Subject: Bernd From: bugstrangfeld@web.de Date: Fri, 9 Jul 2021 12:33:27 +0200 Lieber Jochen, danke für Deine schnelle Antwort auf die Nachricht von Bernds Unfall. Deine *Überlegungen zur Rolle des Arztes allgemein sind sicher im Prinzip ganz zutreffend, man könnte hinzufügen, dass "der Arzt" versucht, die Spanne zwischen dem Augenblick und dem irgendwann unvermeidlichen Ende zu verlängern und wieder angenehmer zu machen. Bernd ist seit einer Wochen in einer Art Zwischeneinrichtung, einer gereatrischen, wo er tauglich gemacht wird für eine reguläre Reha. Ich habe sein Bein gesehen vorgestern, fand es erschreckend, der ganze Unterbauch und Oberschenkel ein einziger Bluterguss, sehr geschwollen, die Wunde hat länger genässt - kein Wunder, es muss das reinste Schlachtfest gewesen sein - , und schmerzt noch beträchtlich. Er hat 2 Bluttransfusionen bekommen wegen seiner Anämie, die durch den heftigen Blutverlust bei der OP sich sehr verschlimmert hat. Er macht aber Fortschritte, und wir hoffen inständig, dass er nächsten Donnerstag - 15.7. -in die Reha nach Nümbrecht gebracht werden kann. Dort wird er wohl 3 Wochen bleiben. Vieles ist noch ungewiss. Bernd ist aber relativ wohlgemut Am 15.7. bekommen wir - d.h. nun ja nur ich - für ein paar Tage Besuch von Richard und Anette aus München, die sich nicht abschrecken lassen und bereit sind zu helfen, wo es geht. Da wird sich schon etwas finden. Bisher durfte ich Bernd täglich zwischen 16.oo und 19.oo eine Stunde besuchen, allein, geimpft. Ich hoffe, dass wird in der Reha auch so sein. Ich besuche ihn aber nur alle paar Tage. Dazu telefonieren wir täglich mindestens zweimal. Hilfreiche Freunde in der Nachbarschaft erleichtern mir das leben. Ansonsten merke ich die Folgen unserer jahrzehntelangen Arbeitsteilung an allen Ecken und Enden, von der Bank-Überweisung über Computer, Gartentätigkeiten bis zu Autobehandlung.So weit sollte man es nicht kommen lassen.Ich weiß im Augenblick gar nicht, was ich eigentlich zu unserem Funktionieren beitrage. Gestern habe ich im Garten unseres 90jährigen Nachbarn einige Stunden gejätet und drei Säcke gefüllt, das ist ja auch was. Dieser Sommer ist sehr anders als die letzten drei, nass, was zur Folge hat, dass alles enorm wächst und unsere Wege kaum noch zu betreten sind. Aber schön ist es vielfach. Abends öffnen sich die NAchtkerzen (Evening primroses), die Königskerzen (Verbascum) stehen prächtig, die Wegwarten fangen an, himmelblau. Vieles ist gebeugt oder liegt darnieder wegen Regen und Wind, ich schneide viel ab und lasse manch Pflanze wieder den Himmel sehen.Auf der Terrasse wie üblich buntes Gewusele. Viele Anrufe. gestern ein Perlmuttfalter im Garten, Sensation. Aber zu meinen täglich Trimm-Gängen komme ich eher selten. Mein Gemüt versuche ich unter einem Tuch zu verbergen. DieRosen blühen, obwohl so viele Teile erfroren waren. So allmählich belebt sich doch so mancher Zweig. Jetzt werde ich den Rucksack für Bernd packen und mich dann irgendwie draußen beschäftigen. Dir alles Gute! Liebe Grüße, Deine Gertraud.