am 30. Juni 2021 Liebe Gertraud, Für deinen Brief, mit all den Schmerzen und Sorgen und der großen Traurigkeit die er bekundet, fast muss ich mich schämen Dir auch nur für ihn zu danken, denn unter diesen besonderen Umständen, wirkt jede Erwähnung als eine Bestätigung dessen was geschehen ist, wovon man doch so innig wünschte, dass es nicht geschehen wäre. Und da es nun geschah, ist auch dieser Wunsch, dass es nicht geschehen wäre, ein ungehöriger; denn die Aufgabe ist ja sich selber und sein Leben durch das was geschehen ist verwandeln zu lassen und somit das Weiterleben zu ermöglichen. Diese Assimilierung an das Gegebene ist der Vorgang mittels derer "die Natur" alle Gebrechen heilt, oder jedenfalls versucht dieses zu tun. Die frommen - oder frömmelnden - Menschen redeten davon "sich in den Willen Gottes zu fügen". Aber es sind alles nur Worte. Betreffs meiner Übersetzungtätigkeit für Reinhold Busch ist zu berichten, dass ich ungefähr 86 Seiten etwas mehr als ein Drittel des Buches fertig gebracht habe. Darin sind einbeschlossen die Biographieen der Nachkommen meiner Großmutter Elfriede, also auch der Bericht über mich selbst der mich im Rückblick nicht weniger läppisch anmutet als in der Aussicht. Inzwischen machte ich eine Pause mit meinem Übersetzen um die vorläufigen Ergebnisse dem Verfasser vorzulegen, hab aber auf meine letzten beiden Briefe keine Antwort von Dr. Busch bekommen. Ich vermute dass er zu alt geworden ist, oder zu krank um aus meinen Bemühungen Nutzen zu ziehen. Dann wäre es mir erlaubt mich anderen Aufgaben zuzuwenden. Davon wäre nicht die geringste, an Euch zu denken, und Euch ein Leben so erträglich wie möglich zu wünschen. Dein Jochen