Liebe Gertraud, Vielen Dank für Deinen Bericht über Bernds Genesen. Ich suchte vergebens nach einem deutschen Ausdruck für das amerikanische "update", das im Englischen fast so unbeholfen klingt wie in der ruchlosen Übertragung. Dabei bemerke ich, dass ich gegen den Missklang in der Muttersprache empfindlicher bin als gegen die Dissonanz in der Stiefmuttersprache. Ich scheue mich vor jeglichem Kommentar zu dem Unfall, zur Notfalleinlieferung ins Krankenhaus, zum operiert Werden und zum Operieren, zum gepflegt Werden und zum Pflegen, weil ich als Arzt lebenslang gewohnt war, in das Geschehen nicht als Redner sondern als Handelnder einbezogen zu sein. Und doch bin ich zu dem Beschluss gekommen, der vielleicht auf meine berufliche Unzulänglichkeit weist, dass es am Ende aller praktischen Bemühungen die Aufgabe des Arztes ist zwischen dem Patienten und der unumgänglichen Hinfälligkeit des Lebens zu vermitteln statt diese zu verleugnen. Bitte fahr fort mich über Bernds Zustand auf dem Laufenden zu halten, und bitte vergib mir, dass ich nichts weiteres für Euch zu tun vermag, als den Versuch, das was Ihr durchmacht zu begreifen. Dein Jochen