Zwei Modalitäten des Wissens sind: a) die Assimilation des Gemüts an das Wahrgenommene, b) der idealisierende Entwurf des Modells als Ersatz für anderweitig unzugängliches, unerreichbares Erleben. Das Modell wird dann Quelle eines Ersatzerlebens, eines Pseudoerlebens. Das Modell ist zwar nicht die letztliche unantastbare Wirklichkeit, bietet aber dennoch ein Abbild der Wirklichkeit genügend, zulänglich, sufficiently, nah, dass es sinnvolle, mögliche praktische Handlung ermöglicht. Einschlägiges und beweisendes Zeugnis ist die (Wander)Karte. Sie gilt in den verschiedensten Größen, vom Bild des Elektronenmikroskops bis zur Bild des Weltraumtelskopes das nicht nur den Raketenflug im Weltraum sondern auch eine neuzeitliche Mythenbildung über die Schöpfung, bezw. Entstehung ermöglicht. Weiteres Nachdenken legt mir die Vorstellung nahe, dass Modell und Modelllieren die Wesen sämtlicher, aller Wissenschaften sind. Sozusagen rückwärts betrachtet, besagt die Tatsache dass Wissenschaft ihrem Wesen gemäß mitteilbar sein muss, weil Wissenschaft eine gesellschafliche Erscheinung ist. Eine Wissenschaft die lediglich das unmitteilbare Wissen eines Einzelnen umfasst ist undenkbar. Das Modelllieren waltet am durchdringendsten in den Naturwissenschaften; aber auch in den Geisteswissenschaften ist es einschlägig und unentbehrlich. Vielleicht ist Modellllieren die Brücke auf der sich die beiden, Geistes- und Naturwissenschaften, treffen. Wissen als Assimilation des Wahrgenommenen ist seinem Wesen gemäß unverbrüchlich gegenwärtig. Möglicherweise ließe sich der Assimilationsvorgang als Zeitbestimmung der Gegenwart, als Gegenwartsbestimmung feststellen. Ebenso möchte man das Modellieren als Vergegenwärtigung des Außergegenwärtigen, als Lokalisierung in unmittelbarer Nähe, Verörtlichung des räumlich Entfernten verstehen. Es gibt Modellieren verschiedenster Arten und Dimensionen. Das Modell macht das Unerreichbare in Raum und Zeit scheinbar erreichbar. Von großer Bedeutung sind historische Modelle welche die Vergangenheit (und vielleicht auch die Zukunft) vergegenwärtigen. Modelle des Kosmos sind verführerisch beeindruckend. XXXXXXX Denken, Fühlen, Empfinden und Wahrnehmen sind die natürlichen Betätigungen des Geistes, vergleichbar mit dem Bewegen und dem Ruhen als die natürlichen Betätigungen des Körpers. Ich frage mich, ich frage uns, wie verhält sich die Vorstellung zur Wahrnehmung. Es muss daran erinnert werden, und es muss wiederholt werden, dass vorerst Wahrnehmung und Vorstellung nichts als Worte sind, deren überlieferte Sinnen, was immer sie sein möchten, von den Bedeutungen mit denen sie sich dem Einzelnen jeweils vorläufig darbieten, ersetzt werden. Mit diesem Vorbehalt heiße ich Wahrnehmung die Ansichten, die Laute, die Gefühle die momentan auf mich eindringen. Vorstellungen heiße ich Wahrnehmungen von meinem Gemüt dermaßen assimiliert, dass sie den Schein ihrer eigenen Gestalt, ihrer eigenen unabhängigen Existenz gewonnen haben und mich wiederkehrend beschäftigen, wobei Vorstellungen nichts zu den Wahrnehmungen denen sie entsprangen hinzufügen. Das Bedürfnis, wenn nicht gar die Notwendigkeit die Grenzen der Wahrnehmungen zu überschreiten, führt zu und verursacht Entstehung und Entwicklung geistiger Gefüge die ich mit dem Wort Modellle bezeichne. Modellle sind unmittelbare doch mitteilbare Erzeugnisse des Gemüts das bestrebt ist sich einer ihm unerreichbaren Wirklichkeit zu versichern. Modellle haben die verschiedensten Formen, die ich beschreiben will, so wie sie mir einfallen. Zuerst erwähne ich die Zeitmodelle, vornehmlich der Vergangenheit, aber auch in bestimmtem Maße, der Zukunft. Das Muster aller Zeitmodelle ist mein gegenwärtiges Erleben, ist die Gegenwart, wie ich sie jetzt erlebe. Zugegeben und wohl bemerkt, es gibt willkürliche Rahmen für jedes vorstellbare Wirklichkeitsmodell, wie etwa der Tag, der Monat das Jahr, das Jahrzent, das Jahrhundert, das Jahrtausend. Das Zeitmaß verwandelt das Modell vom erlebbaren in ein berechenbares, das sich jenseits unserer Erlebensmöglichkeit verlagert. Es ist mir ebenso unmöglich mir eine Pico oder Nanosekunde zu vergegenwärtigen, wie ein Lichtjahr oder eine Millionen Lichtjahre, wie das Alter der Erde, 4.54e12 Milliarden Jahre, oder den Urknall vor 13.8e12 Milliarden Jahre. Die Raummodelle sind gleichfalls verwickelt, umso mehr als für große Entfernungen ein Zusammenfluss von Raum und Zeit vorausgesetzt wird. ein Lichtjahr = 9.461e12 Milliarden Kilometer ein Lichtjahr = 9.461e15 Billionen Meter Entfernung seit Urknall = 1.305618e26 Km Entfernung seit Erdenentstehung = 42.9529e25 Km Weltall Radius = 1.305618e26 Km Zeitspannen und Entfernungen von übermäßigem Ausmaß sind offensichtlich, obviously, nicht anschaulich (intuitiv) überbrückbar. Das Modellieren ist eine dem Menschen eingeborene natürliche Fähigkeit, Das Modellieren ist der unmittelbarste Ausdruck der Assimilation. Denn jede Szene, jeder Vorgang dessen ich mich erinnere hat sich in mein Gemüt geprägt. Nunmehr drängt das Gemüt die Wahrnehmung, den Eindruck zu wiederholen. Weil aber Wiederholung unmöglich ist, verlegt sich das Gemüt auf Reproduktion. Weil Wiederholung unmöglich ist, strebt das Gemüt das Geschehen, das Erleben, die Erfahrung nachzuahmen, zu modellieren, um hernach befähigt zu sein Handlungen die das einstige Erleben ansprechen zu vervollständigen. Zum Beispiel, drängt es den Menschen erst seine unmittelbare, dann seine mittelbare, zunehmend weiter entfernte, Umwelt zu überschauen, wenn nur um sich zu schützen. Daraus ergibt sich das Messen von Entfernungen mit Zahlen ohne Ende. XXXXXXXXXXX Alles mittelbare Wissen muss als Modell verstanden werden, i.e., als etwas vom Subjekt auf Grund der Assimilationsverwandlungen denen es unterzogen worden ist, als in die Bereiche der objektiven allgemein zugänglichen Darstellung als Symbolik, sei sie historisch, erzählerisch oder mathematisch eingegliedert. Die Mitteilung des Wissens vom Wissenden setzt eine vorhergehende Assimilation voraus. Wissen vermag unmittelbar durch Assimilation des Ausdrucks des Betragen des Wissenden, i.e., des Lehrers empfangen werden. Wissen vermag aber in unsaglich vielfältigerer Weise vom Modell, von seiner formellen Modell Darstellung als Geschichte, als Wortgefüge, als mathematisches, physikalisches, chemisches, biologisches Gefüge, mitgeteilt werden. Das Verstehen solcher Modelle besagt ihre Assimilation vom Verstehenden, besagt dass des Verstehenden Gemüt von den jeweilig erlernten Modellen verwandelt worden ist. Das Modell hinwieder ist Ausdruck des Gemüts des Lehrers. Dieses Gemüt wurde, als es das ihm im Modell vermittelte Wissen assimilierte, verwandelt. Um was ich erfahren habe zum Ausdruck zu bringen, muss ich es als Modelll formulieren, ausdrücken und herausgeben. So bestehen die Wissenschaften in entwickelten Ketten von Modelllen welche der Schüler "auswendig" lernt um sie dann inwendig zu assimilieren. Der gute Lehrer lehrt Modelle die er selber assimiliert, verstanden, erlebt hat. Der schlechte Lehrer überträgt (transmits) Modelle ohne sie selbst assimiliert, verstanden zu haben.