Date: October 9, 2021 4:02 p.m. From: bugstrangfeld@web.de Subject: Darwin u.s.w. Lieber Jochen, herzlichen Dank für Deinen langen, sehr interessanten Brief! Es ist wirklich erstaunlich, welche Verbindungen sich im Leben an verschiedenen Stellen der Welt ergeben und wie sich Menschen thematisch verknüpfen. Darwin habe ich nicht gelesen, er steht nur seit langer Zeit im Regal, vielleicht trete ich ihm im Winter mal etwas näher. Ich weiß nur, dass unser hochgeschätzter Entomologe Jean-Henri Fabre aufgrund seiner Beobachtungen an Insekten skeptisch war gegenüber Darwins Erkenntnissen und ihn gern mal getroffen hätte, wozu es leider nicht kam. Jetzt muss ich Dir wieder einmal eine gescheite oder überhaupt nur Antwort schuldig bleiben, freue mich aber, dass Dich meine Frage wegen des Ernst Mayr so in Schwingung versetzt hat. Mich interessiert, woher er die Foxglove-Samen hatte - sie wachsen doch sicher in Eurer Ostküstengegend? - , denn anscheinend kommen sie in Maine nicht vor. Oder ich habe etwas missverstanden. Wie kommt Ihr, Du und Margaret, eigentlich auf Bernd Heinrich? Es ist ja erstaunlich, welche Menschen sich vor oder nach dem 2.Weltkrieg in den USA eingefunden haben. Immerhin ist Heinrichs Familie ja nicht vor den Nazis geflohen. Aber das kann ich nicht beurteilen. Vielleicht war nach ihren Erfahrungen der Geist durchaus nicht verflogen - das ist ja so. Ich muss das noch einmal im Internet nachlesen. Es wird nur ganz kurz heute Abend, morgen fahren wir für eine Woche nach Goslar und haben wieder vieles auf die letzte Minute aufgeschoben, lauter Seitenverzweigungen mussten wir noch zwischendurch erledigen, wie Bürgersteig von Blättern und Zweiglein der gebeutelten Eichen bef reien, abwaschen, packen all der elektronischen Kleingeräte und ihrer Verbindungskabel, Gegenstände nach vorher erstellter langer Liste zusammensammeln, Lektüre bedenken, uns vorstellen, welche Fotos aus alten Zeiten und welche etwaigen Bücher unerwartet benötigt werden könnten, wenn wir mit Klasenkameraden aus Kindertagen zusammentreffen ... Naja, Bernd wurde sehr kribbelig, fühlte sich schlapp und unfähig zu weoteren konstruktiven Taten und überlegte, ob sich vielleicht eine Depression ankündigte, und wollte wissen, ob er solche Zustände schon früher mal gehabt hätte. Hatte her. Sie dauerten lange und zogen sich nur zögernd zurück. Nun hat er Baldrian geschluckt, das lindert hoffentlich die Sorgen. Ich werde es ihm demnächst gleichtun und dann zu meiner augenblicklichen Lektüre, Ein Garten in Italien, geschrieben von einer amerikanischen Journalistin und sehr viel besser und informativer, auch liebevoller als der Titel vermuten lässt. Wir hatten 2 oder 3 phantastisch schöne, sonnige, warme Tage, an denen wir einmal auf einer vom Verschönerungsverein hingestellten Bank saßen, schnurrend, das Gesicht der Sonne entgegengereckt und von Wohlgefühl durchschlichen (-drungen passt nicht, es klingt so gewalttätig). So, jetzt sage ich Dir gute Nacht, lieber Jochen, und drück mal die Daumen, dass wir morgen heil und vergnügt in Goslar in unserer kleinen Pension ankommen. Samt dem reichlichen Gepäck. Liebe Grüße! Deine Gertraud und Bernd.