auch Tod nicht aus. So ist die Stimmung gedämpft, aber die Freude an Musik, Kultur und Natur ungebrochen. Dir wird es wohl ähnlich ergehen. Ich wünsche Dir eine gute Zeit, bleib einigermaßen gesund, grüße Deinen Enkel und sei Du sehr herzlich gegrüßt von Margret