am 22. September 2021 Liebe Gertraud, lieber Bernd, Soeben hab ich die Photographien, die gestern im Postkasten lagen noch einmal angeguckt. Es ist wahr, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und die achtundzwanzig Abzüge die Ihr mir sandtet, sagen mehr als achtundzwanzigtausend Worte, über die Blumen, über die Schmetterlinge und über die Bienen, über Euern Garten, über die umliegende kierspesche Landschaft, und natürlich über Euch. All das Unausgesprochene zur Kenntnis zu nehmen, bestätigt mir ein Bündnis der Gefühle zwischen uns, denn mein von hohen Ahornbäumen überschatteter Hinterhof ist gleichfalls von spontanem Gewächs bedeckt, - man nennt es "freiwillig", (volunteer) das sich in den sechzig Jahren seit wir hier einzogen, von irgendwelchen gärtnerischen Bestrebungen fast völlig unbehelligt, ausgebreitet hat, und jetzt ein dichter grüner Teppich geworden ist, im Herbst ganz ohne Blüten, wo im Frühling die Schneeglöckchen, Osterglocken und besonders die Maiglöckchen sich gegen die Efeuflut durchzusetzen versuchen. Im Gegensatz zu Euern Bildern, die mir in so lebhafter Weise von Euch berichten, finde ich dass der begleitende Zeitungsausschnitt über das Klavierfest mit Evgeny Kissin in Dortmund, trotz der vielen anspruchsvollen Worte, wenig sagt über die Musik die gehört werden muss, wie eben die Blumen die ihr photographiertet gesehen werden wollen. Das sind meine heutigen Gedanken. Außerdem sende ich Euch, wie stets, herzliche Grüße, und Wünsche für alles Gute. Euer Jochen