Heute Morgen meine ich Platons Ideenlehren - oder sollte es sein, Ideenleere - in neuer Hinsicht zu begreifen, als ein monumentales Gebilde des Menschengeistes womit der Mensch die traurige, erschreckende, furchtbare Tatsächlichkeit seines Alltags verschleiert. Epitome des Idealismus sind das ewige Leben, die Glückseligkeit der Menschheit und ihrer einzelnen Mitglieder, das lückenlose Wissen um die Welt und das Verstehen des Gewussten, die Möglichkeit des vollkommenen Guten. All dies ist ein Vorwegnehmen (Antizipation) der judeo-christlichen Gottesvorstellung, und der leibnizschen prästabilierten Harmonie. All dies mit dem Ergebnis, mit dem Nachlass, einer fast nicht zu bewältigenden Schrott-, Schuld- und Mülldeponie des Alltags. Die Vereinbarung jenes täuschenden Ideals mit der Wirklichkeit wird dann die Aufgabe der mondänen Religiosität.